Beim Europäischen Mediengipfel versammelt sich in Tirol einmal mehr ein hochkarätiges internationales Publikum – von Politik über Wirtschaft bis hin zu Medien und Wissenschaft. Mit dabei ist auch Andreas Schnauder. Wir haben den Pragmaticus-Chefredakteur vorab zum Gespräch getroffen und über globale Umbrüche sowie die Zukunft des Journalismus gesprochen.
Herr Schnauder, die Weltordnung verändert sich gerade rasant. Können Sie aus Ihrer Sicht schildern, was für eine Zeit wir gerade erleben?
Andreas Schnauder: Es sind bestimmt bewegte Zeiten, ich habe allerdings den Eindruck, dass die Veränderungen dramatischer wahrgenommen werden als sie sind. Denken Sie an die Weltkriege, den Kalten Krieg, den Zusammenbruch des Kommunismus und viele andere epochale Entwicklungen. Zäsuren gab es immer, nur hat der Alarmismus zugenommen und für große Verunsicherung der Menschen gesorgt. Wir können mit Problemen und Gefahren nicht mehr gut umgehen.
Wie wirkt sich das auf Europa und Österreich aus?
Natürlich sind wir von Flüchtlingswelle, Energiekrise, Ukraine-Krieg oder Handelskrieg stark betroffen. Als noch größeres Problem sehe ich aber das Aufschaukeln und Zuspitzen von Problemen und den immer gleich lautenden Trugschluss, dass der Staat alles lösen soll. Gerade staatliche Interventionen – von Corona-Hilfen bis Inflationsausgleichsmaßnahmen – haben uns in die miserable ökonomische Lage gebracht, in der wir jetzt stecken. Konkret die rote Laterne bei Wachstum und Inflation samt Budget-Fiasko.
Was ist aus Ihrer Sicht die größte, oft unterschätzte Schwäche der österreichischen Wirtschaft im internationalen Vergleich?
Da fällt mir keine ein. Ich halte die Unternehmen – Ausnahmen bestätigen die Regel – für gut aufgestellt.
Welche Herausforderungen entstehen dadurch für den Journalismus und wo braucht es Ihrer Meinung nach ein völlig neues Denken?
Die Herausforderungen des heimischen Journalismus sehe ich unabhängig von der Gesamtwirtschaft. Es gilt, wirtschaftlich tragfähige Modelle zu entwickeln und in verschiedensten Communities derart großes Vertrauen aufzubauen, dass die Menschen für Content bezahlen. Die Politik sollte dringend die Rahmenbedingungen ändern. Anstatt das Füllhorn über den Medien auszuschütten, sollte die staatlich subventionierte Vormachtstellung des ORF gekappt werden.
Sie sind bereits seit mehr als 30 Jahren im Journalismus tätig. Wie gehen Sie in Ihrem Arbeitsalltag mit neuen Technologien und KI um? Wo sehen Sie Chancen und wo Gefahren?
Wir haben den Vorteil, dass unsere Texte von Experten geschrieben werden. Damit haben wir uns bisher schon von anderen Medien abgehoben. Und dieses Alleinstellungsmerkmal gewinnt umso mehr an Bedeutung, je stärker sich die KI in anderen Medien ausbreitet. Im Pragmaticus bekommt man garantiert 100 Prozent Human Intelligence.
Zur Veranstaltung:
Der Europäische Mediengipfel findet vom 4. bis zum 6. Dezember in Seefeld statt. Seit 16 Jahren bringt er internationale ExpertInnen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Medien zusammen, um aktuelle Themen und Entwicklungen in Europa offen zu diskutieren.
Zur Person:
Andreas Schnauder studierte Handelswissenschaften und absolvierte den Hochschullehrgang für Journalismus am Institut für Publizistik in Wien. Bis 2021 leitete er die Wirtschaftsredaktion von „Der Standard“ und ist seitdem Chefredakteur des Pragmaticus.