Als Nokia Ende der 1990er-Jahre in die Mobiltelefonbranche einstieg, war das Unternehmen längst kein Start-up mehr.
Gegründet 1865 in Finnland, hatte sich Nokia von einem Holzverarbeiter zu einem Mischkonzern mit Beteiligungen in der Gummi-, Kabel- und später Telekommunikationsindustrie entwickelt. Doch es war der Einstieg in die Handyproduktion, der Nokia weltweite Bekanntheit einbrachte – und eine beispiellose Marktführerschaft.
Der kometenhafte Aufstieg
1998 überholte Nokia den damaligen Branchenprimus Motorola und wurde zum weltweit größten Hersteller von Mobiltelefonen. Das Unternehmen verkaufte in diesem Jahr rund 37 Millionen Geräte – ein Marktanteil von etwa 30 %. Nur ein Jahr später waren es bereits 76 Millionen Handys, im Jahr 2000 dann 126 Millionen. Der wirtschaftliche Einfluss war gewaltig: Nokia machte rund 4 % des finnischen Bruttoinlandsprodukts aus, 21 % der gesamten Exportleistung des Landes und zeitweise 70 % der Marktkapitalisierung der Börse in Helsinki.
Mitte der 2000er-Jahre war Nokia praktisch unantastbar. 2007 hielt das Unternehmen einen globalen Marktanteil von rund 40 % und verkaufte etwa 437 Millionen Mobiltelefone. 2008 erreichte Nokia mit 472 Millionen verkauften Geräten seinen historischen Höchstwert – ein Marktanteil von 38,6 %.
Der technologische Wendepunkt
Doch in eben diesem Jahr zeichnete sich bereits der Abschwung ab. Die Einführung des iPhone durch Apple (2007) und der Android-Plattform durch Google (2008) leitete eine Zeitenwende ein. Nokia hielt lange am hauseigenen Betriebssystem Symbian fest – eine Entscheidung, die sich als fatal herausstellen sollte.
2010 betrug der Marktanteil von Nokia noch etwa 28 %, doch schon 2012 wurde das Unternehmen von Samsung überholt. CEO Stephen Elop beschrieb den Zustand der Firma als „brennende Plattform“. Anstatt auf Android umzuschwenken, entschied sich Nokia für eine Partnerschaft mit Microsoft und setzte auf Windows Phone – eine strategische Fehleinschätzung, die den Niedergang beschleunigte.
Das Ende einer Ära
2013 verkaufte Nokia seine Mobilfunksparte an Microsoft. Aus dem einstigen Branchenführer war ein Sanierungsfall geworden. Der Marktanteil im Smartphone-Segment war bis dahin auf unter 3,5 % gefallen. Die Lumia-Reihe unter Microsoft konnte daran nichts mehr ändern.
Fazit
Zwischen 1998 und 2008 war Nokia das Maß aller Dinge in der Mobilfunkwelt – technologisch, wirtschaftlich und kulturell. Doch der Erfolg verleitete zur Selbstzufriedenheit. Als die Konkurrenz durch Apple und Google mit neuen Nutzeroberflächen und App-Ökosystemen aufkam, reagierte Nokia zu zögerlich und zu konservativ. Der Niedergang war rasant, fast lehrbuchhaft. Heute ist Nokia zwar noch als Netzwerkausrüster aktiv, doch die Marke ist nur noch ein Schatten ihrer mobilen Vergangenheit.