Die Insolvenzstatistik für das erste Quartal 2026 hat für Tirol erfreuliche Zahlen parat. Österreichweit jedoch bleibt die Lage angespannt – und die Zahlen trügerischer als sie scheinen.
49 eröffnete Firmeninsolvenzen in Tirol im ersten Quartal 2026 – das sind knapp 29 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Kein anderes Bundesland weist einen so deutlichen Rückgang auf.
Österreichweit jedoch zeigt sich ein deutlich trüberes Bild. Denn während die Eröffnungszahlen sinken, ist eine andere Kennziffer massiv gestiegen: die Insolvenzabweisungen mangels Masse – Fälle, in denen ein Antrag gar nicht erst zur Verfahrenseröffnung führt, weil kein verwertbares Vermögen mehr vorhanden ist. 891 solcher Beschlüsse wurden im ersten Quartal gefasst, ein Plus von 26,56 Prozent. Betriebe, die de facto nicht mehr existieren, aber in keiner Pleitenstatistik auftauchen. Rechnet man Eröffnungen und Abweisungen zusammen, stiegen die Gesamtinsolvenzen österreichweit um 5,39 Prozent.
Der Kontext macht die Zahlen noch schwerer verdaulich. Nach zwei Rezessionsjahren war 2025 bereits das dritte Rekordjahr in Folge bei den Firmenpleiten. Die erhoffte Wende lässt auf sich warten: Geopolitische Unsicherheiten und der anhaltende Nahost-Konflikt bremsen die Investitionsbereitschaft, steigende Energiepreise heizen die Inflation an und drücken auf das Konsumverhalten. Jänner und Februar 2026 weckten noch vorsichtige Hoffnungen – die Eröffnungszahlen lagen unter dem Schnitt der Vorjahre. Der März zerstörte diese Hoffnung: 413 Eröffnungen in einem einzigen Monat, ein deutlich überdurchschnittlicher Wert.
Tourismusschutzschild und seine Grenzen
Dass Tirol im Bundesländervergleich so gut abschneidet, ist kein Zufall. Der Tourismus erweist sich einmal mehr als stabilisierender Faktor – der Beherbergungssektor bleibt am Insolvenzsektor eine weitgehend vernachlässigbare Größe. Auch die Gastronomie dürfte durch die touristische Nachfrage etwas abgefedert werden, wenngleich hohe Lohn- und Energiekosten, gestiegene Wareneinsätze und ein chronischer Fachkräftemangel die Branche österreichweit unter Druck halten. Österreichweit meldeten 180 Gastronomiebetriebe im ersten Quartal Insolvenz an, 512 Dienstnehmer waren unmittelbar betroffen. Eine wachsende Zahl von Betrieben erwirtschaftet trotz stabiler Auslastung keine Gewinne mehr – die nominell leicht gestiegenen Umsätze sind in erster Linie auf höhere Preise zurückzuführen, real sind die Erlöse vielerorts gesunken.
Automotive: Das neue Sorgenkind
Besonders auffällig ist die zunehmende Betroffenheit der Produktionsbetriebe, allen voran der Zulieferindustrie im Automobilbereich. Lange dominierten die Nachwehen der SIGNA-Pleite rund um René Benko das Bild: Im Gesamtjahr 2025 waren noch neun der zehn nach Passiva größten Insolvenzen der Immobilienentwicklung zuzuordnen. Im ersten Quartal 2026 trifft das nur noch auf drei Fälle zu – darunter die Laura Privatstiftung als jüngste Großinsolvenz aus diesem Umfeld.
Dafür finden sich nun gleich drei Automobilzulieferer unter den größten Pleiten: die beiden Wollsdorf-Gesellschaften sowie die EITEK GmbH. Österreichweit arbeiteten im ersten Quartal 1.224 Menschen in insolventen Produktionsbetrieben – mehr als in jeder anderen Branche. Bei Wollsdorf ist trotz laufender Sanierungsverfahren eine weitgehende Produktionsverlagerung ins Ausland zu befürchten. Hohe Lohn- und Energiekosten gelten als zentrale Insolvenzursachen – ein Befund, der weit über die betroffenen Unternehmen hinausweist und die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Österreich grundsätzlich in Frage stellt.