Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Charonium.
Wenn jemand stirbt, hinterlässt er oder sie nicht nur persönliche Dinge, Erinnerungen, Vermögen oder Immobilien, sondern zunehmend auch digitale Werte: Online-Konten, Daten auf Plattformen und zunehmend auch Kryptowährungen. Das Innsbrucker Start-up Charonium will mit seinem Angebot eine rechtlich fundierte und sichere Lösung schaffen, wie solche digitalen Vermögenswerte im Erbfall geregelt werden können.
Problem
Immobilien, Bargeld oder Wertpapiere sind im Erbrecht seit langem verankert – digitale Werte hingegen nicht. Was mit Bitcoin, Ethereum oder auch gespeicherten Zugängen zu Online-Diensten nach dem Tod passiert, ist bislang nicht geregelt. Angehörige stehen dadurch häufig vor der Situation, dass digitale Werte verloren gehen oder rechtlich nicht korrekt abgewickelt werden.
Nikolaus Stickler beschreibt die Ausgangslage so: „Die größte Herausforderung lag darin, zwei Welten zusammenzubringen: das traditionelle Erbrecht und moderne digitale Vermögenswerte. Dass wir heute gemeinsam mit Notaren und Anwälten funktionierende Lösungen entwickeln, zeigt das Vertrauen in unsere Arbeit – und die wachsende Relevanz des digitalen Nachlasses.“
Nikolaus Stickler, CEO von Charonium, bringt technische Expertise mit. Er leitete jahrelang ein Softwareunternehmen und verfügt über fundierte Erfahrung in den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality und Blockchain-Technologie.
Lösung
Charonium arbeitet an einer Plattform, die es NutzerInnen ermöglicht, digitale Vermögenswerte – von Kryptowährungen bis zu anderen Online-Assets – im Erbfall rechtssicher zu identifizieren und zu dokumentieren, ohne dass private Schlüssel aus der Hand gegeben werden müssen. Die Software soll eine einfache Abfrage digitaler Werte für Notare und Anwälte ermöglichen, ohne dass NutzerInnen dazu zwingend bei dem jungen Unternehmen registriert werden müssen.
„Digitale Nachlassregelung ist in einer digitalen Welt längst gesellschaftlich relevant – aber rechtlich ungelöst. Mit Charonium schaffen wir eine Lösung, die technologische Innovation mit rechtsgültiger Struktur verbindet“, sagt Mitgründer Daniel Gosterxeier.
Daniel Gosterxeier, CFO von Charonium, verantwortet die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.
Dazu kooperiert das Unternehmen eng mit Notariaten, Anwaltskanzleien und SteuerberaterInnen. Erste Pilotanwendungen laufen bereits, unter anderem in einer Beta-Version für ausgewählte Partner. 2022 gewann das Start-up den Austrian Blockchain Award in der Kategorie Wirtschaft, 2025 wurde es in die EU Blockchain Sandbox der Europäischen Union aufgenommen.
Ausblick
Gegründet wurde Charonium 2022 in Innsbruck von Stickler und Gosterxeier. Beide verfügen über Erfahrung im Bereich digitale Identität, Blockchain-Technologie und Beratung. Mittelfristig will das Start-up seine Plattform in der DACH-Region etablieren, langfristig soll sie europaweit als Standard für die Verwaltung digitaler Nachlässe dienen.
„Unsere Vision ist es, Charonium als führende Infrastruktur für digitalen Nachlass in Europa zu etablieren – als Standard für die sichere Vererbung, Verwaltung und Vorsorge digitaler Werte“, so Stickler.

Mit dem Charonium-Set können Nutzer ihren Privaten Key sicher selbst bewahren - dauerhaft in Edelstahl geprägt.