Falsche Rabatte, Manipulation von KundInnen und Verführung zur Preisgabe persönlicher Daten. So lauten die Vorwürfe des Sozialministeriums, das nun gegen den chinesischen Billigwarenhändler Temu vorgeht.
Die Plattform Temu bietet Artikel zu deutlich billigeren Preisen an als bei anderen Anbietern. Der Billigwarenanbieter aus Asien agiert als Vermittler zwischen Kunden und den Herstellern der Produkte. In der Regel werden dort keine Markenprodukte verkauft, sondern günstige No-Name-Artikel. Die Auswahl der angebotenen Waren kennt keine Grenzen. Darunter leidet sehr häufig die Qualität. Nicht selten klären Verbraucherschutzzentralen über Gesundheitsrisiken bei Verwendung von eingekauften Waren auf.
Der Billig-Basar fällt mit einer besonders aggressiven Marketingstrategie auf. Diese Vorgehensweise erweist sich als erfolgreich. Der Onlinehändler ist mit einem Bruttowarenwert von mehr als 340 Mio. Euro bereits der viertgrößte eCommerce-Marktplatz in Österreich. Doch nicht nur hierzulande funktioniert das Modell. Auf der ganzen Welt versandte der Konzern im vergangenen Jahr Waren im Wert von 605 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Amazon schaffte 730 Milliarden. KonsumentInnen der Plattform werden von Rabatten und Angeboten regelrecht überschwemmt. Dieses Vorgehen bezeichnet man als sogenannte „Dark Patterns“. So nennt man manipulative Elemente auf Websites, um das Kaufverhalten von potenziellen KäuferInnen zu beeinflussen. Das Ziel: Kundendaten sammeln und Verkäufe generieren. Genau dieses Vorgehen ist dem Verein für Konsumenteninformation ein Dorn im Auge. Daher reichte er nun im Auftrag des Sozialministeriums die Klage ein. Ganz konkret soll Temu gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und den EU Digital Service Act verstoßen haben.
Roman Eberharter, Obmann der Sparte Handel in Tirol, unterstützt die Klage und fordert klare Maßnahmen: „Es braucht faire Wettbewerbsbedingungen, diese sind momentan nicht gegeben. Die Klage ist ein Schritt in die richtige Richtung. Händler wie Temu und Co. sind ein großes Problem für stationäre Händler und alles andere als fair. Die Abschaffung der Zollfreigrenze für Waren unter 150 Euro ist dringend notwendig. In der Folge benötigt es strengere Kontrollen dazu.“