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Technik im Winterbetrieb

So gestalten die Bergbahnen Sölden Abläufe neu

Technik im Winterbetrieb

So gestalten die Bergbahnen Sölden Abläufe neu

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Technische Beschneiung, digitale Systeme und neue Energieformen gewinnen in Skigebieten zunehmend an Bedeutung – auch bei den Bergbahnen Sölden. top.tirol war vor Ort und hat sich angesehen, wie der Einsatz moderner Technologien dazu beiträgt, den Betrieb zukunftsfähig zu halten.

Es ist Mitte April – während im Tal längst die ersten Frühlingsboten auftauchen, herrscht bei den Bergbahnen Sölden noch Hochbetrieb. Skifahrer ziehen gemütlich ihre Schwünge und im Hintergrund sind die MitarbeiterInnen fleißig beim Arbeiten. Als Gletscherskigebiet hat Sölden zwar vergleichsweise stabile Voraussetzungen, doch auch hier sind gute Pistenverhältnisse keine Selbstverständlichkeit. Denn Skigebiete stehen zunehmend unter Druck – und das aus mehreren Richtungen zugleich. Steigende Temperaturen, kürzere Winter, der Rückgang der Gletscher und hohe Energiekosten verändern die Rahmenbedingungen spürbar. Auch Sölden bleibt davon nicht unberührt und reagiert darauf mit einem verstärkten Einsatz von Technologie und digitalen Lösungen. Damit sollen Abläufe effizienter gestaltet und Ressourcen gezielter eingesetzt werden. Um einen Einblick in diese Entwicklung zu bekommen, waren wir vor Ort.

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Die Helioplant-Anlagen prägen das Landschaftsbild der Bergbahnen Sölden und sorgen dafür, dass Photovoltaik auch unter extremen Bedingungen funktioniert.

Energie zwischen Eis und Sonne

Auf dem Weg zum Tiefenbachgletscher stechen in der weiten, weißen Landschaft sofort ungewöhnliche Konstruktionen hervor. Aus der Nähe wirken sie fast wie riesige technische Skulpturen. Tatsächlich steckt dahinter aber eine neuartige Lösung für ein bekanntes Problem: Herkömmliche Photovoltaikanlagen funktionieren im Hochgebirge nämlich nur eingeschränkt, weil Schnee die Module oft bedeckt und damit die Stromproduktion behindert.

In Sölden setzt man deshalb auf das innovative Photovoltaik-System von Helioplant. Ihre kreuzförmige Bauweise bringt dabei mehrere Vorteile mit sich. Sie fügt sich vergleichsweise unauffällig ins Gelände ein und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Module weitgehend frei von Schnee bleiben. „Durch die besondere Konstruktion entstehen Luftverwirbelungen, die den Schnee rund um die Anlage abtragen“, erklärt Markus Arnold, Betriebsleitung von Gaislachkogl und Gletscher. So bildet sich am Fuß der Elemente eine Art ausgeblasene Mulde – selbst bei großen Schneemengen bleibt der unmittelbare Bereich um die PV-Bäume weitgehend frei. „Der Effekt wird auch teilweise beim Lawinenschutz verwendet. Früher haben Bauern in gefährlichen Gebieten Holztafeln aufgestellt“, veranschaulicht Arnold.

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Markus Arnold, Betriebsleiter am Gaislachkogl und am Gletscher, erklärt die Technik hinter den Anlagen.

 

Ein Projekt nimmt Form an

Um die Praxistauglichkeit der Module zu überprüfen, wurde im Herbst 2023 erstmals eine Versuchsanlage errichtet. „Nach zwei Jahren Testphase hat sich gezeigt, dass sie sehr zuverlässig arbeitet“, sagt der Ingenieur. Daraufhin wurde der Bau einer größeren Anlage beschlossen und genehmigt, dessen Umsetzung 2025 begonnen hat.

Insgesamt sollen 790 Helioplant-Einheiten in Betrieb gehen. „Wenn alles fertig ausgebaut ist, haben wir eine Spitzenleistung von 6,2 Megawatt Peak“, betont der Fachmann. „Die ganze Anlage produziert übers ganze Jahr gesehen 9,2 Gigawattstunden, was rund einem Drittel des Gesamtverbrauchs entspricht.“

Digital gesteuerte Beschneiung

Doch Strom zu erzeugen ist nur die eine Seite. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie effizient diese Energie eingesetzt wird – vor allem dort, wo der Bedarf am größten ist. Die technische Beschneiung zählt unter anderem zu den zentralen Stellschrauben in einem Skigebiet. Auch hier setzt Sölden auf neue Ansätze. Ein wichtiger Baustein ist ein hoch gelegener Speicherteich auf rund 2.900 Metern, der hilft, energieintensives Hochpumpen von Wasser weitgehend zu vermeiden. „Da sich ein Großteil der Pisten in ähnlicher Höhenlage befindet, kann das Wasser direkt vom Speicher aus verteilt werden“, erklärt der technische Leiter Michael Maier.

Der Teich fasst rund 412.000 Kubikmeter und deckt etwa die Hälfte des Bedarfs für die Beschneiung. Entsprechend hat sich auch die Entnahme aus natürlichen Gewässern reduziert: Heute stammt nur noch ein kleiner Teil aus der Ötztaler Ache. Gespeist wird der Speicher vor allem durch Schmelzwasser im Sommer. „Wir leihen uns das Wasser für die technische Schneeproduktion allerdings nur aus“, meint Maier. „Am Ende der Saison fließt es wieder unverschmutzt zurück ins Tal.“

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Michael Maier, technischer Leiter der Bergbahnen Sölden, vor dem hochgelegenen Speicherteich.

Die Piste im digitalen Blick

Beim Schneemanagement setzten die Bergbahnen Sölden ebenfalls auf digitale Systeme, die mit ihrem Partner Siemens umgesetzt wurden. Denn wie viel Schnee tatsächlich auf einer Piste liegt, lässt sich mit bloßem Auge nur schwer beurteilen – vor allem zu Saisonbeginn. Entsprechend wurde früher oft vorsorglich mehr beschneit, um Engpässe zu vermeiden.

„Heute liefern vernetzte Pistengeräte präzise Daten“, schildert Maier. „Sie messen die Schneehöhe in Echtzeit und übertragen diese in eine digitale Karte. So wird sichtbar, wo ausreichend Schnee liegt und wo nachgebessert werden muss.“

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Ein Blick auf das digitale Schneemanagement: Die Pistenabschnitte werden je nach Schneemenge farblich dargestellt.

15. April 2026 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: Siemens

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