Hohe Inflation trifft auf schwache Industrie: Die Gewerkschaft forderte Kaufkraftsicherung, ArbeitgeberInnen warnten hingegen vor Belastungen.
Mit den Kollektivvertragsverhandlungen der Metallindustrie und des Bergbaus hat gestern in Wien traditionell die Herbstlohnrunde begonnen. Die Lage war angespannt: Während die Gewerkschaft Kaufkraft sichern wollte, warnte die Industrie vor zusätzlichen Belastungen und Wettbewerbsverlusten. Der Abschluss gilt für viele weitere Branchen als richtungsweisend.
Vorbildliche Gespräche
Bereits am Nachmittag konnten sich die Verhandler auf ein Lohnplus einigen, das aber deutlich unter der Inflation liegt. Die Löhne steigen somit ab 1. November um 1,41 Prozent, Mindestentgelte um zwei Prozent. Nächstes Jahr zum gleichen Zeitpunkt steigen die Löhne um 1,9 Prozent, Mindestentgelte um 2,1 Prozent. Vorgesehen sind außerdem auch weitere Zuschüsse, die aber auf betrieblicher Ebene sozialpartnerschaftlich umgesetzt werden sollen.
Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, Barbara Thaler, bewertet das Ergebnis positiv: „Dieser Abschluss ist ein starkes Zeichen der Sozialpartnerschaft in einer wirtschaftlich angespannten Zeit. Die moderate Anpassung gibt den Betrieben wieder mehr Luft zum Atmen und ist ein wichtiger Schritt für mehr Wettbewerbsfähigkeit.“ Diese verantwortungsvolle Linie gelte es auch, in die KV-Verhandlungen im Herbst weiterzutragen. „Und ja, auch bei den Beamtengehältern muss eine sachliche Debatte möglich sein.“
Keine konkrete Forderung
Anders als in den Vorjahren ging die Gewerkschaft PRO-GE heuer ohne konkrete Lohnforderung in die erste Verhandlungsrunde. Ziel war aber klar die Sicherung der Kaufkraft, wie PRO-GE-Chefverhandler Reinhold Binder betonte. Eine Nulllohnrunde war strikt ausgeschlossen. Die Geldentwertung ist und bleibt dabei ein zentrales Thema: Während die Jahresinflation im August 2025 bei 4,1 Prozent lag, beträgt die „rollierende Inflation“ der vergangenen zwölf Monate – meist Basis für KV-Abschlüsse – derzeit 2,8 Prozent.
Auf Arbeitgeberseite plädierte hingegen Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI) in der WKO, für einen Abschluss unterhalb der Inflation – nicht zuletzt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern. Knill wollte sich dabei am 2-Prozent-Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) orientieren.
Keine Auskunft aus Tirol
Bemühungen seitens top.tirol, eine Stellungnahme zur Lohnrunde während der laufenden Verhandlungen aus der Tiroler Wirtschaft zu erhalten, verliefen im Sand. Vonseiten der IV Tirol und des ÖGB hieß es gestern, dass man auf Länderebene zu den KV-Verhandlungen keine Auskünfte geben könne. Die PRO-GE Tirol sowie der PGA Tirol waren für ein Statement nicht zu erreichen.
Und auch Markus Hintner von der Sparte Industrie der WK Tirol wollte sich nicht in Spekulation üben: „Es ist kein Geheimnis, dass die anstehenden KV-Verhandlungen unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen stattfanden.“ Schließlich befinde sich die Metalltechnische Industrie bereits im dritten Rezessionsjahr und sei mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert.
Branche unter Druck
Die Metalltechnische Industrie umfasst österreichweit rund 1.100 Betriebe, die rund 133.000 Menschen direkt beschäftigen, mit indirekten Effekten sogar rund 290.000. Die Branche steht damit für ein Drittel aller Industriejobs, etwa sechs Prozent des heimischen Bruttoinlandprodukts (BIP) und rund 20 Prozent der Exporte.
Trotz ihrer Bedeutung steht sie unter enormem Druck: Der Produktionswert sank seit 2023 um rund 22 Prozent. Im Jahr 2024 lag er bei 45,2 Milliarden Euro – das zweite Rezessionsjahr in Folge. Die Exportquote lag zuletzt bei knapp 80 Prozent.
Auch Eisenbahnbranche verhandelt
Parallel dazu starteten gestern auch die Verhandlungen für rund 55.000 Beschäftigte in 92 österreichischen Eisenbahnunternehmen. Auch hier lehnte die Gewerkschaft vida unter Vorsitz Roman Hebenstreits Reallohnverluste strikt ab und forderte eine deutliche Kaufkraftstärkung.
