Nach einer Phase sinkender Preise zieht der österreichische Wohnimmobilienmarkt wieder an. Doch hohe Kreditzinsen und knappes Angebot machen den Kauf weiterhin anspruchsvoll – besonders in Tirol.
Moderate Trendwende nach der Korrektur
Wohneigentum in Österreich ist wieder leicht im Aufwind. Nach einer Preiskorrektur von rund fünf Prozent zwischen dem dritten Quartal 2022 und dem vierten Quartal 2024 zogen die Immobilienpreise 2025 österreichweit um rund ein Prozent an. Für 2026 prognostiziert Matthias Reith, Senior Ökonom bei Raiffeisen Research, ein Plus von etwa 2,5 Prozent.
Ein neuerlicher Boom ist dennoch nicht in Sicht. Die Europäische Zentralbank hat ihren Zinssenkungskurs vorerst gestoppt – Kreditzinsen bleiben damit spürbar höher als vor der Zinswende und erschweren die Finanzierung nach wie vor.
Hinter der moderaten Erholung stehen drei strukturelle Faktoren: gestiegene Einkommen, eine leicht wachsende Bevölkerung sowie rückläufige Fertigstellungszahlen, die den Druck auf das Angebot erhöhen.
Tirol: Teuer mit regionalen Unterschieden
Tirol bleibt nach Wien das zweitteuerste Bundesland Österreichs. Im vierten Quartal 2025 kostete ein Quadratmeter eines Tiroler Einfamilienhauses im Schnitt 6.955 Euro – ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Preishöchststand 2022 sind die Preise allerdings nur um rund 2,2 Prozent gesunken, deutlich weniger als etwa in Vorarlberg oder Salzburg (je rund sieben Prozent).
Innerhalb des Bundeslandes klaffen die Preise weit auseinander:
| Bezirk | Ø Preis pro m² |
|---|---|
| Kitzbühel | 10.240 € |
| Innsbruck | 10.180 € |
| Lienz | 4.210 € |
Bemerkenswert: Während die Preise in Innsbruck zuletzt deutlich zurückgingen, verteuerten sich Immobilien in Reutte und Imst seit der Zinswende sogar. Die regionale Preisschere hat sich damit etwas geschlossen.
Langfristig bleibt Tirol teuer
Trotz nur minimalen Bevölkerungswachstums von prognostizierten 0,7 Prozent in den kommenden zehn Jahren dürfte Tirol ein strukturell hochpreisiger Markt bleiben. Der Grund: Bauland ist knapp – die Flächenverfügbarkeit zählt zu den niedrigsten in ganz Österreich.
Mittel- bis langfristig werden für Innsbruck und sein Umland überdurchschnittliche Preissteigerungen erwartet. Osttirol dürfte aufgrund schwächerer demografischer Dynamik dagegen hinterherhinken.
Trend zur Bestandsimmobilie
Das veränderte Zinsumfeld beeinflusst auch das Kaufverhalten. Angesichts begrenzten Neubauangebots und hoher Finanzierungskosten gewinnen Bestandsimmobilien an Attraktivität. Sanierungen nehmen zu, das Modell „Kauf – Sanierung – Verkauf" etabliert sich. Energieeffizienz spielt dabei eine wachsende Rolle – aus ökologischen wie wirtschaftlichen Gründen.
Fazit: Der österreichische Immobilienmarkt erholt sich – aber selektiv. In Tirol bleibt Wohneigentum trotz leichter Entspannung teuer. Wer kaufen möchte, sollte Finanzierungskonditionen, Lage und energetischen Zustand der Immobilie sorgfältig abwägen.