Während sich die Teuerung in großen Teilen Europas spürbar abschwächt, bleibt Österreich ein Ausreißer nach oben. Die Inflationsrate im Juli 2025 lag laut Statistik Austria bei 3,5 % (HVPI: 3,7 %) und damit deutlich über dem EU-Schnitt von 2,3 % bzw. dem Euroraum-Durchschnitt von 2,0.
Im Vergleich zu Ländern wie Deutschland (2,2 %), Italien (1,8 %) oder Frankreich (2,1 %) zeigt sich, dass die österreichische Teuerungsdynamik weiterhin überdurchschnittlich bleibt. Schon seit Mitte 2022 liegt Österreichs Inflation konstant über dem EU-Mittel. Besonders auffällig: Der Abstand vergrößert sich zuletzt wieder – trotz eines weitgehend stabilisierten globalen Preisumfelds.
Strukturelle und nationale Treiber
Mehrere Faktoren tragen zur hartnäckig hohen Inflation in Österreich bei. Auf der einen Seite stehen die Preissteigerungen im Tourismus und in der Gastronomie. Diese zählen zu den stärksten Treibern. Vor allem in Ballungszentren steigen Preise für Hotels, Restaurants und Freizeitangebote weiterhin überdurchschnittlich. An zweiter Stelle stehen die Energiepreise. Während in vielen EU-Staaten die Energiepreise aufgrund gesunkener Großhandelspreise deutlich nachgaben, wurden die Senkungen in Österreich oft nur teilweise an die Verbraucher weitergegeben. Zusätzlich schlagen die Netzentgelte sowie CO₂-bezogene Abgaben zu Buche.
Erschwerend hinzu kommt die Lohnentwicklung. Die Kollektivvertragsabschlüsse für 2024/25 fielen vergleichsweise hoch aus, was zwar Kaufkraft schützt, aber auch preistreibend auf den Binnenmarkt wirkt – insbesondere in personalintensiven Branchen. Die Wohnkosten, also Mieten und Betriebskosten, steigen weiterhin stark. Indexierungen an die Inflation der Vorjahre führen zu einem sich selbst verstärkenden Effekt, besonders im Bereich der Richtwertmieten.
Österreich zieht nicht nach
In vielen EU-Ländern haben sich die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) inzwischen preisdämpfend ausgewirkt. Gleichzeitig fällt dort der Effekt pandemie- und kriegsbedingter Sonderfaktoren schneller weg als in Österreich. Zudem zeigen sich staatliche Preisbremsen in Ländern wie Spanien oder Frankreich deutlich effektiver.
Österreich hingegen tat sich in den vergangenen zwei Jahren schwer, mit gezielten, preisdämpfenden Maßnahmen nachhaltig gegenzusteuern. Energiepreisbremsen liefen aus oder wurden nur reduziert fortgeführt, während strukturelle Reformen – etwa im Wohnungsmarkt oder bei der Besteuerung – auf sich warten lassen.
Negative wirtschaftliche Folgen
- Privater Konsum: Die reale Kaufkraft der Haushalte bleibt trotz Lohnerhöhungen eingeschränkt. Vor allem niedrigere Einkommensgruppen leiden unter der anhaltenden Teuerung bei Lebensmitteln, Wohnen und Energie.
- Investitionszurückhaltung: Unternehmen reagieren auf die Preisunsicherheit mit Zurückhaltung bei Investitionen – besonders im Mittelstand.
- Standortattraktivität: Die Kombination aus hohen Lohnabschlüssen und anhaltender Inflation gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, insbesondere im produzierenden Gewerbe.
- Zinspolitik: Auch auf europäischer Ebene bleibt Österreichs Sondersituation nicht folgenlos. Eine zu hohe Inflation in einzelnen Mitgliedsstaaten erschwert der EZB eine einheitliche geldpolitische Linie.