Eingabehilfen öffnen

Skip to main content
Rankings - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Rankings
Unternehmensverzeichnis - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Unternehmen
Newsletter - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Newsletter
Start-up Reps

Strom aus der Straße

Das Team von Reps rund um Gründer Alfons Huber (vierter von links) entwickelt in Mils ein System, das Verkehrsflächen zur Stromquelle machen soll.
Start-up Reps

Strom aus der Straße

Das Team von Reps rund um Gründer Alfons Huber (vierter von links) entwickelt in Mils ein System, das Verkehrsflächen zur Stromquelle machen soll.

Artikel teilen

Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Reps Tirol.

alfons huber hamburg9

Feierlicher Moment: Die Reps-Pilotanlage wird im Beisein internationaler Partner offiziell eröffnet.

Reps Tirol ist ein Tiroler Jungunternehmen, das Straßen doppelt nutzen will. Das Start-up aus Mils arbeitet daran, Verkehrsflächen nicht nur für Autos und Lkws, sondern auch für die Energieproduktion einzusetzen. Das „Road Energy Production System“ – kurz Reps – soll die durch den Verkehr entstehende, bisher ungenutzte Energie in Strom umwandeln.

Ende 2025 ist das Start-up mit einer Weltpremiere aufgefallen: Am Hamburger Hafen wurde das erste Straßenkraftwerk eröffnet, das Strom aus verlorener Energie von Kraftfahrzeugen generiert.

alfons huber hamburg12

Gründer Alfons Huber (2.v.r.) eröffnete Pilotanlage am Hamburger Hafen gemeinsam mit Jens Meier (Geschäftsführer des Hamburger Hafens), Elisabeth Zehetner (Österreichische Staatssekretärin für Start-ups und Energie) und Justin Karnabach (Geschäftsführer von HCS).

Von der Tiroler Idee zur Weltpremiere in Hamburg

Die Erfolgsgeschichte von Reps beginnt 2022 beim „120-Sekunden-Ideencasting“ der Standortagentur Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol. Damals stellte Huber seine Vision vor, Verkehrsflächen in Energiequellen zu verwandeln – und erreichte den zweiten Platz. Die Jury attestierte dem Konzept schon damals das Potenzial, Energiegewinnung neu zu denken. Ein Jahr später gründete Huber Reps Tirol, seitdem wurde aus der Idee ein Produkt. Vor einigen Wochen sammelte das Start-up in einer Seed-Finanzierungsrunde stolze 1,3 Millionen Euro vom Berliner Start-up Programm Ewor ein. Kürzlich ging dann im Hamburger Hafen eine zwölf Meter lange Pilotanlage in Betrieb – das weltweit erste Straßenkraftwerk, das Strom aus der verlorenen Energie (etwa in Bremszonen) von Kraftfahrzeugen gewinnt. Das Projekt markiert den Auftakt zu einem umfangreichen Praxistest an einem der wichtigsten Logistikdrehkreuze Europas.

alfons huber hamburg8

Der Gründer präsentiert bei der Eröffnung die Mission von Reps.

Warum sind Verkehrsflächen ein Thema für die Energiewende?

Straßen, Autobahnen und Häfen gelten bisher vor allem als Infrastruktur für den Transport – energetisch bleiben sie weitgehend ungenutzt. Gleichzeitig wächst der Druck, zusätzliche Quellen für erneuerbare Energie zu erschließen, ohne weitere Flächen zu versiegeln.

Reps setzt genau hier an: Bereits versiegelte Verkehrsflächen werden stark beansprucht, erwärmen sich durch Verkehr und Sonneneinstrahlung und bündeln Bewegungsenergie. Das Start-up sieht darin ein zusätzliches Potenzial für die Energiegewinnung. „Wir nutzen bereits versiegelte Straßenflächen als Energiequelle und gewinnen sauberen Strom zurück, ohne zusätzlichen Flächenverbrauch und mit spürbarer CO2-Einsparung“, betont Huber.

REPS2

Das Reps-System aus der Vogelperspektive. 

Besonders geeignet sind stark frequentierte Bereiche wo häufig abgebremst wird – etwa Zufahrten zu Häfen, Mautstellen, Kreuzungen oder Logistikareale. Für BetreiberInnen von Infrastruktur stellt sich damit eine praktische Frage: Wie lässt sich vorhandene Fläche intensiver nutzen, ohne neue Flächen zu bebauen?

So funktioniert das Straßenkraftwerk

Kern der Technologie ist das „Road Energy Production System“, ein modular aufgebautes System, das in Verkehrsflächen integriert wird. Im Hamburger Pilotprojekt wurden dazu mehrere Druckplatten in das Fahrbahnniveau eingelassen. Wenn Fahrzeuge darüberrollen und abbremsen, werden die Platten leicht nach unten gedrückt.

