Die Sommerpause ist vorbei – Zeit, die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren zu lassen. In den letzten zwei Monaten ist einfach zu viel passiert, das keinesfalls unkommentiert bleiben darf. Meine zehn Sommerhighlights in chronologischer Reihenfolge.

Böse Zungen behaupten, die Tiroler Supermarktkette tauscht ihre Geschäftsführer derzeit öfter aus als die Waren in der Obst- und Gemüseabteilung. Im Juni hat der vor einem Jahr groß angekündigte Sanierer Stefan Gros seinen Sessel räumen müssen. Saniert hat er in der kurzen Zeit bestenfalls sich selbst, der regionale Handelsriese kämpft weiterhin mit der aktuellen Wirtschaftslage. Neu im jetzt fünfköpfigen Geschäftsführerteam sind mit Jakob und Mathias Mölk zwei weitere Familienmitglieder und der Finanzler Gerhard Gocek.

Ein Konsortium rund um die Cloppenburg-Familie hat das Kaufhaus Tyrol nun offiziell erworben. Der Kaufpreis dürfte bei kolportierten 140 Millionen Euro gelegen sein. Die neuen Eigentümer machten damit ein gutes Geschäft, wurde das Haus doch auch schon deutlich höher bewertet. Noch 2023 sollen es gar 243,5 Millionen Euro gewesen sein, so die Immobilien Zeitung.
Für Renés Gläubiger ein ärgerliches oder zumindest belangloses Geschäft, war die Immobilie doch bis zum Anschlag verpfändet. Insider sprechen davon, dass nach Abzug der Hypotheken gerade mal ein einstelliger Millionenbetrag den Weg in die Konkursmasse fand. Masseverwalter Norbert Abel darf sich aber trotzdem freuen. Als anwaltlicher Abwickler des Verkaufs dürfte sein Honorar wohl auch siebenstellig ausgefallen sein. Gemanagt wird das Objekt künftig vom internationalen Real-Estate-Unternehmen Midstad mit Sitz in Amsterdam.

Nach dem Streit am Landestheater verordnete Oberkindergärtner Toni Mattle den beiden Streihanseln eine Mediation. Mit Erfolg: Intendantin Irene Girkinger fummelt nicht mehr in den Excel-Listen des kaufmännischen Leiters Markus Lutz herum, dieser beschwert sich im Gegenzug nicht mehr öffentlich über die Zuschauerzahlen, die er mit dem Programm der Intendantin in Verbindung sah.
Verordnete Zwangsharmonie hat ihren Preis, in diesem Fall 261.000 Euro plus Reisekosten, die für eine Grazer Unternehmensberatung anfallen. Bei knapp 40 Millionen Euro Jahresbudget für das Tiroler Landestheater reden wir hier von nicht einmal 1 Prozent. So viel Steuergeld darf einem die Harmonie zweier gut bezahlter Führungskräfte wohl wert sein.

So plötzlich der alte Vorstand weg war, so schnell wurde wieder ein neuer gefunden. Claudia Höller und Markus Hildmann unterstützen ab 1. Jänner den Überlebenden des letzten Vorstandstrios Andreas Stadler. Im unternehmerischen Tirol keimt Hoffnung auf, dass das neue Gespann den Namen Landesbank mit echten Inhalten füllen wird. Stichwort: unbürokratische Unterstützung für Tiroler UnternehmerInnen.

Aus unserer Reihe „Antworten auf Fragen, die wir uns gar nicht gestellt haben“, heute: Unser Landeshauptmann verkündet stolz, dass er in zwei Jahren wieder als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl antreten wird. Wenngleich wir in der Vergangenheit schon öfters die Entscheidungsfreudigkeit unseres Landeshauptmanns kritisiert haben, hat er in diesem Fall nichts anbrennen lassen.

Da ist ein großer Kelch an Innsbruck vorübergegangen, lautet die einhellige Meinung in Wirtschaft, Bevölkerung und bei genauerem Nachfragen auch im Tourismus. Einzig Innsbrucks Bürgermeister scheint sich das teure Großevent wirklich gewünscht zu haben. Putzig, wie er nach dem Aus verkündete, dass die Stadt eigentlich doch kein Geld hat, um etwaigen Ersatzideen gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wir werden es nie erfahren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Song Contest Anzengrubers Patscherkofel geworden wäre, ist doch sehr groß.

Wie bei öffentlichen Bauvorhaben scheinbar üblich, wird auch die Renovierung des Ferdinandeums mehr kosten als ursprünglich angenommen. Rechnete man 2019 noch mit knapp 33 Millionen, so erhöhten sich die Kosten bis zum tatsächlichen Baubeginn dieses Frühjahr auf fast das Doppelte, nämlich auf knapp 62 Millionen Euro. Bei rund 6.000 Quadratmeter Nutzfläche ist das eine stolze Summe, vor allem wenn man bedenkt, dass das Ferdinandeum nicht gerade den Ruf eines Besuchermagneten genießt.

Man könnte fast meinen, die Opposition sieht hier den Wald vor lauter Bäumen nicht. Anstatt sich über die Kosten für 31 Bäume zu echauffieren, sollte man eher die Gesamtkosten infrage stellen. Die Bäume kosten, wie letzte Woche viel diskutiert, gut 200.000 Euro, bleiben noch 6,3 Millionen, die mich mehr interessieren als der Preis der viel gepriesenen Schattenspender. Knapp 4,5 Millionen gehen in die eigentlichen Bauarbeiten, rund 1 Million steht als Reserve zur Verfügung und nicht ganz 1 Million haben Ausschreibung und Planung gekostet. Spannend wird, was das Projekt am Ende wirklich kosten wird, und natürlich irgendwie auch, ob die Bäume ihr Geld wert sind.

Während sich Tirols Wirtschaft seit geraumer Zeit im Krisenmodus befindet, gilt das offenbar nicht für deren VertreterInnen. Relativ wortkarg erhöhte die Wirtschaftskammer Tirol nämlich die Gehälter ihrer Funktionäre. So wurde auch die monatliche Entschädigung der Präsidentin Barbara Thaler um knapp 50 Prozent angepasst, und zwar von 7.000 Euro brutto auf 10.394 Euro brutto. Timing und Symbolcharakter könnten wohl kaum schlechter ausfallen.

Der geplante Neubau der Unternehmerischen Hochschule MCI wurde im Dezember von Landeshauptmann Anton Mattle wegen zu hohen Kosten von rund 250 Millionen Euro abgesagt.
Aktuell werden die Vorgänge rund um das Projekt intensiv vom Landesrechnungshof geprüft. Dieser sieht sich mit Tausenden Akten und Hunderten Fragen konfrontiert. Zudem gibt es Zweifel bei der Vergabe von Aufträgen, die teilweise an nicht registrierte oder an gar nicht berechtigte Firmen erfolgt sein soll.
In etwa einem Jahr soll das endgültige Prüfergebnis vorliegen, und dann wissen wir hoffentlich die genaue Summe (15 bis 30 Millionen Euro stehen im Raum), die der Nicht-Neubau bis jetzt verschlungen und wer davon wirklich profitiert hat.