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Interview mit Heidrun Kandler

Menschenfreund als Führungskraft

Heidrun Kandler ist HR-Managerin bei Trigonos ZT GmbH.
Interview mit Heidrun Kandler

Menschenfreund als Führungskraft

Heidrun Kandler ist HR-Managerin bei Trigonos ZT GmbH.

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Am 5. März findet das New Work Forum statt. top.tirol hat sich mit den Speakern im Vorfeld getroffen und die wichtigsten Themen angeschnitten. Heute im Interview: Heidrun Kandler, HR-Managerin bei Trigonos ZT GmbH.

 

top.tirol: Der Titel Ihres Vortrages lautet „New Work – alter Hut mit neuen Federn?“. Auf was möchten Sie konkret mit dieser provokanten Frage aufmerksam machen?

Heidrun Kandler: Wenn man „Arbeit“ menschheitsgeschichtlich betrachtet, hat diese eine Evolution erlebt, mit der wir Menschen nicht Schritt halten konnten. Vor allem durch Entwicklungen im Zeitalter der Industrialisierung sind plötzlich Arbeitsplätze entstanden, die alles andere als menschenwürdig sind. Selbstwirksamkeit, Potenzialentfaltung, Sinnstiftung – also die Grundwerte von „New Work“, die lange Zeit selbstverständlich waren –, fehlten plötzlich. Jetzt, in einer Zeit von toxischer Leistungskultur, Burn-out, Jobhopping usw. sind wir gezwungen, darüber nachzudenken, wie wir diese Werte wieder in unseren Arbeitsalltag bringen. Die Haltung, die hinter „New Work“ steht, war immer schon ein Erfolgsfaktor. Es ist nur vieles davon im Lärm der Zeit untergegangen. Der große Unterschied ist, dass wir jetzt mit einer Generation von Arbeitskräften konfrontiert sind, die diese Werte tatsächlich ganz einfach einfordert.

 

Sie betonen, dass Haltung zeitlos ist. Woran erkennt man, ob Führung aus Haltung oder aus Methode heraus passiert?

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, „nur ein Menschenfreund kann eine Führungskraft sein“. Auch dahinter steht wiederum eine grundlegende Haltung. Wenn ich als Führungskraft nicht zutiefst davon überzeugt bin, dass ich meinen Mitarbeitenden auf Augenhöhe begegnen muss, dass ich ihnen Vertrauen entgegenbringen kann, und dass Gleichbehandlung unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Ausbildungsgrad selbstverständlich ist, dann kann ich Führungskompetenz auch mit den tollsten „New Work Methoden“ nicht herbeizaubern. Ich behaupte ja nicht, dass sich nicht jemand zur Führungsperson entwickeln kann, aber dafür muss ich genau an diesen Grundwerten ansetzen und damit arbeiten. Einfach nur einen bunten Strauß an Methoden und Maßnahmen anzubieten, genügt nicht.

 

„Einfach nur einen bunten Strauß an Methoden und Maßnahmen anzubieten, genügt nicht.“ 

Heidrun Kandler

 

Welche innere Haltung brauchen Führungskräfte in Zeiten von KI, Unsicherheiten und permanenter Veränderung?

Vielleicht genügt ja ein wohlwollender Blick auf die Jugend. Das ist nämlich genau die Generation, die mit Unsicherheiten und permanenten Veränderungen quasi groß wird. Es scheint mir wichtig zu sein, dass man als Führungskraft auch mal einen Schritt zurücktreten und anerkennen kann, dass es da eine Generation gibt, die eine ganz neue Sicht auf die Welt im Allgemeinen und auf Arbeit im Speziellen hat. Von der können wir viel lernen. Wenn es gelingt, sich auf neue Lebenswelten einzulassen, gelingt auch ein guter Umgang mit Veränderungen. Auch in Hinblick auf das Thema KI. Festhalten an „Altbewährtem“ war noch nie eine besonders gute Idee und speziell in Zeiten wie diesen, in denen alle Entwicklungen durch KI noch einen besonderen Spin erfahren, könnte das sogar gefährlich werden. Dass KI viele Jobs obsolet machen wird, liegt auf der Hand. Sie wird aber ebenso viele Jobs sehr wertvoll ergänzen. Genau darin liegen die Herausforderungen, aber auch die Chancen für Führungskräfte von morgen.

 

„Festhalten an ‚Altbewährtem‘ war noch nie eine besonders gute Idee.“

Heidrun Kandler

 

Was zeichnet das New Work Forum Tirol besonders aus und was erwarten Sie sich persönlich von der diesjährigen Veranstaltung?

Tirol ist, was dieses Thema betrifft, leider etwas Brachland. Da bringt das New Work Forum Tirol sehr wertvolle Inputs für eine wirklich interessierte Zielgruppe. Ich erwarte mir einen spannenden Austausch und viele Anregungen, auch für meinen eigenen HR-Arbeitsalltag.

 

Wenn Sie zukunftsfähige Führung in einem Satz definieren müssten, wie würde dieser lauten?

Ich denke, das schaffe ich sogar in einem Wort: „Vertrauen“. Das ist die Basis für gelingende Führung. Vertrauen ist ein Turbo, der vor allem dann Wirkung zeigt, wenn es darum geht, ein Team zukunftsfähig aufzustellen. Ich als Führungskraft bin nicht die „allwissende Müllhalde“. Wer das erkennt, hat schon gewonnen.

 

„Ich als Führungskraft bin nicht die ‚allwissende Müllhalde‘.“

Heidrun Kandler

04. März 2026 | AutorIn: Markus Wechner | Foto: privat

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