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Start-up Scansion

Roboter im Archiv

Prototyp an der Universität Innsbruck: Die Anlage soll fragile Dokumente automatisch erfassen und dabei Abweichungen früh erkennen.
Start-up Scansion

Roboter im Archiv

Prototyp an der Universität Innsbruck: Die Anlage soll fragile Dokumente automatisch erfassen und dabei Abweichungen früh erkennen.

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Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Scansion.

Das Team von Scansion will einen Arbeitsschritt beschleunigen, der in Archiven und Bibliotheken viel Personal bindet: das Digitalisieren von Papierbeständen. Das Unternehmen ist zwar noch nicht gegründet, aber das Projekt schon einige Jahre alt. Derzeit arbeitet ein Team an der Universität Innsbruck an einem Prototyp und an der Überführung in eine spätere Produktlösung. Hinter dem Projekt stehen Günter Mühlberger und Patrick Schönegger. Mühlberger kommt aus den Digital Humanities und beschäftigt sich an der Universität Innsbruck seit Jahren mit Digitalisierung und elektronischer Archivierung. Schönegger bringt Erfahrung aus Mechatronik, IT und Systemintegration ein.

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Günter Mühlberger ist Leiter des Projektes - er arbeitet an der Universität Innsbruck zur digitalen Bewahrung historischer Bestände.

Warum ist das Digitalisieren von Archivbeständen heute noch so langsam?

Das Digitalisieren von Archivbeständen ist nach wie vor recht langsam, weil viele Schritte weiterhin manuell ablaufen und bei empfindlichem Material automatisierte Einzugsscanner oft nicht infrage kommen. Das betrifft zum Beispiel lose, dünne oder beschädigte Dokumente, die beim Transport leicht reißen oder zusammenkleben können. Genau dieses Problem beschreibt auch ein Beitrag der Forschungsinitiative DHInfra: Gerade fragile Sammlungen lassen sich mit Standardtechnik nur eingeschränkt verarbeiten.

  • DHInfra ist ein HRSM-Projekt mehrerer heimischer Universitäten sowie der Österreichischen Nationalbibliothek und hat zum Ziel, digitale Infrastruktur bzw. eine Datenbank von Beständen geisteswissenschaftlicher Forschung in Österreich aufzubauen.

Dazu kommt: Digitalisierung ist mehr als „schnell scannen“. Seiten müssen korrekt erfasst werden, es braucht Kontrollen, und bei Abweichungen wird häufig nachgearbeitet. Mühlberger verweist auf die Größenordnung des Themas: Bislang seien „ein bis zwei Prozent“ der Archivbestände digitalisiert.

patrick

Patrick Schönegger ist technischer Leiter und bringt Mechatronik- und IT-Know-how in die Entwicklung der Scan-Anlage ein.

Wie soll Scansion fragile Dokumente automatisiert scannen?

Scansion versucht Lösungen für automatisches Scannen zu entwickeln, indem Robotik, Sensorik und Kameras so kombiniert werden, dass viele Handgriffe entfallen und der Prozess laufend mittels Künstlicher Intelligenz überwacht wird. Ein Beispiel aus der Entwicklung: Für gebundene Vorlagen arbeitet das Team an einer Buchwippe, die das Buch fürs Scannen ausrichtet und Daten aus einer 3D-Kamera nutzt, um typische Verzerrungen später zu korrigieren.

Alle Dokumente werden mittels Ultraschallsensor kontrolliert, sodass keine Seite übersprungen wird. Wenn Seiten aneinanderhaften oder ein Blatt verloren geht, stoppt der Prozess automatisch.

Die technische Entwicklung läuft seit mehreren Jahren und ist bewusst generisch angelegt: Die Robotikplattform soll für unterschiedliche Digitalisierungsaufgaben einsetzbar sein – nicht nur für lose Blätter, sondern auch für weitere Bestandsarten. Aktuell wird ein Pilotprojekt mit dem Tiroler Landesarchiv umgesetzt, bei dem besonders fragile Meldezettel aus den Jahren 1900 bis 1920 verarbeitet werden. Im Rahmen des Projektes werden rund 100.000 Dokumente digitalisiert - bei einer Erfolgsrate von über 99 Prozent.

Für wen kann das wirtschaftlich interessant sein?

Besonders interessant könnte der Ansatz von Scansion für mögliche KundInnen sein, die große oder empfindliche Papierbestände schnell und standardisiert digitalisieren müssen. Neben öffentlichen Archiven und Bibliotheken wären das etwa Museen und Sammlungen mit historischen Dokumenten, Kommunen mit Melde- und Verwaltungsakten oder auch Universitäten mit Forschungsbeständen. Denkbar wäre zudem ein Einsatz bei Dienstleistern, Versicherungen, Banken oder Industrieunternehmen, die ältere Vertrags- und Aktenbestände digitalisieren wollen, sofern die Plattform auf die jeweiligen Dokumentarten angepasst werden kann.

Scansion könnte die Anlage verkaufen oder als langfristig gewartetes System in Archiven betreiben und dafür Service- und Wartungsverträge abschließen. Ebenso möglich wäre ein „Digitalisierung als Dienstleistung“-Modell, bei dem Bestände vor Ort mit einem Scansion-System verarbeitet und pro Seite oder pro Projekt abgerechnet wird. Für größere Einrichtungen könnte auch ein Leasing- oder Mietmodell relevant sein, falls Investitionsbudgets knapp sind, der Digitalisierungsdruck aber hoch bleibt.

Was braucht Scansion als Nächstes?

Damit aus dem Prototyp ein marktfähiges System wird, sind vor allem zwei Weiterentwicklungen entscheidend: Erstens muss die Anlage „Ausnahmen“ noch früher erkennen – also ungewöhnliche Formate, geklebte oder gefaltete Dokumente – damit der Betrieb nicht unnötig stoppt. Zweitens geht es um Fernzugriff: Wenn nachts ein Abbruch passiert, soll eine Person den Prozess aus der Distanz – also auch off-shore - wieder starten können, ohne dass jemand vor Ort sein muss.

Dazu kommt die Finanzierungsfrage: Das Team sucht Investments ab 100.000 Euro, um die nächsten Entwicklungsschritte Richtung Produkt und Betrieb umzusetzen. Der aktuelle Stand: Ein Prototyp ist vorhanden, die Gründung des Spin-offs steht noch aus.

11. März 2026 | AutorIn: Max Hofer | Foto: Scansion, Freepik

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