Das Innsbrucker Quantenarchitektur-Unternehmen ParityQC sorgt international für Aufsehen: Gemeinsam mit IBM ist es gelungen, die bislang größte jemals umgesetzte Variante des Quantum Fourier Transform (QFT) auf einem Quantencomputer zu realisieren – einem zentralen Algorithmus für Anwendungen in Kryptografie, Finanzmodellierung und Materialforschung.
Für den neuen Benchmark kam ein IBM-Quantenprozessor der Heron-Serie zum Einsatz. Dabei konnten 52 supraleitende Qubits verarbeitet werden – nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem bisherigen Rekord von 27 Qubits vor zwei Jahren. Damit zeigt sich deutlich: Die Entwicklung im Quantencomputing beschleunigt sich weiter und tritt zunehmend in eine industrielle Phase ein. „Dieser Meilenstein war nur durch das Zusammenspiel von IBM's modernster Quanten-Hardware und unserer ParityQC-Architektur möglich“, erklären die Co-CEOs Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. Europa nehme damit eine führende Rolle ein, wenn es darum gehe, theoretisches Potenzial in konkrete Leistungsfähigkeit zu übersetzen.
Vom Forschungsthema zur Industrie
Während Fortschritte im Quantencomputing lange Zeit vor allem aus der Grundlagenforschung kamen, deutet dieser Durchbruch auf einen Wendepunkt hin. Die nahezu verdoppelte Leistungsfähigkeit erinnert an die frühen Entwicklungen im klassischen Computing, als das Mooresches Gesetz den Weg zur globalen IT-Industrie ebnete. Auch Investor Hermann Hauser sieht Parallelen: Die steigende Rechenkapazität markiere den Beginn einer neuen Phase exponentiellen Wachstums im Quantenbereich.
Effizienter durch neue Architektur Kern des Erfolgs ist die sogenannte „Parity Twine“-Architektur von ParityQC. Sie reduziert die Anzahl der notwendigen Rechenschritte und minimiert Fehlerquellen, indem sie auf komplexe Zwischenschritte – sogenannte SWAP-Gates – verzichtet. Das Ergebnis: schnellere Berechnungen, weniger Rauschen und deutlich höhere Genauigkeit. Laut Scott Crowder, verantwortlich für Quantum Adoption bei IBM, zeigt die Anwendung eindrucksvoll, wie sich solche Ansätze künftig auch auf industrielle Optimierungsprobleme übertragen lassen.
Breite Anwendungsmöglichkeiten
Die Fortschritte sind nicht nur theoretischer Natur. Die Technologie könnte künftig etwa die Simulation von Molekülen in der Medikamentenentwicklung beschleunigen, komplexe Finanzportfolios optimieren oder neue Materialien effizienter erforschen. Langfristig könnten Quantencomputer damit Probleme lösen, an denen heutige Supercomputer scheitern oder Jahre rechnen würden.
Innsbruck als Hotspot der Quantenforschung
Mit diesem Erfolg unterstreicht ParityQC seine Rolle als einer der zentralen Player im globalen Quantenökosystem. Das Unternehmen entwickelt Baupläne und Betriebssysteme für skalierbare Quantencomputer und arbeitet eng mit Hardwarepartnern weltweit zusammen. Die aktuellen Ergebnisse wurden auf der Plattform arXiv veröffentlicht und liefern einen weiteren Beleg dafür, dass Quantencomputing auf dem besten Weg ist, von der Forschung in die industrielle Anwendung überzugehen.