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Wirtschaft & Politik gefordert

Schuldenberatung Tirol am Limit

Thomas Pachl ist Geschäftsführer der Schuldenberatung Tirol.
Wirtschaft & Politik gefordert

Schuldenberatung Tirol am Limit

Thomas Pachl ist Geschäftsführer der Schuldenberatung Tirol.

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Die Schuldenberatung Tirol hat einen Aufnahmestopp für neue Beratungsgespräche verhängt. Geschäftsführer Thomas Pachl spricht von massiver Überlastung und nimmt sowohl Politik als auch Wirtschaft in die Pflicht.

„Wir mussten dem Land als wichtigstem Geldgeber mitteilen, dass wir mit den vielen Neuanmeldungen überlastet sind“, so Thomas Pachl, Geschäftsführer der Schuldenberatung Tirol. Durch das Sparbudget sei eine Beraterstelle weggefallen, nun arbeite man in den drei Standorten in Tirol mit zehn Vollzeitäquivalenten.

Stabile Zahl, komplexere Fälle

Aktuell beträgt die Wartezeit auf ein Erstgespräch rund zwei Monate. „Das ist wenig sinnvoll“, so Pachl. „Wenn jemand mit einem gesperrten Konto kommt, kann ich schlecht sagen: In zwei Monaten reden wir darüber.“ Die Zahl der KlientInnen sei mit rund 4.500 offenen Fällen pro Jahr relativ stabil, der Aufwand pro Fall steige aber. Die Menschen würden versuchen, ihren Verpflichtungen so lange wie möglich nachzukommen. Oft werden zusätzliche Kredite aufgenommen, bis „das gesamte System zusammenbricht“. Besonders komplex seien Fälle ehemaliger Selbstständiger, die rund ein Viertel der KlientInnen ausmachen.

Appell an Politik und Wirtschaft

Thomas Pachl betont, dass Schuldenregulierungen sowohl Sozial- und Gesundheitssysteme entlasten würden als auch für Gläubiger sinnvoller als jahrelange Inkassoversuche wären. Unterstützung aus der Wirtschaft gebe es bisher nicht, jahrzehntelang habe man Gespräche, etwa mit der Wirtschaftskammer, geführt. Die sehe sich laut Pachl nicht mehr zuständig, wenn Mitglieder ausscheiden würden. Die AK unterstütze mit 140.000 Euro. „Wir werden uns nicht um Fundraising bemühen bei der Wirtschaft. Das haben wir schon“, so Pachl, der die Politik auffordert, in diese Richtung tätig zu werden. Zudem kritisiert Thomas Pachl auch Banken, die Hochrisikokredite verteilen. „Mittelfristig wird es so sein müssen, dass wir mehr Personal bekommen.“ Für Entlastung wären laut Pachl rund 250.000 Euro für drei zusätzliche Vollzeitstellen nötig.

Opposition fordert, Regierung beschwichtigt

Der Aufnahmestopp sorgt auch politisch für Streit. FPÖ, Liste Fritz, Grüne und NEOS sprechen von einem einmaligen Vorgang in der Tiroler Sozialpolitik und forderten per Dringlichkeitsantrag eine sofortige finanzielle Absicherung der Schuldenberatung, inklusive Personalausbau und Abgeltung der Gehaltserhöhungen laut SWÖ-Kollektivvertrag. Der Antrag wurde von ÖVP und SPÖ jedoch nicht behandelt. Die Landesregierung verweist darauf, dass man sich bereits mit der Situation befasse und erst kürzlich die Fördervereinbarung für 2026 unterzeichnet worden sei. Mit den jährlich fast 1,5 Millionen Euro, die das Land Tirol für die Schuldenberatung zur Verfügung stelle, komme das Land seiner Verantwortung nach, betonen die Klubobleute Jakob Wolf (ÖVP) und Elisabeth Fleischanderl (SPÖ). Verwundert zeigt sich die Regierung darüber, dass der Aufnahmestopp einen Tag nach Abschluss der Fördervereinbarung ohne Vorlauf verkündet wurde.

05. Februar 2026 | AutorIn: Markus Wechner | Foto: Privat Pachl/Freepik AI generated

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