Im österreichischen Gesundheitswesen ist Zeit ein knappes Gut. Für Patienten – und noch mehr für Ärzte. Überfüllte Wartezimmer, überlastete Telefonleitungen, fehlende digitale Schnittstellen: Was im Alltag vieler Praxen zur Routine gehört, empfinden zwei Tiroler Gründer als vermeidbares Übel. Mit ihrer App Medonn wollen sie das ändern.
Was Ivo Schmitt und Dano Seidemann aufbauen, ist mehr als ein weiteres Terminbuchungstool. Medonn versteht sich als umfassende digitale Plattform, die nicht nur den Kontakt zwischen medizinischem Personal und Patient:innen erleichtert, sondern auch Verwaltungsvorgänge automatisiert. Der Anspruch: eine zentrale Schnittstelle für den gesamten Gesundheitsmarkt – von der Arztpraxis über die Physiotherapie bis hin zum Fitnessstudio.
Ein System, das Zeit schafft
„Der größte Hebel liegt im Zeitgewinn“, sagt Schmitt. Der Gründer verweist auf eine Zahl, die Ärzt:innen in ganz Österreich bekannt vorkommen dürfte: Zehn bis fünfzehn Stunden pro Woche verbringen viele Mediziner:innen mit Aufgaben, die nichts mit Heilen zu tun haben – von Terminabstimmungen bis zur Beantwortung banaler Anfragen. Medonn will genau hier ansetzen. Der administrative Aufwand soll um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Möglich wird das durch automatisierte Prozesse wie Online-Buchungen, digitale Patientenkommunikation und eine strukturierte Verwaltung von Dokumenten.
Technisch sieht das so aus: Patient:innen öffnen die Medonn-App, sehen in Echtzeit freie Termine in ihrer Region – etwa bei einem Hautarzt – und buchen direkt. Bewertungen, Standort und geschätzte Wartezeiten werden angezeigt. Der Clou: Auch das Thema „No-Shows“, also nicht wahrgenommene Termine, soll durch smarte Reminder und transparente Buchungshistorien eingedämmt werden. Ärzt:innen wiederum können ihren Kalender effizienter steuern und Termine gezielt auffüllen.
Vom Zahnarztmarkt zum digitalen Ökosystem
Ivo Schmitt weiß, wie fragmentiert der europäische Gesundheitsmarkt sein kann. Als ehemaliger Mitarbeiter von BGB Dentistry vermittelte er jahrelang Zahnärzt:innen aus Süd- und Osteuropa nach Holland – inklusive Sprachkurs und Jobgarantie. Die Erfahrung, wie wichtig gut strukturierte Abläufe und klare Kommunikation sind, prägt auch sein aktuelles Projekt.
„Medonn soll ein intuitives, sicheres und datenschutzkonformes System sein – aber vor allem eines, das von den Menschen gerne genutzt wird“, so Schmitt. Die Plattform richtet sich daher nicht nur an klassische Arztpraxen. Auch Physiotherapeuten, Psycholog:innen und sogar Fitnessstudios können ihre Angebote digital zugänglich machen. Letztere sollen insbesondere von der Möglichkeit profitieren, offene Kursplätze schnell zu besetzen oder neue Kunden zu gewinnen.
Ein Pilotprojekt für ganz Österreich
Aktuell befindet sich Medonn in einer frühen Testphase. In Zusammenarbeit mit ersten Pilotpraxen wird die Plattform im Praxisalltag erprobt. Die Rückmeldungen seien ermutigend, sagt Schmitt. Viele Ärzt:innen hätten lange auf ein derart integriertes System gewartet – eines, das über einzelne Praxislösungen hinausgeht und sektorübergreifend funktioniert.
Für das erste Jahr plant das Startup den offiziellen Markteintritt in Österreich – mit zunächst rund 100 Ärzt:innen. Mittelfristig strebt das Team eine Skalierung auf 15.000 medizinische Einrichtungen an. Langfristig ist auch der Schritt über die Landesgrenze nach Deutschland vorgesehen. Die nächsten Monate werden entscheidend: „Es geht jetzt darum, unsere Lösung im Alltag zu validieren und weiter zu optimieren. Die Resonanz zeigt uns aber: Der Bedarf ist da.“
Fazit: Eine Plattform mit gesundem Potenzial
Mit Medonn tritt ein ambitioniertes Tiroler Startup an, das sich nicht weniger vorgenommen hat, als das österreichische Gesundheitssystem digital neu zu denken. Statt Flickwerk setzt es auf Integration. Statt Verwaltungsfrust auf smarte Prozesse. Der Zeitgewinn für Ärzte und die bessere Planbarkeit für Patient:innen könnten das Angebot schnell attraktiv machen – nicht nur in Tirol, sondern auch darüber hinaus. Wer Gesundheitsversorgung ernsthaft digitalisieren will, sollte diese Entwicklung aufmerksam verfolgen.