Eingabehilfen öffnen

Skip to main content
Rankings - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Rankings
Unternehmensverzeichnis - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Unternehmen
Newsletter - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Newsletter
Klarheit und Haltung

Kultur entscheidet, ob Unternehmen Krisen überstehen

Klarheit und Haltung

Kultur entscheidet, ob Unternehmen Krisen überstehen

Artikel teilen

Bei der systemischen Beraterin Barbara Schmidt trifft Klarheit auf Haltung – besonders, wenn es um Unternehmenskultur und Führung geht.

Jedes Unternehmen hat eine Kultur“, sagt Barbara Schmidt. „Aber ob diese auch Motivation, Vertrauen und Innovation stärkt – das ist eine ganz andere Sache.“ Seit über 20 Jahren begleitet sie Unternehmen in ihrer Strategie- und Organisationsentwicklung – mit klarem Fokus auf sinnstiftende Ziele und Werte. Ihr Credo: Mehr Mut zur Klarheit.

Werte als Fundament

Viele UnternehmerInnen würden sich verstärkt auf Strukturen und Prozesse konzentrieren, dabei gehe laut Schmidt oft wertvolles Potenzial im Betrieb verloren. Denn die Expertin weiß: Motivation und Vertrauen lassen sich nicht verordnen – sie entstehen aus einer bewusst gelebten Kultur. Und diese beginnt bei den Werten.

Alle Prozesse, Abläufe, Machtdynamiken und Gewohnheiten im Betrieb formen diese Kultur und wirken zugleich als strukturgebende Elemente. In der Praxis heißt das: Abläufe können nicht effizienter, innovativer oder lösungsorientierter gestaltet werden, wenn das „Wozu“ nicht klar definiert ist – und kein Verständnis für die Unternehmenswerte besteht.

Zwischen Leitbild und gelebter Realität

Schmidt begleitet Unternehmen in der Anfangsphase durch ein bis zu zwölf Monate dauerndes Coaching – intensiv, praxisnah und mit dem Ziel, sie zur Selbstwirksamkeit zu befähigen. Unnützes Wissen und Tools, die sich in der Praxis nicht anwenden lassen, werden konsequent aussortiert. „Meine Klarheit muss so weit gehen, dass mein Ziel immer auch darin besteht, das Unternehmen in kürzester Zeit zu befähigen, selbstständig zu arbeiten. Das ist mein Qualitätssiegel“, so die Expertin.

In der Regel kommt die Beraterin dann ins Spiel, wenn die Führung bereits „eine hohe Reflexionsfähigkeit sowie eine Haltung und Prinzipien entwickelt und definiert hat“, wie Schmidt sagt – und nun wissen möchte, wie diese auch von den Mitarbeitenden verstanden werden können. „Es sind eher jene Unternehmen, die immer schon versucht haben, über den Tellerrand zu schauen und ihren eigenen Weg zu finden.“

Zunächst prüft sie, was im Betrieb bereits vorhanden ist.

  • Welche Werte werden im Alltag tatsächlich gelebt?
  • Welche Gewohnheiten und Muster prägen die Zusammenarbeit?
  • Und welche Werte braucht das Unternehmen, um zukunftsfähig zu bleiben?

„Viele Unternehmen haben ein Leitbild, aber es wird nicht gelebt“, weiß die Unternehmensberaterin. Es wurde einmal erarbeitet, aber nicht wirklich zum Leben gebracht, sondern fristet ein Dasein in einer Schublade oder als Wandposter. Dabei sollte das Leitbild weit mehr sein als ein hübsches Imageprospekt. „Es ist die Basis, auf der Entscheidungen, Kommunikation und Zusammenarbeit aufbauen.“ So setzt Schmidt mit ihrer Arbeit genau da an: zwischen dem Leitbild in der Schublade und der Frage, wie es gelebt – und am Leben erhalten – werden kann.

Führung beginnt mit Haltung

Ein Leitsatz zieht sich durch all ihre Arbeit: „Wertearbeit ist eine Haltung. Und die ist zunächst Chefsache.“ Deshalb beginnt auch jeder Veränderungsprozess bei den Führungskräften selbst. „Bevor wir über Mitarbeiterbindung sprechen, muss sich die Führung fragen, wie sie selbst zum Beispiel mit Verantwortung oder Fehlern umgeht“, so die Expertin.   

  • Lebe ich als Führungskraft Verantwortung vor – und ermögliche ich sie?
  • Ermutige ich andere, Verantwortung zu übernehmen?
  • Wie reagiere ich auf Fehler – und wie gehe ich selbst mit ihnen um?

