Künstliche Intelligenz verändert das Marketing – ersetzt aber keine Menschen. Die Expertin Nina Fauland erklärt im Interview, wie KI im organischen Marketing unterstützt, welche Irrtümer bestehen und wie Unternehmen davon profitieren können.
Frau Fauland, was versteht man unter organischem Online-Marketing?
Nina Fauland: Organisches Online-Marketing umfasst alle digitalen Marketingaktivitäten, die kein zusätzliches Werbebudget erfordern. Also alles, was ohne bezahlte Anzeigen funktioniert – etwa das regelmäßige Posten auf Social Media, der Aufbau von Netzwerken, das Einholen von Rezensionen oder die Pflege von Profilen. Das sind Maßnahmen, die zwar kein Geld kosten, aber Zeit und Engagement erfordern. Aus meiner Erfahrung ist das der nachhaltigste Weg, Marketing langfristig aufzubauen.
Wie kann künstliche Intelligenz im organischen Marketing unterstützen?
In sehr vielen Bereichen. Am bekanntesten ist sicherlich die Content-Erstellung – Texte, Bilder oder Videos können heute mit KI generiert werden. Aber auch Planung und Analyse profitieren davon. KI kann große Datenmengen auswerten, Redaktionspläne optimieren und den Erfolg von Maßnahmen bewerten. Früher war das aufwendig und oft Experten vorbehalten, heute helfen spezialisierte Tools, diese Aufgaben zu automatisieren.
Welche Tools sind derzeit besonders hilfreich?
Zunächst kommt es ganz drauf an, was man machen möchte. Der Klassiker ist ChatGPT, das viele schon kennen. Aber es gibt eine ganze Reihe spezialisierter Programme: Canva erweitert laufend seine KI-Funktionen, aktuell zum Beispiel im Bereich der Videoerstellung. Neuroflash ist stark, wenn es um Texte im Unternehmensstil geht, und Google Gemini liefert beeindruckende Bildergebnisse. Wir bieten das Tool wiasano an, das alles in einem vereint.
Es ist auch nicht immer nötig ständig nur den neuesten Programmen hinterher zu hetzen. Viele bestehende Programme entwickeln sich weiter – oft lohnt es sich, zuerst das eigene Set-up zu prüfen, bevor man wechselt. Das Wichtigste ist, das passende Tool für den persönlichen Nutzen zu finden. Da gibt es nicht das eine richtige oder beste.
Mit welchen Missverständnissen über KI im Marketing werden Sie häufig konfrontiert?
Zum einen mit der Annahme, dass KI von selbst perfekte Ergebnisse liefert. Viele geben einfach einen Befehl ein und sind dann enttäuscht. Gute Resultate entstehen aber nur, wenn man Kontext und Zielvorgaben richtig vermittelt.
Ein zweiter Irrtum ist die Angst, KI würde menschliche Arbeitsplätze ersetzen. Das stimmt nicht. KI ist ein Werkzeug, das uns Arbeit erleichtert. Der Mensch bleibt immer in der Verantwortung – etwa bei der inhaltlichen Kontrolle oder bei der Festlegung des Markenauftritts.
Und drittens: Viele Unternehmen fangen gar nicht erst an, weil sie denken, KI sei kompliziert. Aber wer sich jetzt nicht damit beschäftigt, riskiert, in ein paar Jahren den Anschluss zu verlieren.
Gerade deshalb ist der Austausch mit BranchenkollegInnen wertvoll – etwa bei Veranstaltungen wie der Online Marketing Conference in Innsbruck.
Wie verbreitet ist der Einsatz von KI in Tiroler Unternehmen?
Das Bild ist gemischt. Manche Betriebe nutzen KI sehr intensiv, andere noch gar nicht. Überraschend ist, dass oft kleinere Unternehmen schneller und offener damit umgehen, weil sie den Nutzen sofort erkennen. Größere Firmen sind häufig zurückhaltender, meist aus Datenschutzgründen oder wegen interner Sicherheitsrichtlinien.
Was kann KI im Marketing wirklich ersetzen – und was nicht?
Routinearbeiten kann man wunderbar automatisieren: Redaktionsplanung, Content-Erstellung, Analyse und Optimierung usw. So bleibt mehr Zeit für kreative Aufgaben, Strategie und persönliche Gespräche mit KundInnen. Ich nutze KI beispielsweise, um Ideen zu entwickeln oder Konzepte auszuarbeiten, die ich dann redaktionell überarbeite. Das ist effizient, ohne die menschliche Komponente zu verlieren.
Welche Trends erwarten Sie in den nächsten Jahren im KI-Marketing?
Ein klarer Trend geht Richtung Personalisierung – Inhalte werden immer stärker auf individuelle Zielgruppen zugeschnitten. Gleichzeitig sehe ich einen Gegentrend: Die Menschen werden sensibler für Authentizität. Besonders in sozialen Medien wird es wichtiger, echten, glaubwürdigen Content zu zeigen.
Ein weiterer Schwerpunkt wird die Datenanalyse: KI kann Muster erkennen, auswerten und konkrete Handlungsempfehlungen geben – etwa, wie man Kampagnen oder organische Reichweite verbessert. Hier steckt noch enormes Potenzial.
Was raten Sie UnternehmerInnen, deren Mitarbeitende skeptisch gegenüber KI sind?
Zwang hilft da gar nicht. Besser ist es, gemeinsam Use Cases zu erarbeiten: Wo kann KI im Arbeitsalltag tatsächlich entlasten? In Workshops oder Teamsitzungen lassen sich diese Punkte gut herausfinden. Wenn Mitarbeitende merken, dass ihnen KI echte Vorteile bringt, steigt auch die Akzeptanz.
Vielen Dank für das Gespräch!
Zur Person
Nina Fauland ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der wiasano GmbH mit Sitz in Innsbruck und ist Expertin für organisches Online‑Marketing, insbesondere im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz (KI). Zuvor war sie als Texterin und Content‑Marketing‑Managerin tätig und baute eine Agentur auf, bevor sie sich ganz dem Aufbau ihrer Softwarelösung widmete.
Zur Veranstaltung
Am 13. November findet in Innsbruck die Online Marketing Conference statt. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Trends, neue Entwicklungen und praxisnahe Tipps aus der Welt des digitalen Marketings. Internationale ExpertInnen geben in ihren Vorträgen Einblicke in bewährte Strategien und Zukunftsthemen – darunter auch Nina Fauland, die über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im organischen Online-Marketing spricht.