Die Hörgerätebranche erlebt tiefgreifende Veränderungen. Oliver Lux, Mitglied der Konzernleitung bei Sonova, spricht über die wichtigsten Trends der Zukunft, den Einfluss der KI und die besondere Vorreiterrolle des Hansaton-Standorts Innsbruck.
Hörgeräte galten lange als reine Hilfsmittel – unauffällig, funktional, medizinisch. Doch längst haben sich Anspruch und Möglichkeiten gewandelt: Neue Technologien, künstliche Intelligenz und ein digital geprägter Lebensstil der KundInnen stellen die Branche vor grundlegende Veränderungen. Ein Ort, an dem sich dieser Wandel besonders deutlich zeigt, liegt in der Innsbrucker Anichstraße. Dort befindet sich der weltweit fünft erfolgreichste Hansaton-Standort der Hörakustikmarke, die zur Schweizer Sonova Group gehört und weltweit rund 3.700 Standorte betreibt – 115 davon in Österreich.
Oliver Lux, Mitglied der Konzernleitung und gebürtiger Innsbrucker, freut sich besonders über die starke Position seines Heimatstandorts: „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei die Nähe zu medizinischen Einrichtungen. Vor allem macht aber das kompetente Team vor Ort den Unterschied.“
Zwischen Baby Boomern und Deep Learning
Aktuell verändern besonders digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz das Geschäftsfeld – nicht nur die Produkte, sondern auch die Art der Beratung. So kommt in den Fachgeschäften etwa ein sogenanntes Lifestyle Assessment zum Einsatz: eine KI-gestützte Anamnese, die analysiert, welche Hörlösung zu den individuellen Lebensgewohnheiten passt.
Aber auch das Profil der NutzerInnen wandelt sich. „Unsere KundInnen sind oft über 40 – vermehrt gehören auch Baby Boomer dazu. Diese Generation ist mit digitalen Technologien vertraut, nutzt Smartphones und bewegt sich selbstverständlich online. Das wirkt sich direkt auf die Entwicklung unserer Produkte aus“, erklärt Lux.
Ein Chip, der mitdenkt
In Entwicklung, Forschung und Vertrieb zählt Hansaton zu den internationalen Marktführern. Besonders im Fokus steht derzeit die neueste Chip-Generation, die im Sommer des Vorjahres vorgestellt wurde. Herzstück des Systems ist ein Deep-Neural-Network-Chip, der mit über 4,5 Millionen Datenpunkten arbeitet und über fünf Jahre hinweg mit realen Hörsituationen trainiert wurde. Das Ergebnis ist eine Technologie, die Sprache nicht nur erkennt, sondern sich aktiv an wechselnde akustische Umgebungen anpasst.
Vom Hörgerät zum Smart Device
Hörgeräte können heute weit mehr als nur das Hörvermögen verbessern. Dank Bluetooth-ähnlicher Schnittstellen lassen sie sich mit dem Smartphone verbinden, Musik abspielen, Telefongespräche führen oder sogar Übersetzungsdienste nutzen. Einige Modelle sind bereits wasserdicht und begleiten ihre NutzerInnen sogar beim Schwimmen. „In diese Richtung wird es auch künftig weitergehen – hin zur echten Superpower am Ohr“, beschreibt Lux.
Hören erlebbar machen
Nicht nur die Hörgerätetechnologie entwickelt sich stetig weiter – auch die Hansaton-Standorte wachsen mit: So wurde zuletzt der Hansaton-Shop in der Innsbrucker Anichstraße modernisiert und erweitert. „Den Store gibt es seit neun Jahren. Mit dem Umbau schaffen wir nun Platz für eine neue Produktgeneration“, erklärt der Sonova-Manager. Ein zentrales Element der Neugestaltung ist der sogenannte Experience Room: In diesem Bereich erleben Betroffene, aber auch Angehörige, wie sich das Hören mit modernen Geräten in verschiedenen Alltagssituationen verändert – etwa bei einem Konzert, im Straßenverkehr oder in einem belebten Café.