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RedBull-Urgestein im Interview

So führt man sein Team zur Höchstleistung

So führt man sein Team zur Höchstleistung
manfred-huckel-fc-manfred-huckel- - So führt man sein Team zur Höchstleistung
Manfred Hückel hat langjährige Erfahrung im Führen von MitarbeiterInnen. Sein Know-how gibt er heute in Lehrveranstaltungen an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Hochschule St. Gallen weiter.
RedBull-Urgestein im Interview

So führt man sein Team zur Höchstleistung

So führt man sein Team zur Höchstleistung
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Manfred Hückel hat langjährige Erfahrung im Führen von MitarbeiterInnen. Sein Know-how gibt er heute in Lehrveranstaltungen an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Hochschule St. Gallen weiter.

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Noch nie zuvor wollten so viele Menschen Arbeit wechseln. Fast die Hälfte aller Beschäftigten ist derzeit auf Jobsuche oder offen für neue Aufgaben. Manfred Hückel war über 23 Jahre bei Red Bull, unter anderem als globaler Marketing- und Vertriebschef. Er weiß, was es braucht, um MitarbeiterInnen im Unternehmen zu halten.

Herr Hückel, warum sind alteingesessene MitarbeiterInnen besser als neue?

Bestehende Arbeitskräfte bringen zwei große Vorteile mit sich. Zum einen sind ihre Stärken und Arbeitsweisen bereits bekannt und stellen somit kein Risiko dar, im Gegensatz zu Neueinstellungen. Zum anderen entfällt bei ihnen Einarbeitung. Neue Angestellte müssen oft umfassend eingeführt und geschult werden, was Zeit und Energie kostet – und somit auch Geld. Daher ist es oft von großem Vorteil, bestehendes Personal möglichst lange in der Firma zu halten.

Warum ist eine hohe Fluktuation ein Warnzeichen?

Ein großer Mitarbeiterwechsel kann ein Indiz dafür sein, dass sich die Beschäftigten nicht mit den Kernaufgaben und Werten des Unternehmens identifizieren und keine Erfüllung in ihrer Arbeit finden. Das ist ein kritisches Signal für die Firmenführung, da es den Erfolg und Bestand des Betriebs gefährdet.

Keine Personalwechsel zu haben ist jedoch auch nicht erstrebenswert, da es wichtig ist, sich von jenen zu trennen, die die Unternehmenswerte nicht teilen. Erfahrene Unternehmer betrachten eine Fluktuation von bis zu 10 Prozent als gesund, denn ein gewisses Maß an Wechsel fördert Dynamik und Innovation. Dennoch bleibt die langfristige Bindung der Mehrheit der Belegschaft ein klarer Indikator für unternehmerischen Erfolg.

Wie können langjährige Angestellte gehalten werden?

Das Geheimnis liegt darin, ihnen ein tiefes Gefühl der Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit zu vermitteln. Es geht nicht nur darum, dass sie jeden Morgen aufstehen und wissen, warum sie zur Arbeit gehen. Vielmehr sollten sie bei dem Gedanken, was sie durch ihre Arbeit bewirken können, Begeisterung verspüren. Wenn Mitarbeitende sich vorstellen können, welche Missionen sie in den kommenden Jahren gemeinsam erreichen können, und dabei fast so etwas wie Schmetterlinge im Bauch spüren, dann entsteht eine starke emotionale Bindung zur Arbeit. Teilt ein Großteil der Belegschaft dieses Gefühl, können daraus außergewöhnliche Leistungen und eine kraftvolle Unternehmenskultur erwachsen.

Sie haben in diesem Zusammenhang den Begriff „Island of Excellence“ geprägt. Was ist damit gemeint?

Eine „Island of Excellence“ ist ein Umfeld, das außergewöhnliche Leistungen ermöglicht. Sie kann in der Geschäftswelt, im Sport oder in der Bildung geschaffen werden und basiert auf drei Säulen:

Am Anfang steht das große 'Warum'. Alle Beteiligten sollten die Ziele des Betriebs für die nächsten Jahre kennen und teilen. Diese Vision oder Mission sollte inspirieren und ein Gefühl von Ehrgeiz und Zusammengehörigkeit erzeugen, wie es im Sport der Fall ist, wenn man auf einen Meistertitel zusteuert.

Die zweite Säule bilden die gemeinsamen Werte. Sie bestimmen, wie Ziele erreicht werden. Bei Red Bull spielt zum Beispiel Nonkonformismus eine zentrale Rolle, also Dinge anders zu machen. Diese Werte prägen die Kultur und das tägliche Handeln im Unternehmen.

Die dritte Säule ist das stärkenorientierte Coaching. Bei Red Bull wurde besonderer Wert daraufgelegt, die individuellen Stärken der Mitarbeitenden zu erkennen und zu fördern. Statt an den Schwächen zu arbeiten, konzentrieren wir uns darauf, diese Stärken weiter auszubauen.

