Das neue Entbürokratisierungspaket verspricht Erleichterungen für Wirtschaft und Verwaltung – aber wie wirksam ist es wirklich? Wir haben bei zwei Tiroler Branchenvertretern nachgefragt, was das Paket bereits kann – und was noch fehlt.
Am 3. Dezember 2025 hat die österreichische Bundesregierung ein umfassendes Entbürokratisierungspaket beschlossen, das den Verwaltungsaufwand für BürgerInnen und Unternehmen deutlich senken soll – von Gewerbe und Wirtschaft über Verwaltung, Bildung und Arbeit bis hin zu EU- und Steuerrecht.
Für Unternehmen bedeutet das unter anderem, dass Genehmigungsverfahren für Betriebsanlagen oder Bauprojekte künftig über zentrale Anlaufstellen – sogenannte „One-Stop-Shops“ – laufen, Genehmigungen für Photovoltaik- und Ladeinfrastruktur weitgehend entfallen und Übergangsfristen bei Betriebsnachfolgen verlängert werden. Auch die Verwaltung selbst soll durch Digitalisierung effizienter arbeiten, Kosten senken und Prozesse transparenter gestalten.
Wirtschaftliche Perspektiven aus Tirol
Die Reaktionen aus der heimischen Wirtschaft sind gemischt. Helmuth Hehenberger, Innungsmeister der Tischler und Holzgestalter der Wirtschaftskammer Tirol, sieht das Paket zwar als wichtigen ersten Schritt, bemängelt jedoch die Durchführung: „Die Regierung ist sehr bemüht, aber die Umsetzung verläuft bislang etwas zaghaft. Vor allem bei Betriebsanlagengenehmigungen und Überprüfungen bräuchten wir deutlichere Erleichterungen.“ Er betont, dass weniger Statistiken und Meldungen den betrieblichen Alltag massiv entlasten könnten. Auch finanzielle Erleichterungen wie Senkungen der Lohnnebenkosten und flexible Zeitkonten ohne Aufschlag seien notwendig, damit die Maßnahmen auch bei kleinen und mittleren Betrieben spürbar Wirkung zeigen.
Noch kritischer äußert sich Johann Peter Springinsfeld, Innungsmeister der Bauhilfsgewerbe der Wirtschaftskammer Tirol. Er sieht im Paket nur erste kleine Schritte: „Momentan kann ich kaum Entlastungen feststellen. Das Paket löst nur kleinste Punkte, während eine grundlegende Reform fehlt.“ Seiner Ansicht nach gelinge Entbürokratisierung erst, wenn die Anzahl der BürokratInnen um mindestens 50 Prozent reduziert werde. „Die Beschäftigten in Bund, Land, Gemeinde und ausgelagerten Unternehmen bemühen sich täglich um Daseinsberechtigung, was jeden Tag aufs Neue weitere Hürden aller Art produziert.“
Reformern statt Lippenbekenntnisse
Das Entbürokratisierungspaket setzt erste Impulse in die richtige Richtung, doch die Tiroler Vertreter sind sich einig: Für nachhaltige Wirkung müssen die angekündigten Maßnahmen zügiger und konsequenter umgesetzt werden.
Springinsfeld fordert daher „Mut zur Lücke“: Die Bürokratie sei seit den Babenbergern kontinuierlich ausgebaut worden und erreiche heute in unserer digitalen Welt ihren Höhepunkt. Er appelliert an die Abschaffung unnötiger Einrichtungen und Kontrollmechanismen sowie an die Wiedereinführung von Eigenverantwortung: „Was hilft eine genehmigungsfreie PV-Anlage, wenn der Netzanbieter den Strom nicht annimmt oder annehmen kann?“ – führt er als Beispiel an, warum Lippenbekenntnisse allein nicht reichen. Für ihn fehle den Verantwortlichen zudem ein „Überblick über die tatsächlichen Anhäufungen von Hürden“ – und deren Definition.
