Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Buum.
Feuchttücher gehören für viele Menschen zum Alltag, sind aus Sicht von Kläranlagen und Abwassersystemen aber seit Jahren ein Problem. Das Tiroler Start-up Buum suchte einen eigenen Weg: Statt Einweg-Feuchttücher zu verkaufen, setzt Gründer Richard Leitgeb auf einen Schaum, der auf normales Toilettenpapier aufgetragen wird. Das Unternehmen wurde 2024 gegründet, der Marktstart erfolgte im Dezember 2025.

Alle drei Produkte von Buum für die Anwendung mit normalem Toilettenpapier.
Warum sind Feuchttücher ein Problem für Kanal und Kläranlage?
Feuchttücher sind ein Problem, weil sie sich laut Buum im realen Abwasserweg nicht schnell genug auflösen und dadurch technische Probleme verursachen können. Leitgeb sagt, ihn habe gestört, „dass ein Produkt, das täglich verwendet wird, so wenig hinterfragt wird und den Werbeaussagen der Großkonzerne blind vertraut wird“.
Nach Gesprächen mit mehreren Abwasserbetrieben habe sich für ihn gezeigt, dass auch als „spülbar“ beworbene Feuchttücher den Weg bis ins Klärwerk oft nicht in jener Form überstehen, wie es die Werbung suggeriere. Eine Klospülung brauche nur wenige Stunden bis zur Kläranlage, erklärt Leitgeb, in dieser Zeit löst sich ein Feuchttuch nicht vollständig auf. Die Folgekosten würden letztlich über Abwassergebühren mitgetragen.
Damit greift Buum ein Alltagsprodukt auf, das zwar praktisch ist, in der Entsorgungsfrage aber regelmäßig diskutiert wird. Leitgeb sieht genau dort die Marktlücke: bei einer Alternative, die im Gebrauch vertraut wirkt, aber keine zusätzlichen Tücher in Umlauf bringt.

Das Produkt-Set von Buum.
Wie will Buum Feuchttücher im Alltag ersetzen?
Buum will Feuchttücher ersetzen, indem ein Schaum auf normales Toilettenpapier aufgetragen wird. Laut Unternehmen werde das Papier dadurch in kurzer Zeit zu einem reißfesten, feuchten Reinigungstuch, ohne durchzuweichen.
Der Ansatz ist nicht völlig neu, sagt Leitgeb, aber bestehende Produkte hätten ihn in der Anwendung nicht überzeugt. Deshalb entwickelte er nach eigenen Angaben gemeinsam mit ExpertInnen aus Österreich eine eigene Rezeptur. Diese soll einen stabilen Schaum erzeugen und gleichzeitig ausschließlich aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen sowie ohne Mikroplastik auskommen.

Buum-Schaumspender für die Anwendung auf Toilettenpapier.
Zu den bisherigen Meilensteinen zählt das Start-up die Entwicklung der Rezeptur, den Aufbau einer regionalen Produktion mit einem Partner in Oberösterreich sowie den Verkaufsstart im Dezember 2025. Seit dem Launch habe Buum bis zum 15. Februar 2026 nach eigenen Angaben bereits über 750.000 Feuchttücher ersetzt.
Leitgeb beschreibt die größte Hürde nicht in der Produktentwicklung, sondern im Verhalten der KundInnen: „Die größte Herausforderung war es, Gewohnheiten zu verändern. Feuchttücher sind für viele selbstverständlich. Ich musste zeigen, dass Nachhaltigkeit und Reinigungsleistung kein Kompromiss sein müssen.“

Leitgeb will mit Buum eine Alternative zu klassischen Feuchttüchern etablieren.
Was plant Buum als Nächstes?
Als Nächstes will Buum vor allem Reichweite, Marke und Vertrieb im deutschsprachigen Raum ausbauen. Der Fokus liegt laut Leitgeb auf Skalierung und einer klaren Positionierung in der Kategorie Toilettenhygiene.
Das Start-up formuliert seine Vision in einer konkreten Zahl: Bis 2028 sollen über 100 Millionen Feuchttücher vermieden werden. Dafür setzt Buum auf ein Direct-to-Consumer-Modell, also den direkten Verkauf an EndkundInnen, und auf den weiteren Aufbau einer Community rund um nachhaltige Hygiene.
„Ich sehe enormes Potenzial im deutschsprachigen Raum. Mein Fokus liegt darauf, Buum weiter zu skalieren, die Marke klar zu positionieren und nachhaltige Intimhygiene zur neuen Normalität zu machen“, sagt Leitgeb. Ob und wie schnell sich das Konzept in einem stark gewohnheitsgetriebenen Markt durchsetzt, wird vor allem davon abhängen, ob Buum den Wechsel im Alltag möglichst einfach macht.

Die dieser Produktlinie will Leitgeb zunächst im deutschsprachigen Raum expandieren.