 

„Moderne Führung bedeutet, den Menschen immer wieder den Sinn ihrer Arbeit zu erklären und sie aktiv in die Unternehmensziele einzubinden. Es geht darum, ihnen ein 'Warum' zu geben, anstatt nur ein 'Was' zu verlangen."

 

Was muss eine Firma machen, um das zu bieten?

Es muss eine moderne Führung eingeführt werden, die weit über die traditionellen Managementmethoden hinausgeht. Jene beruhen oft auf dem Prinzip: „Ich sage dir, was du tun sollst, denn ich zahle dein Gehalt“. Diese veraltete Denkweise ist mitverantwortlich für die alarmierenden Ergebnisse der aktuellen Gallup-Studie, die zeigt, dass 45 Prozent der ArbeitnehmerInnen wechselwillig sind, während nur 14 Prozent angeben, unter guter Führung zu arbeiten. Das bedeutet, dass 86 Prozent der Führungskräfte mit einem überholten Führungsstil arbeiten, der die MitarbeiterInnen nicht mit der Bedeutung ihrer Arbeit verbindet.

Moderne Führung bedeutet, den Menschen immer wieder den Sinn ihrer Arbeit zu erklären und sie aktiv in die Unternehmensziele einzubinden. Es geht darum, ihnen ein 'Warum' zu geben, anstatt nur ein 'Was' zu verlangen.

Mit welchem Aufwand und welchen Kosten ist das für ein Unternehmen verbunden?

Diese Frage wird mir oft gestellt, und die gute Nachricht ist, dass es kein Geld kostet, sondern nur ein Umdenken. Traditionell neigt das menschliche Gehirn dazu, nach Schwächen zu suchen und auf Negatives zu reagieren – ein Überbleibsel aus unserer evolutionären Vergangenheit, das uns geholfen hat, zu überleben. Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Medien und Algorithmen im Internet wider, die dazu neigen, negative Nachrichten zu bevorzugen.

Der Wechsel zu einem Coaching-Stil, der die Stärken in den Vordergrund stellt, bedeutet, einen mentalen Schalter umzulegen und positives, statt negatives Feedback zu geben. Das kostet nichts, außer der Anstrengung und Selbstüberwindung, die nötig ist, um bestehende Gewohnheiten zu überwinden.

Welche anderen Wege können Unternehmen gehen, um altgediente MitarbeiterInnen im Team zu halten?

Die Sinnhaftigkeit der Arbeit ist das zentrale Element für die Bindung der Mitarbeitenden an einen Betrieb. Neben der Sinnhaftigkeit spielt eine respektvolle Wertschätzung eine wichtige Rolle, die nicht unbedingt finanzieller Natur sein muss.

Bei der Entlohnung kommt es vor allem auf Fairness an – es geht nicht darum, die Mitarbeitenden besser zu bezahlen als andere Unternehmen, sondern darauf zu achten, dass sie gleich viel oder zumindest nicht wesentlich weniger verdienen als in vergleichbaren Positionen anderswo.

Darüber hinaus ist es von Nutzen, langjährige Mitarbeitende in strategische Entscheidungsprozesse einzubeziehen, um ihnen das Gefühl zu geben, ein geschätzter Teil der Firma zu sein. Ihre Erfahrung und ihr Wissen über die Firmengeschichte sind von großem Wert.

Wie sieht die Zukunft von Firmen aus, denen es nicht gelingt, ihre MitarbeiterInnen zu binden?

Sie scheitern – und das in Zukunft noch schneller als bisher. Das liegt vor allem an dem sich wandelnden Kräfteverhältnis zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen. Letztere gewinnen zunehmend an Einfluss, was teilweise auf den demografischen Wandel und eine sinkende Geburtenrate zurückzuführen ist. ArbeitgeberInnen stehen daher nicht mehr vor einer so umfangreichen Auswahl an Arbeitskräften wie noch vor einigen Jahren.

In diesem dynamischen Umfeld wird es immer wichtiger, Talente nicht nur zu gewinnen, sondern auch erfolgreich an den Betrieb zu binden. Unternehmen, bei denen ein hoher Prozentsatz der Belegschaft mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten unzufrieden ist, werden voraussichtlich schneller scheitern. Die Fähigkeit, ein positives und attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, wird immer mehr zu einem entscheidenden Faktor für den Unternehmenserfolg.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person:

Dr. Manfred Hückel war über 23 Jahre bei Red Bull, unter anderem als globaler Marketing- und Vertriebschef. Heute gibt er seine Erfahrungen in Lehrveranstaltungen über „Leadership“ und „Verhandlungstechnik“ an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Hochschule St. Gallen weiter. Er ist Miteigentümer und ehrenamtlicher CEO der St. Gilgen International School. Sein Buch „Leuchttürme der Bildung“ stand im Sommer 2023 auf der Thalia Bestsellerliste.

 

Hier noch weitere Zahlen zur MitarbeiterInnen-Motivation: 

 MitarbeiterInnen-Motivation

23. Mai 2024 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: Manfred Hückel

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