Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Lynup.
Wer im Amateurfußball einen neuen Verein sucht, braucht oft mehr als Können. Kontakte, Empfehlungen und bestehende Netzwerke spielen eine große Rolle. Genau hier setzt Lynup an: Die Plattform will SpielerInnen, Vereine und Team Staff digital zusammenbringen – mit verifizierten Profilen, Suchanzeigen und Kontaktaufnahme bei beidseitigem Interesse.
Gegründet wurde Lynup von Onur Yayar und Stefan Macanovic. Yayar ist Tiroler, Bundesliga-Schiedsrichterassistent und war früher selbst als Spieler aktiv. Zudem bringt er Erfahrung als Trainer und Sportlicher Leiter mit. Macanovic kommt aus Vorarlberg, ist Bundesliga-Schiedsrichter und verantwortet die technische Entwicklung der Anwendung. Die Idee entstand im September 2025 bei einem Schiedsrichter-Seminar in Salzburg, im Mai 2026 startete die Pilotphase in Tirol, Vorarlberg und angrenzenden Regionen.

Onur Yayar bringt Erfahrung als Trainer, Sportlicher Leiter und Schiedsrichter mit.
Warum ist die Suche nach einem neuen Verein im Amateurfußball oft schwierig?
Die Vereinssuche im Amateurfußball ist oft schwierig, weil viel über Kontakte oder persönliche Netzwerke läuft. Wer neu in einer Stadt ist, aus einem anderen Land kommt oder im eigenen Verein nicht zum Zug kommt, muss häufig selbst herausfinden, welcher Klub passt und wen man ansprechen kann.
Lynup nennt als Beispiel Innsbruck: Viele Studierende hätten an ihrem Heimatort Fußball gespielt, würden in der neuen Stadt aber keinen Anschluss an einen Verein finden. Ähnliche Hürden sehen die Gründer auch bei SpielerInnen, die sportlich nicht sofort auffallen. Wer keine Tore schießt oder nicht ohnehin bekannt ist, bleibt im Amateurfußball leicht außerhalb des Blickfelds.
„Es gibt so viele Menschen, die Fußball spielen wollen und einfach keinen Zugang finden. Das ist eine Verschwendung von Potenzial und Leidenschaft, die wir nicht akzeptieren wollen“, sagen die Gründer. Lynup will bestehende Wege in den Verein sichtbarer und einfacher machen.
Auch im Frauenfußball sieht das Start-up Bedarf. Viele Frauen würden sich laut den Gründern nicht trauen, mit Mitte 20 erstmals oder wieder bei einem Verein anzufragen. „Kein Alter ist falsch, kein Level ist zu niedrig. Lynup ist für alle, die spielen wollen“, erklären Yayar und Macanovic.

Stefan Macanovic verantwortet bei Lynup die technische Entwicklung der App.
Wie bringt Lynup SpielerInnen und Vereine zusammen?
Lynup bringt SpielerInnen und Vereine zusammen, indem beide Seiten ein Profil anlegen und angeben, wonach sie suchen. Die App erinnert in der Bedienung an bekannte Matching-Prinzipien: NutzerInnen können durch passende Vorschläge wischen oder gezielt im Marktplatz suchen.
Dort können Vereine etwa Ausschreibungen veröffentlichen, wenn sie SpielerInnen, TrainerInnen oder weiteres Team Staff suchen. SpielerInnen können sich mit einem Klick bewerben. Auch Testspielgegner lassen sich über die Plattform ausschreiben. Ein Matching-System gleicht unter anderem Liga, Position, Region, Alter und Verfügbarkeit ab.
Wichtig ist den Gründern dabei die Kontrolle über die Sichtbarkeit. Wer diskret sucht, soll selbst steuern können, wer das Profil sieht. Lynup will damit auch jene erreichen, die grundsätzlich wechselbereit sind, ihre Absichten aber nicht offen kommunizieren möchten. Kontakt entsteht zudem nur, wenn Interesse auf beiden Seiten besteht.
In der ersten Woche registrierte Lynup nach eigenen Angaben 196 verifizierte NutzerInnen, mehr als 6.500 Swipes, 74 vermittelte Matches und 28 Ausschreibungen. Außerdem seien 49 Pilotvereine dabei, darunter ein Verein aus der Schweiz. Mehrere Probetrainings seien bereits gemeldet worden.
„Wir sind selbst im System groß geworden. Wir kennen die Probleme nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis, und genau deshalb wussten wir, wie die App aussehen muss“, betonen die beiden Gründer.


Über Lynup können SpielerInnen, Vereine und Team Staff Profile anlegen, Ausschreibungen erstellen und passende Kontakte finden.
Was plant Lynup nach der Pilotphase?
Nach der Pilotphase plant Lynup, die Rückmeldungen aus den Vereinen, von SpielerInnen und aus dem Team-Staff-Bereich auszuwerten. Auch die passende Gesellschaftsform soll erst nach Abschluss dieser Phase festgelegt werden. Bis dahin läuft das Projekt nach Angaben der Gründer als selbstständig gestartete Initiative.
Der mögliche Markt ist groß: Der Österreichische Fußball-Bund verweist auf mehr als 2.240 Fußballvereine in Österreich. Lynup will zunächst in Tirol, Vorarlberg und angrenzenden Regionen Erfahrungen sammeln und danach schrittweise skalieren.
Für die Gründer geht es dabei nicht nur um Vereinswechsel. Sie sehen die Plattform auch als Zugangsinstrument für Menschen, die bisher nicht Teil bestehender Netzwerke sind. Herkunft, Wohnort oder soziale Kontakte sollen weniger darüber entscheiden, ob jemand einen Platz im organisierten Fußball findet.
„Wenn wir nach der Pilotphase skalieren, wollen wir nicht einfach eine weitere App sein. Wir wollen die Infrastruktur werden, auf der der Amateurfußball im deutschsprachigen Raum zusammenfindet“, sagen Yayar und Macanovic. Ob Lynup diesen Anspruch einlösen kann, wird davon abhängen, wie stark Vereine und SpielerInnen die Plattform im Alltag tatsächlich nutzen.

Die App zeigt Ausschreibungen für SpielerInnen, Vereine und Team Staff.