REPS Mechanismus

Der Reps-Mechanismus im Detail – präzise Ingenieursarbeit für eine nachhaltige Zukunft.

Über ein patentiertes Magnetsystem wird diese mechanische Bewegung per Induktion in elektrische Energie umgewandelt. Genutzt wird ausschließlich jene Energie, die beim Bremsen ohnehin verloren ginge – etwa vor Stoppschildern oder Schrankenanlagen.

Der erzeugte Strom kann direkt vor Ort verwendet werden, etwa für Beleuchtung, Signalanlagen, Ladeinfrastruktur oder andere Verbraucher entlang der Strecke. Langfristig ist auch die Einspeisung in lokale Netze denkbar. Im Hamburger Hafen spricht Reps von einem Potenzial von bis zu zehn Gigawattstunden pro Jahr, sollte die Technologie weiter ausgerollt werden – genug, um etwa die Umstellung von Lkw und Staplern vor Ort auf elektrischen Antrieb spürbar zu erleichtern.

REPS

Der Mechanismus im Betrieb – ein Lkw rollte über die Reps-Anlage und produziert dadurch Energie.

Sechs Jahre Entwicklung

Auch wenn Reps erst 2023 offiziell gegründet wurde, läuft die technische Entwicklung deutlich länger. Huber spricht von einer „bislang sechsjährigen Forschungsgeschichte“. In dieser Zeit wurden Konzepte erprobt, internationale Patente angemeldet und das System schrittweise weiterentwickelt.

Zuletzt konnte sich Reps gegen 35.000 BewerberInnen durchsetzen und das Berliner Gründerprogramm Ewor als Investoren gewinnen. „Mit Ewor haben wir den für uns besten Investor und Partner für unsere Innovation gefunden“, sagt Huber. Die Partnerschaft bringe ein stabiles finanzielles Fundament und öffne über das Netzwerk zusätzliche Türen – von Pilotprojekten über technische Expertise bis hin zu internationalen Kontakten.

alfons huber hamburg13

Reps setzt neue Standards in der industriellen Anwendung.

Internationales Interesse – und Tirol als Entwicklungsstandort

In Hamburg wurde also das erste große Straßenkraftwerk eröffnet, es sei aber nicht das einzige Projekt in der Pipeline. Laut Reps stößt die Technologie international bereits auf Interesse, etwa in Abu Dhabi, Barcelona, Bologna und Bursa. Dort könnten künftig ähnliche Anlagen entstehen, um die sonst verlorene Energie an verkehrsreichen Punkten zurückzugewinnen.

Die Entwicklung dieser Technologie findet in Tirol statt. In Mils arbeitet das inzwischen 12-köpfige Team an der Weiterentwicklung der Module und an der Vorbereitung der Serienproduktion. Gleichzeitig läuft eine Internationalisierungsoffensive, bei der weitere Pilot- und Referenzprojekte aufgebaut werden sollen.

REPS mils

Blick auf den Reps-Standort in Mils, an dem Visionen zu Technologie werden. 

Was als Nächstes ansteht

Mit dem Hamburger "Product-Launch" und der Seed-Finanzierung im Rücken will Reps nun den Schritt von der Forschung in die Breite schaffen. Die Serienproduktion der Module wird vorbereitet, parallel dazu arbeitet das Team daran, weitere Standorte zu identifizieren, an denen verlorene Energie besonders effizient genutzt werden kann.

Der Anspruch ist hoch: Reps möchte sich als Anbieter für die Umwandlung von Verkehrsflächen in Energiequellen etablieren – von Autobahnen und Mautstellen über Häfen bis hin zu städtischen Verkehrsflächen. Dabei spielen nicht nur technische Reife und Wirtschaftlichkeit eine Rolle, sondern auch Genehmigungsverfahren, Sicherheitsvorgaben und die Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Infrastrukturbetreibern.

Ob und wie schnell sich Straßenkraftwerke im Alltag durchsetzen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Fest steht: Die Frage, ob Straßen künftig nicht nur Verkehrsträger, sondern auch Energiequellen sind, wird auch aus Tirol heraus mitbeantwortet.

alfons huber hamburg10

Stoßen auf eine erfolgreiche Zukunft an: Huber und Staatssekretärin Zehetner bei der Eröffnung in Hamburg.

10. Dezember 2025 | AutorIn: Max Hofer | Foto: REPS GmbH, Patrick Lux

top.tirol Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über Tirols Wirtschaftsgeschehen