Am 11. Jänner erscheint die neue Ausgabe von top.tirol. In der Coverstory befasst sich Michael Steinlechner mit drei Problemen, die im erst angebrochenen Jahr unbedingt angegangen werden müssen, damit es wirtschaftlich wieder bergauf geht.
Neues Jahr, neues Glück. Wir haben drei Dinge für Sie zusammengefasst, die 2026 endlich klappen müssen, um den Weg aus der Abwärtsspirale zu schaffen. Doch nicht nur der Staat ist in der Pflicht, auch wir selbst müssen umdenken.
Die Inflation
Österreich bekommt die Teuerung einfach nicht in den Griff. Maßgeblich dafür sind vor allem zwei Faktoren: einmal die hohen Energiekosten und einmal die in den letzten Jahren absurd gestiegenen Gehälter. So war es natürlich keine gute Idee, die Strompreisbremse abzuschaffen. Plötzliche Preissprünge sorgten nicht nur für finanzielle Belastungen in Bevölkerung und Wirtschaft, sondern auch für die Befeuerung der Inflationsrate.
Noch schlechter war nur der Einfall, die Gehälter in den letzten Jahren immer an die Inflation anzupassen. Eine tödliche Aufwärtsspirale, die letztendlich keinem wirklich etwas bringt, aber die Inflation kräftig antreibt.
Österreich bringt es auch deshalb fast auf die doppelte Inflationsrate der Eurozone. Bei 2,1 Prozent Durchschnittsinflation hat sich Europa 2025 eingependelt, Österreich brachte es auf 4 Prozent und überschritt das Inflationsziel der EZB damit genau um 100 Prozent. Unsere Nachbarn können über 2 wie 4 Prozent nur lachen. In der Schweiz freut man sich nämlich 2025 über eine Durchschnittsinflation von 0,2 Prozent, im November vollbrachte man überhaupt das Kunststück einer Nullerinflation. Die Erklärung für diesen Rekordwert: sinkende Energiepreise und Rückgänge bei den Dienstleistungskosten.

Die Arbeitskosten
Österreich hat die höchsten Lohnkosten in der OECD. 110.886 Dollar betragen die Arbeitskosten eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners 2024 hierzulande. Im Vergleich dazu kommt Spanien auf 72.439 Dollar oder 35 Prozent weniger. Für die heimische Wirtschaft bedeutet das nichts anderes, als dass sie Arbeitsleistung so teuer einkauft, dass sie dadurch einen Wettbewerbsnachteil erleidet. Höhere Preise lassen sich am Exportmarkt aber nicht durchsetzen und so werden automatisch Gewinne reduziert und in der Folge fehlt Geld für Investitionen und Weiterentwicklungen.
Neue Unternehmen werden sich unter diesen Bedingungen kaum in Österreich ansiedeln, bestehende müssen die Möglichkeit einer Abwanderung oft zumindest in Betracht ziehen. Deshalb muss man nicht nur die ständige Erhöhung der Gehälter infrage stellen, sondern vor allem endlich die Abgaben rund um die Lohnkosten deutlich reduzieren.
Eine Branche, in der dieser Wettbewerbsnachteil schon voll durchschlägt, ist die Industrie. Man kann beinahe von einer Deindustrialisierung Europas sprechen. Österreichs Industriequote lag lange Zeit bei rund 17 Prozent (Anfang des Jahrtausends noch bei gut 18 Prozent) des Bruttoinlandsproduktes, 2022 begann dann der Abschwung. 2024 sackte man auf den Tiefststand von 15,1 Prozent. Und auch aktuell setzt sich der industrielle Abstieg ungebremst fort.

Die Arbeitsmoral
Wir wissen jetzt, dass Österreichs Inflation doppelt so hoch wie in der Eurozone ist und unsere Arbeitskosten die höchsten in der OECD sind. Doch Jammern macht das Ganze nur noch schlimmer. Wir müssen endlich unsere Arbeitsmoral in den Griff bekommen und den Unternehmergeist auch unter schwierigen Bedingungen steigern.
Die Arbeitsproduktivität in Österreich stagniert und liegt deutlich unter dem Schnitt der EU-27, wenigstens noch leicht über der von Deutschland. Die reduzierte Arbeitszeit ist der Haupttreiber dieser Entwicklung. Wenn mehr Menschen Vollzeit oder darüber hinaus arbeiten würden, würde das nicht nur unserem Sozialsystem guttun, sondern auch die Produktivität deutlich steigern. Dafür braucht es allerdings das, was die ÖVP seit Jahrzehnten verspricht, aber verlässlich nicht umsetzt: Leistung muss sich lohnen. Konkret würde das bedeuten, dass Menschen, die viel arbeiten, wenig Steuern zahlen, und solche, die wenig arbeiten – mit Ausnahmen bei Ausbildung und Kinderbetreuung natürlich –, im Verhältnis mehr Steuerleistung erbringen. Derzeit ist es genau umgekehrt. Eine 20-Stunden-Kraft, die auf Vollzeit erhöhen möchte, verdient netto nicht das Doppelte, sondern deutlich weniger. Leistungsbereitschaft wird in Österreich also bestraft.
Besorgniserregend ist auch der Unternehmergeist des Landes. Immer mehr Firmen schlittern in die Pleite. Und es kommt nichts Neues nach, was natürlich auch den schwierigen Rahmenbedingungen geschuldet ist. Doch Jammern hilft hier wenig. Nur wenn wir mehr arbeiten und neue Ideen den Weg zur Geschäftsidee finden, können wir den Abwärtstrend stoppen oder gar umkehren.




