Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Serwas.
Serwas ist ein Innsbrucker Start-up, das Abwärme aus Servern zum Heizen von Wohn- und Bürogebäuden nutzen will. Gegründet wurde Serwas 2025 als Einzelunternehmen, für 2026 ist die Umgründung in eine Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo) geplant. Hinter dem Unternehmen stehen der Bauingenieur und -physiker Timo Berkmann und die beiden Co-Founder Manuel Untergasser und Lucas Bolte. Als Wirtschaftswissenschaftler sowie Informatiker ergänzen sie das dreiköpfige Team von Beginn an. Inzwischen laufen bereits erste Pilotanlagen in Vorarlberg, seit November 2025 ist auch der offizielle Verkauf gestartet.

Lucas Bolte ergänzt das Team mit seiner Expertise im IT-Bereich.
Warum bleibt Server-Abwärme oft ungenutzt?
Weil sie häufig dort entsteht, wo sie ohne zusätzliche Technik und passende AbnehmerInnen nicht sinnvoll genutzt werden kann. Prinzipiell ist Abwärmenutzung aus Rechenzentren möglich und wird auch bereits an einzelnen Standorten in Österreich durchgeführt. In der Praxis wird Wärme jedoch oft abgeführt oder heruntergekühlt – unter anderem, weil Anschluss, Temperaturniveau und Wärmebedarf im Gebäude zusammenpassen müssen.
Serwas argumentiert gegenüber top.tirol, dass ein Großteil der Wärme heute schlicht verloren geht: „Rund 98 Prozent“ der entstehenden Energie würden als Wärme an die Umwelt abgegeben. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Rechenleistung – und damit auch der Energiebedarf von Rechenzentren. Die Europäische Kommission verweist etwa unter Bezug auf die Internationale Energieagentur darauf, dass Rechenzentren derzeit rund 1,5 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen und bis 2030 deutlich zulegen könnten. Genau auf diesen Trend setzt das Team rund um Berkmann.
Wie macht Serwas die Wärme aus Servern im Alltag nutzbar?
Serwas will Server so in Gebäuden betreiben, dass die entstehende Wärme direkt für Heizung oder Warmwasser genutzt werden kann. „Mit Serwas wird Rechenleistung zur Heizquelle. Damit werden Gebäude unabhängiger von steigenden Energiekosten“, sagt Berkmann. Co-Founder Untergasser betont hingegen die einfache Bedienbarkeit: „Unsere Technologie kann ohne technisches Vorwissen betrieben werden. Die Systemeinbindung ist einfach und die Wärme kann direkt im Gebäude genutzt werden.“

Ideengeber Berkmann im Gespräch mit Wirtschaftswissenschaftler Untergasser.
Die Idee sei indes in der Backstube von Berkmanns Vater entstanden, berichtete das Wiener Onlinemedium brutkasten: Ein Server sollte dort Grundwärme liefern und gleichzeitig Rechenleistung bereitstellen. Später wurde das System so angepasst, dass es auch Warmwasser liefern kann. Begleitet wurde die Entwicklung vom Forschungszentrum Energie der Fachhochschule Vorarlberg. Aus der Zusammenarbeit entstand eine Steuerungssoftware, die unter anderem Strompreise und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie prognostizieren und den Betrieb automatisch optimieren soll.

Berkmann arbeitet am Prototyp der ersten Generation: Serwas-Systeme sollen in bestehende Heiz- und Warmwassersysteme eingebunden werden können.
Zu Leistung und Kosten nennt das Start-up konkrete Eckdaten: Ein Gerät der ersten Generation liefert rund zehn Kilowatt Wärmeleistung, misst etwa 70 mal 40 mal 10 Zentimeter und kostet rund 12.000 Euro. Hinzu kommen Installationskosten von etwa 1.500 Euro. Einnahmen aus der Rechenleistung beziffert Serwas in dieser Generation mit rund 0,12 Euro pro Kilowattstunde.

Detailaufnahme von Komponenten und Anschlüssen der Serwas-Serverheizung.
Für 2026 kündigt Serwas eine zweite Generation an, die stärker auf Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz ausgerichtet sein soll. Der Preis wird mit rund 25.000 Euro pro Einheit angegeben; die Erträge aus der Rechenleistung werden mit rund 0,80 Euro pro Kilowattstunde beziffert. Die Amortisationszeit („Return on Investment“) – also die Zeit, bis sich die Anschaffung über Einsparungen und Einnahmen rechnet – schätzt Serwas auf rund eineinhalb Jahre.
Zum Geschäftsmodell: Serwas kombiniert Hardwareverkauf mit einer Beteiligung an der Vermarktung der Rechenleistung. Der Anteil für das Start-up liege bei fünf bis zehn Prozent pro Kilowattstunde.

Ein Gerät der ersten Generation neben einem Warmwasserkessel – die Abwärme des Servers wird für die Erhitzung des Wassers genutzt.
Was kommt als Nächstes für Serwas?
Als nächster Schritt steht der Übergang vom Pilotbetrieb in die Skalierung an. Die ersten Systeme sind bereits in privaten oder gewerblichen Gebäuden im Einsatz und die erste Produktgeneration wird in Österreich und Deutschland bereits offiziell angeboten. Eine Investmentrunde ist für das zweite Quartal 2026 angekündigt.
Co-Founder Lucas Bolte rückt dabei vor allem die technische Skalierung in den Vordergrund: „Für uns steht eine zuverlässige und skalierbare technische Umsetzung im Mittelpunkt. Unsere Systeme sollen nicht nur Wärme bereitstellen, sondern auch als stabile digitale Infrastruktur für lokale Anwendungen dienen.“
Operativ wird entscheidend sein, wie rasch sich Produktion und Einbau hochfahren lassen – und wie verlässlich sich die Rechenleistung vermarkten lässt. Ob Serwas damit eine dauerhafte Nische zwischen Gebäudetechnik und Informationstechnologie besetzt, wird sich vor allem an der Wirtschaftlichkeit im Alltag und an stabilen AbnehmerInnen für die Rechenleistung zeigen.