Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Alpine Quantum Technologies.
Alpine Quantum Technologies (AQT) mit Sitz in Innsbruck baut Quantencomputer auf Basis gefangener Ionen. Diese speziellen Computer nutzen Effekte der Quantenphysik und können bestimmte Rechenaufgaben deutlich schneller lösen als herkömmliche Rechner. Gegründet wurde das Unternehmen 2018 von den Quantenphysikern Rainer Blatt, Thomas Monz und Peter Zoller als Spin-off der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Quantenphysiker und Gründerteam von AQT: Rainer Blatt, Thomas Monz (li.) und Peter Zoller (re.) bauen auf jahrzehntelange Forschung in Innsbruck auf.
Ziel von AQT ist es, Quantencomputer aus dem Forschungslabor in den praktischen Einsatz zu bringen – etwa in Rechenzentren oder bei Forschungseinrichtungen. Die Forschungsförderungsgesellschaft FFG und die Universität Innsbruck unterstützen den Aufbau mit insgesamt zehn Millionen Euro.

Entwicklung und Testaufbau bei AQT: Das Start-up kombiniert Forschungserfahrung aus der Universität mit industrietauglicher Hardware für Quantenanwendungen.
Dass das Thema auch politisch Aufmerksamkeit bekommt, zeigte sich im Oktober 2025: Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchten AQT in Innsbruck und informierten sich über die Technologie.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen (3.v.l.) und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (5.v.l.) informieren sich bei AQT über Quantencomputer aus Innsbruck.
Warum ist der Zugang zu Quantencomputern bisher so schwierig?
Quantencomputer gelten als wichtige Zukunftstechnologie. Eigene Anlagen aufzubauen ist teuer, technisch kompliziert und erfordert sehr spezialisiertes Personal. Der Bedarf wächst jedoch: In Bereichen wie Materialentwicklung, Chemie oder Logistik arbeiten viele Gruppen bereits mit Rechenverfahren, die später auf Quantencomputern laufen sollen. Oft bleibt es aber bei Tests auf normalen Supercomputern. Initiativen wie das Munich Quantum Valley oder das europäische Programm EuroHPC zeigen, dass Europa eine eigene Infrastruktur aufbauen möchte und nicht nur auf Anbieter außerhalb Europas angewiesen sein will.

Van der Bellen und Steinmeier im Gespräch mit dem Team von AQT: Die beiden Staatsoberhäupter lassen sich den Aufbau des Quantencomputers erklären.
Hinzu kommt: Es gibt verschiedene technische Ansätze für Quantencomputer – zum Beispiel Systeme mit gefangenen Ionen, mit Stromkreisen bei sehr tiefen Temperaturen oder mit Lichtteilchen. Jeder Ansatz hat eigene Vor- und Nachteile. Für Rechenzentren bedeutet das, sie müssen verschiedene Lösungen ausprobieren und prüfen, wie sie sich mit bestehender Hochleistungsrechner-Technik verbinden lassen.
Wie macht AQT Quantencomputer für AnwenderInnen nutzbar?
AQT setzt auf Quantencomputer mit gefangenen Ionen. Vereinfacht gesagt werden dabei elektrisch geladene Atome in einem winzigen „Käfig“ aus elektrischen Feldern festgehalten und mit Laserlicht gesteuert. Die Zustände dieser Atome bilden die Recheneinheiten, die sogenannten Qubits. Laut AQT sind solche Qubits besonders stabil und damit gut für Berechnungen geeignet.

Ein rackmontierter Ionenfallen-Quantencomputer von AQT: Das System ist für den Einsatz in Rechenzentren konzipiert und lässt sich in Standardracks installieren.
Statt große Speziallabors zu bauen, entwickelt AQT Systeme, die in standardisierte Schränke für Rechenzentren passen. Der eigentliche Quantenprozessor sitzt in einer Vakuumkammer im Inneren dieser Schränke und arbeitet bei Raumtemperatur. Das senkt den Energiebedarf und erleichtert den Einbau in bestehende Rechenzentren.
Ein Beispiel ist ein Quantencomputer, den das Leibniz-Rechenzentrum in Garching bei München gemeinsam mit dem Forschungsverbund Munich Quantum Valley angeschafft hat. Dort steht seit 2024 ein System von AQT mit zwanzig Qubits für neue Forschungsaufgaben bereit. Nach Angaben des Rechenzentrums ist es der erste Quantencomputer dieser Bauart in einem Hochleistungsrechenzentrum.
Im Juni 2025 installierte AQT den nächsten Quantencomputer PIAST-Q im Supercomputing and Networking Center (PSNC) in Posen, Polen. Dort wird dieser in eine bestehende Supercomputer-Anlage eingebunden. So lassen sich klassische Hochleistungsrechner und Quantenprozessoren gemeinsam nutzen.
Seit November 2025 ist ein Quantencomputer von AQT außerdem über den Cloud-Dienst Amazon Braket verfügbar. NutzerInnen können darüber eigene Rechenaufgaben auf einem in Innsbruck betriebenen System ausführen, ohne die Hardware selbst aufzustellen.

Cloud-Zugang zu Quantencomputern: Über Amazon Braket können NutzerInnen weltweit auf einen Ionenfallen-Quantencomputer von AQT in Innsbruck zugreifen.
Wohin will AQT mit seinen Quantencomputern in den nächsten Jahren?
Nach Angaben des Unternehmens arbeitet AQT daran, die Zahl der Qubits weiter zu erhöhen und die Qualität der Rechenoperationen zu verbessern. Entscheidend ist dabei, dass die Qubits gut miteinander verknüpft bleiben, damit sich auch komplexe Probleme lösen lassen.
Neben kompletten Quantencomputern bietet AQT auch einzelne Bauteile an, die Forschungseinrichtungen in eigene Anlagen einbauen können. Dazu gehört etwa die Ionenfalle „Pine Trap“, in der die Atome gefangen werden, oder das System „Pine Set-up“ für den Aufbau solcher Experimente. Weitere Bausteine sind „Beech“, ein Gerät zur besonders stabilen Erzeugung von Laserlicht, und „Rowan“, ein Modul zur genauen Steuerung dieses Lichts.

„Pine Trap“ von AQT: Die Ionenfalle dient als Herzstück für Experimente und Quantenanwendungen in Forschungslabors.

„Pine“ Set-up: Modulares Aufbau-System für Ionenfallen, das Forschenden den Einstieg in eigene Quantenaufbauten erleichtern soll.
International tritt AQT auf Fachmessen und Konferenzen in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien auf und positioniert sich als europäischer Anbieter im weltweiten Wettbewerb. Für Tirol stellt das Start-up damit ein Beispiel dafür dar, wie aus lokaler Spitzenforschung ein Unternehmen entstehen kann, das an einer globalen Zukunftstechnologie mitarbeitet.

„Beech“, die optische Referenz von AQT, liefert besonders stabile Laserfrequenzen für präzise Quantenexperimente.