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Start-up-Nation Österreich

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Start-up-Nation Österreich

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Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat sich hohe Ziele gesetzt: Österreich soll eine der führenden Start-up-Nationen Europas werden. Viele gute Dinge sind bereits auf die Beine gestellt worden, aber es geht noch mehr. Das beweisen nicht zuletzt bereits die Nachbarländer Deutschland und die Schweiz, denen Österreich noch in vielen Bereichen laut einer Studie von Entrepreneurial Impact Study hinterherhinkt. 

Wie möchte Österreich dieses Ziel erreichen?

1. Mehr Freiraum durch steuerliche Vorteile & Bürokratieabbau

  • Die steuerfreie Mitarbeiterprämie von bis zu 1.000 Euro jährlich (auch ohne Kollektivvertrag) wird bis mindestens 2026 verlängert. Damit sollen Start-ups ihre Mitarbeitenden gezielt motivieren und halten können – ohne bürokratischen Aufwand.

  • Die Forschungsprämie in Höhe von rund 14 Prozent bleibt bestehen. Sie bietet einen Anreiz für junge Unternehmen, ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung im Inland zu tätigen.

  • Die Rechtsform „FlexCo“ wird evaluiert und weiterentwickelt. Sie soll mehr Flexibilität als die klassische GmbH bieten – sowohl für GründerInnen als auch für InvestorInnen.

2. Neue Formen der Mitarbeiterbeteiligung

  • Für sogenannte ESOPs (Employee Stock Ownership Plans) wird ein attraktiver steuerlicher Rahmen vorbereitet. Ziel ist, dass Mitarbeitende am Unternehmenserfolg beteiligt werden können, ohne hohe steuerliche Belastung – was besonders in der Wachstumsphase hilfreich ist.

3. Reform der Bilanzierung: Abschreibung immaterieller Werte

  • Start-ups sollen künftig eigene Entwicklungen wie Software, Marken oder Patente in der Bilanz aktivieren dürfen. Damit gelten diese nicht mehr als reine Ausgaben, sondern als wirtschaftlich relevante Werte – was die Eigenkapitalquote verbessert und neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet.

4. Kostensenkung für Unternehmen

  • Eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten ist geplant, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu erhöhen. Besonders kleinere Unternehmen sollen dadurch mehr Spielraum für Neueinstellungen oder Investitionen bekommen.

  • Auch die Exit-Tax (eine Abzugsteuer bei Wohnsitzverlagerung ins Ausland) soll reformiert werden. So möchte man vermeiden, dass GründerInnen durch internationale Expansion steuerlich benachteiligt werden.

5. EU‑weit: „Choose Europe to Start and Scale“

  • Die EU-Initiative setzt auf fünf strategische Säulen. Erstens soll ein innovationsfreundliches Umfeld geschaffen werden – unter anderem durch digitale Gründer-IDs („European Business Wallet“), erleichterte Genehmigungsverfahren und sogenannte Reallabore für Produkttests ohne übermäßige Regulierung.

  • Zweitens wird die Finanzierung durch neue europäische Fonds und Beteiligungsmodelle verbessert, etwa durch den Ausbau des European Innovation Council und Investitionspartnerschaften mit Pensionskassen und Versicherungen.

  • Drittens steht der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Mittelpunkt. Mit dem Programm „Lab to Unicorn“ sollen Universitäten gezielt mit Start-ups zusammenarbeiten, um Forschungsergebnisse rascher in marktfähige Produkte umzusetzen.

  • Viertens soll Europa für internationale Talente attraktiver werden. Die „Blue Carpet“-Initiative sieht vereinfachte Visa-Verfahren, Mitarbeiterbeteiligungen und Talentförderprogramme vor – besonders für Fachkräfte in Tech und Forschung.

  • Fünftens soll die gemeinsame Nutzung von öffentlicher und industrieller Infrastruktur erleichtert werden. Start-ups erhalten besseren Zugang zu Laboren, Werkstätten und Testeinrichtungen, was die Einstiegshürden für Deep-Tech-Gründungen senkt.

Österreich nimmt die Rolle als Start-up-Nation zunehmend ernst und setzt dabei auf eine klare Kombination aus steuerlichen Anreizen, rechtlichen Innovationen, gezielter Talentförderung und europäischer Zusammenarbeit. Durch Maßnahmen wie die FlexCo-Rechtsform, die steuerfreie Mitarbeiterprämie, neue Beteiligungsmodelle und verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten wird ein Umfeld geschaffen, das jungen Unternehmen nicht nur den Einstieg erleichtert, sondern auch Wachstum und Internationalisierung fördert.

Besonders wichtig: Die geplanten Reformen zielen nicht nur auf klassische Tech-Start-ups ab, sondern sollen auch Spin-offs aus Hochschulen, Deep-Tech-Gründungen und nachhaltige Geschäftsmodelle stärken. Wenn diese Maßnahmen konsequent umgesetzt und bürokratische Hürden wirklich abgebaut werden, könnte Österreich in den nächsten Jahren tatsächlich zu einem zentralen Innovationsstandort in Europa aufsteigen – mit echten Chancen für junge GründerInnen im ganzen Land, auch in Regionen wie Tirol.

04. August 2025 | AutorIn: Nico Freimann | Foto: Parlamentsdirektion/ Johannes Zinner

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