Das erfordert Mut und Selbstreflexion – und manchmal auch den Blick in den Spiegel. „Das ist nicht immer angenehm, aber absolut notwendig“, sagt Schmidt. Dieses Bewusstmachen und die aktive Auseinandersetzung mit bestimmten Werten sind der Schlüssel dazu. „Oft wird nach dem Bauchgefühl entschieden – aber auch dieses Bauchgefühl muss erst einmal identifiziert werden.“ Erst wenn die Führung ihre Werte klar definiert und lebt, können diese auch im Unternehmen spürbar werden.

Weniger ist mehr

Statt mit vollgepackten Wertebäumen und Hochglanzbroschüren zu arbeiten, verfolgt Barbara Schmidt in ihrer Arbeit einen pragmatischen Ansatz: Weniger ist mehr. „Drei Werte, die in einem Unternehmen gelebt werden sollen, reichen völlig aus. Eigentlich würde schon ein einziger genügen, wenn er wirklich gelebt wird.“ Die Werte sollten so klar wie möglich benannt sein.

  • Für welche Unternehmenswerte stehen wir genau?
  • Welche Werte zahlen in unsere Strategie und Positionierung ein?
  • Welche Werte sind nach innen und nach außen schon erlebbar?
  • Und was sind wir aber auch nicht – zum Beispiel Feedback-Gespräche zwischen Tür und Angel?

Entscheidend dabei sei, wo und wie Werte sichtbar werden.

Kommunikation als Brücke

Der Schlüssel für all das ist Kommunikation. „Sie ist die Brücke zwischen Haltung und Handlung – und sorgt dafür, dass das Leitbild eben nicht in der Schublade verstaubt, sondern im Alltag gelebt wird“, sagt Schmidt. Ehrliche Ansätze, die festgelegten Werte langfristig zu verfolgen – und ihnen treu zu bleiben –, gibt es laut Schmidt viele.

  • Wo wollen wir gemeinsam hin?
  • Welche Rahmenbedingungen müssen dafür geschaffen werden?
  • Wie erleben Mitarbeitende diesen oder jenen Wert?

Offene Gespräche, ehrliche Rückmeldungen und gemeinsame Reflexion schaffen Klarheit – und genau diese Klarheit sei der wahre Beschleuniger im Unternehmen. „Wenn alle wissen, was die gemeinsamen Werte im Betrieb sind, dann läuft es plötzlich ganz von selbst.“

Erfolgsbeispiel

Ein mittelständisches Tiroler Unternehmen stand vor der Herausforderung, die Zusammenarbeit zwischen Produktion und Verwaltung zu verbessern. Anstatt zunächst neue Prozesse einzuführen, startete die Geschäftsführung mit einem offenen Werte-Dialog. In regelmäßigen Teamgesprächen wurde gemeinsam reflektiert, was Vertrauen und Verantwortung im Alltag konkret bedeuten – und wie sich diese Werte in Entscheidungen und Kommunikation zwischen den Bereichen zeigen können.

Das Ergebnis: Konflikte wurden früher angesprochen, Abstimmungen liefen reibungsloser und die Zahl der kurzfristigen Personalwechsel ging deutlich zurück. Für Barbara Schmidt zeigt dieses Beispiel: „Wenn Werte bewusst gelebt werden, entstehen nicht nur bessere Beziehungen und höhere Motivation, sondern auch spürbare betriebswirtschaftliche Effekte.“

Für Schmidt steht fest: „Kulturarbeit zahlt sich aus – nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich.“ Denn Unternehmen, die ihre Werte bewusst gestalten, treffen klarere Entscheidungen, binden Mitarbeitende langfristiger und agieren resilienter in Krisenzeiten. Das zeigt: Werteorientierung ist kein „Soft-Thema“, sondern ein handfester Wettbewerbsvorteil.

Trennlinie

Zur Person

Barbara Schmidt studierte am MCI in Innsbruck und leitete einen Hotelbetrieb, bevor sie 2006 den Startschuss für ihr Beratungsunternehmen mit den Standorten Innsbruck und Strass im Zillertal gab. Sie kann auf über 20 Jahre Erfahrung in der Begleitung von Unternehmen und Organisationen zurückblicken – und kennt daher die Hürden, Dynamiken und vor allem die Bedeutung von klarer Führung.

TopTirolSpeakerLichtblick 29

30. November 2025 | AutorIn: Michaela Ehammer | Foto: Gerhard Berger

top.tirol Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über Tirols Wirtschaftsgeschehen