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GEO-Experte im Interview

So wird die Marke KI-tauglich

Alexander Rus ist Gründer sowie CEO von Evergreen Media und beschäftigt sich seit 2009 intensiv mit SEO, Content-Marketing und digitaler PR.
GEO-Experte im Interview

So wird die Marke KI-tauglich

Alexander Rus ist Gründer sowie CEO von Evergreen Media und beschäftigt sich seit 2009 intensiv mit SEO, Content-Marketing und digitaler PR.

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Künstliche Intelligenz krempelt die Geschäftswelt grundlegend um und damit auch, wie Marken wahrgenommen werden. Alexander Rus erklärt, warum Unternehmen jetzt umdenken und aktiv werden müssen.

 

Herr Rus, bevor wir über Generative Engine Optimization sprechen – was genau sind eigentlich „Generative Engines“?

Alexander Rus: Ganz einfach gesagt: Das sind KI-Systeme, die im Konversationsmodus Antworten liefern. ChatGPT ist das bekannteste Beispiel, aber auch Google hat mit Gemini etwas Vergleichbares und Perplexity gehört ebenfalls dazu. Technisch stecken dahinter große Sprachmodelle, die oft mit Suchindizes oder Wissensdatenbanken kombiniert werden. Im Ergebnis wirken sie ein bisschen wie eine Suchmaschine – nur eben ohne die klassische Linkliste. Stattdessen gibt es fertige, gut formulierte Antworten – inzwischen oft sogar mit Quellenangaben.

Und was versteht man dann unter Generative Engine Optimization, kurz GEO?

GEO ist im Grunde die Kunst, eine Marke so zu positionieren, dass sie in diesen KI-Antworten sichtbar wird – entweder als zitierte Quelle oder mit direkter Nennung. Das unterscheidet sich deutlich von SEO. Statt mit Keywords und wenig Kontext zu arbeiten, geht es hier um ganze Gespräche mit enorm viel Kontext. Das gibt den Systemen die Möglichkeit, Marken viel umfassender zu bewerten und sie gezielter zu empfehlen.

Seit wann ist das ein Thema?

GEO ist noch jung – erst seit Ende 2023. Aber es wächst rasant. Google hat in den USA und UK schon einen KI-basierten Suchmodus (AI Mode) ausgerollt, und ich gehe fest davon aus, dass wir den innerhalb der nächsten neun Monate auch bei uns sehen werden.

Was bedeutet dieser Wandel für Unternehmen?

Vor einem Jahr hätte ich gesagt, dass man vielleicht 15 Prozent des SEO-Budgets zusätzlich in GEO investieren sollte. Heute sage ich: deutlich mehr. Wenn Google zur vollständigen Generative Engine wird, betrifft das den mit Abstand größten und wichtigsten organischen Kanal. Wer hier nicht sichtbar ist, verliert. Dabei sollte SEO nicht gekürzt werden, da es das Fundament bleibt. Vielmehr müssen Budgets für Content und digitale PR strategisch neu ausgerichtet werden.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen SEO und GEO?

SEO ist keywordgetrieben – man optimiert Seiten, um in einer Liste möglichst weit oben zu erscheinen. GEO funktioniert dagegen wie eine Kombination aus Suche und Antwortmaschine: Die KI bündelt Informationen, bewertet Marken und liefert direkt die wichtigsten Inhalte in kuratierter Form. NutzerInnen müssen sich nicht mehr durch unzählige Seiten klicken. Der entscheidende Unterschied: Bei GEO werden ganze Konversationen mit sehr viel Kontext ausgewertet. Sichtbar wird nur, wer einzigartige, aktuelle und zitierfähige Inhalte bietet und dessen Positionierung im digitalen Raum konsistent ist.

Welche Schritte sollten Unternehmen jetzt gehen?

Der erste Schritt ist zu prüfen, ob und wie die Marke überhaupt in Antworten von KI-Assistenten vorkommt. Tools wie Peec AI oder Profound helfen, die KI-Sichtbarkeit zu analysieren. Darauf aufbauend sollten Inhalte aktualisiert, klar strukturiert und an den typischen Fragen der Zielgruppe ausgerichtet werden. Besonders wirkungsvoll sind aktuelle Inhalte, nicht älter als sechs Monate, da die statischen Trainingsdaten der KI um frische Quellen ergänzt werden. Gleichzeitig sollten Unternehmen ihre digitale PR ausbauen. Wer in relevanten Medien mit Fachartikeln, Interviews oder Case Studies präsent ist, hat deutlich bessere Chancen, von den Systemen aufgegriffen zu werden. Die KI zieht auch Informationen aus den sozialen Medien und Foren wie Reddit. Was andere über eine Marke sagen, kann entscheidend sein. Deshalb sollten die Abteilungen Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung viel enger zusammenarbeiten als bisher.

Woran erkennen Firmen, ob ihre GEO-Maßnahmen greifen?

Klickzahlen werden an Bedeutung verlieren. Neue KPIs sind daher entscheidend: Markenerwähnungen und Quellennennungen entlang der Kundenreise, Häufigkeit des Webseiten-Abrufs durch KI-Systeme, Erwähnungen in relevanten Online-Medien und das Sentiment dieser Erwähnungen. Wer nur auf Traffic schaut, wird den Eindruck bekommen, dass Sichtbarkeit sinkt, obwohl die Markenpräsenz in KI-Antworten steigt.

Wie wird sich das weiterentwickeln?

Ich bin überzeugt, dass künftig ein Großteil der Online-Interaktion in KI-Assistenten stattfinden wird. Webseiten wird es zwar weiterhin geben, aber ein erheblicher Teil des Traffics wird von Bots generiert werden, die im Hintergrund recherchieren. Die Kundenreise wird kürzer und direkter und das schon in sehr naher Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person:

Alexander Rus ist Gründer und CEO von Evergreen Media und verantwortet die Unternehmensstrategie, das Thought Leadership sowie das Marketing und Branding. Seit 2009 beschäftigt er sich intensiv mit SEO, Content-Marketing und digitaler PR und hat Unternehmen jeder Größenordnung – vom Mittelstand bis zu Fortune-500-Konzernen – bei ihrem digitalen Wachstum begleitet.

19. August 2025 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: Evergreen Media

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