Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Tirol. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die gut ausgebaute Infrastruktur. Deshalb wollen wir in der Rubrik „In Zahlen“ verschiedene touristische Einrichtungen und ihre wichtigsten Kennzahlen vorstellen. Diese Woche präsentieren wir: das Passionsspielhaus Thiersee.
Die Thierseer Passion blickt auf eine lange Geschichte zurück, deren Wurzeln bis ins Jahr 1695 reichen. Als die Gemeinde im späten 18. Jahrhundert von wirtschaftlicher Not und unsicheren Zeiten geprägt war, entstand 1799 ein feierliches Gelübde: Die Darstellung des Leidenswegs Christi sollte regelmäßig stattfinden. An dieser Entscheidung hat sich bis heute nichts geändert. Seit 1970 werden die Passionsspiele alle sechs Jahre aufgeführt – von rund 250 LaiendartellerInnen aus der Region. Wie groß die Leidenschaft dafür ist, bezeugen auch zwei Lanzen auf dem Thierseer Gemeindewappen. Zunächst spielte sich das Geschehen unter freiem Himmel an der Kirche St. Margareth in Vorderthiersee ab, ehe 1855 das erste überdachte Spielhaus am See errichtet wurde. Und bis heute beeindruckt die Bühne mit einer außergewöhnlichen Akustik.
Fakten des aktuellen Gebäudes
- Errichtung:
1926 wurde das Haus von der Dorfbevölkerung gebaut - Erweiterung:
zwei Nebengebäude im Jahr 1999, zum 200-jährigen Jubiläum der Passionsspiele - Fassungsvermögen:
rund 1.000 BesucherInnen
- Baustil:
klassische Holzbauweise mit Spitzbogenkonstruktion, bestehend aus vier kunstvollen „Stefansbögen“ - Aktuelles Bühnenbild:
rund 1.500 Arbeitsstunden; knapp 300 Laufmeter LED-Bänder
Ein Bauprojekt von historischer Tragweite
Das heutige Passionsspielhaus entstand 1926 als gemeinsames Vorhaben der gesamten Dorfgemeinschaft. Viele bäuerliche Familien packten selbst mit an und stellten Arbeitskraft und Geld zur Verfügung – manche verschuldeten sich sogar, um das Vorhaben zu ermöglichen. In traditioneller Holzbauweise wuchs so ein Gebäude heran, das bis heute vom Zusammenhalt des Ortes erzählt.
Fakten der Passionsspiele
- Uraufführung:
1799 - Aktuelle Aufführung:
„Thierseer Passion“ von Toni Bernhart - Regisseur:
Norbert Mladek - Spielzeit:
knapp 4 Stunden (inklusive Pausen) - DarstellerInnen:
rund 250 LaiendarstellerInnen aus Thierseer - BesucherInnen:
rund 10.000 im Jahr 2022 - Aufführungszeitraum:
über mehrere Monate; im Rhythmus von sechs Jahren - Nächster Termin:
im Jahr 2028
Alte Passion, neues Stück
Über viele Jahrzehnte basierten die Thierseer Passionsspiele auf dem 1921 entstandenen Drama „Christus“ von Jakob Reimer, der später Erzabt des Salzburger Klosters St. Peter wurde. Erst 2016 endete diese lange Ära. Seit 2022 wird die „Thierseer Passion“ aus der Feder des gebürtigen Südtirolers Toni Bernhart aufgeführt, der damit eine neue Phase der Spieltradition eröffnet hat. Kapellmeister Josef Pirchmoser aus Kiefersfelden komponierte eine neue Passionsmusik dazu.







