Die Skinnovation startet am Donnerstag in der Axamer Lizum und versammelt Start-ups und InvestorInnen auf ungewöhnlichem Terrain – der Skipiste. Zwischen Sessellift und Abfahrt entstehen dabei Begegnungen, die klassische Konferenzen oft vermissen lassen. top.tirol hat mit Gründerin Kathrin Treutinger gesprochen.
Eine Start-up-Konferenz auf Skiern – was zunächst absurd klingt, hast du Realität werden lassen. Kathrin, wie ist die Idee hinter Skinnovation entstanden?
Kathrin Treutinger: Die Idee hat ihren Ursprung tatsächlich in Afrika. Ich habe damals beim AMPion Venture Bus mitorganisiert – ein Projekt, bei dem wir quer durch Westafrika, von der Elfenbeinküste über Ghana bis nach Nigeria gereist sind. Tagsüber haben wir im Bus an Start-up-Ideen gearbeitet und abends in lokalen Hubs gepitcht.
Als ich danach zurück nach Tirol gekommen bin, wollte ich dieses Konzept weiterdenken. Mir war aber klar: Busfahren ist hier nicht ganz so spannend wie in Westafrika. Also habe ich mich gefragt – was ist typisch für Tirol? Und die Antwort war klar: Skifahren.
So ist die Idee entstanden, Innovation auf die Piste zu bringen. Angefangen hat alles ganz klein, mit rund 20 Studierenden, die einen Tag lang gemeinsam Ski gefahren sind und an Ideen gearbeitet haben, wie Innsbruck attraktiver für Start-ups werden kann. Daraus hat sich Schritt für Schritt das heutige Event entwickelt – inklusive Pitching im Skilift.
Was unterscheidet das Setting auf der Piste von einem klassischen Konferenzraum?
Der größte Unterschied ist die Atmosphäre. Auf der Piste sind alle in Bewegung, viele auf Skiern, und dadurch entsteht automatisch eine viel lockerere, offenere Stimmung.
Diese Umgebung macht es unglaublich einfach, ins Gespräch zu kommen. Networking passiert ganz natürlich – sei es im Lift, auf der Hütte oder zwischen zwei Abfahrten. Es fühlt sich weniger nach klassischem Business an und mehr nach echten Begegnungen.

Was hat dich an der Umsetzung am meisten überrascht – im positiven oder negativen Sinn?
Die größte Herausforderung ist definitiv die Logistik im Skigebiet. Was für uns Tiroler selbstverständlich ist, ist für viele internationale TeilnehmerInnen völlig neu. Da braucht es viel Kommunikation und gutes Briefing, damit sich alle zurechtfinden.
Sehr positiv überrascht hat mich aber, wie viele Menschen bereit sind, mit anzupacken und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Dieser Teamgeist ist wirklich besonders.
Aktuell sehen wir auch wieder, wie wichtig Flexibilität ist – zum Beispiel beim Wetter. Dieses Jahr spielt es voraussichtlich nicht ganz so mit, weshalb wir bereits an Plan B arbeiten: mehr Kapazitäten auf den Hütten, Programmpunkte teilweise nach drinnen verlagern und das Setup entsprechend anpassen.
Mittlerweile besuchen rund 1.000 TeilnehmerInnen die Veranstaltung – du hast also offensichtlich einen Nerv getroffen. Woran liegt das deiner Meinung nach?
Ich glaube, die Menschen sehnen sich nach echten Begegnungen. Und die entstehen selten im klassischen Konferenzraum, wo alle im Anzug nebeneinander stehen.
Bei Skinnovation erlebt man gemeinsam etwas – man fährt Ski, verbringt Zeit draußen, hat gemeinsame Erlebnisse. Diese schaffen eine ganz andere Verbindungsebene. Genau das macht den Unterschied.

Wie hat dich Skinnovation selbst verändert – beruflich oder persönlich?
Ich bin mit Skinnovation gewachsen. Ich habe das Event mit Mitte 20 gegründet und bin heute Mitte/Ende 30 – und wenn ich zurückblicke, sehe ich, wie viele Fehler wir am Anfang gemacht haben und wie viel wir daraus gelernt haben.
Inzwischen ist alles deutlich professioneller geworden – sowohl in der Organisation als auch im Team. Während wir anfangs hauptsächlich mit Studierenden gearbeitet haben, sind heute viele dabei, die selbst Events organisieren oder andere wertvolle Erfahrungen mitbringen.
Gleichzeitig habe ich mir mit Skinnovation auch ein Event geschaffen, das zu meinem eigenen Lebensstil passt. Am Anfang war das vor allem die Kombination aus Unternehmertum und den Tiroler Bergen – viel draußen sein, viel Skifahren.
Heute ist noch eine weitere Dimension dazugekommen: Während das Event von 100 auf 1.000 TeilnehmerInnen gewachsen ist, ist auch meine Familie von eins auf vier Personen gewachsen. Und genau darin sehe ich für mich auch ein Stück New Work – die Möglichkeit, Event, Beruf und Familie miteinander zu vereinen und in Einklang zu bringen.
Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person:
Kathrin Treutinger ist Gründerin der Start-up-Konferenz Skinnovation, die seit 2015 jährlich in den Tiroler Alpen stattfindet.