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Wenn der Staat leer ausgeht

Tirol und der Alm-Pfusch-Boom

Wenn der Staat leer ausgeht

Tirol und der Alm-Pfusch-Boom

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Rund 13,2 Milliarden Euro entgingen dem Staat 2025 allein durch Pfusch, Steuerhinterziehung und Sozialbetrug. Tirol gilt dabei mittlerweile als einer der Hotspots der Schattenwirtschaft.

Wenn die Wirtschaft stockt, blüht bekanntlich der Pfusch. In wirtschaftlich angespannten Zeiten greifen Betriebe und Privatpersonen verstärkt auf inoffizielle Kanäle zurück, um Kosten zu drücken oder Einnahmen zu sichern. Laut der aktuellen Abgabenbetrugsstatistik des Ökonomen Friedrich Schneider gehen dem Staat dadurch heuer rund 13,23 Milliarden an Sozialabgaben und Steuern durch die Lappen.

Tiroler Almhütten als Spitzenreiter

Besonders auffällig ist die Situation von Tirols Almhütten. Eine aktuelle Erhebung ergab, dass 2025 knapp jeder fünfte Mitarbeiter nicht ordnungsgemäß angemeldet war. Das Problem ist dabei vielschichtig: Viele Hütten betreiben saisonale Gastronomie mit hoher Personalfluktuation und schwankender Auslastung. Oft werden daher Studierende oder Saisonkräfte ohne Anmeldung beschäftigt, um Lohnnebenkosten einzusparen und kurzfristige Personalengpässe auszugleichen. In der Regel werden sie bar bezahlt, damit Sozialversicherungsbeiträge umgangen werden können. Für die jeweiligen Hüttenbetreiber reduziert dies zwar die Kosten, Betreiber, die jedoch legal arbeiten und alle Abgaben ordentlich zahlen, leiden unter Wettbewerbsverzerrung.

Wer verliert, wer profitiert?

Grundsätzlich gilt in beiden Fällen: der Staat. Zunächst verzeichnet er zwar erhebliche Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben, die in die Budgetplanung und die Sozialsysteme fließen könnten. Die Krankenversicherungen tragen zusätzliche Kosten durch Unfälle und Arbeitsunfähigkeit. Kurzfristige Profiteure sind hingegen sowohl die Betriebe, die Personal- und Lohnkosten drücken, als auch die Arbeitnehmer, die ein Einkommen erhalten, das offiziell gar nicht existiert. Aber: Während der Staat im offiziellen Sinn leer ausgeht, fließen rund 85 Prozent des im Pfusch verdienten Geldes meist direkt wieder in die Wirtschaft zurück (in Form von Konsum) und stabilisieren so Einkommen und Beschäftigung. Für den Staat ergibt sich somit ein paradoxer Effekt.

Tirols Balance zwischen Tourismusboom und Schattenwirtschaft

Für Tirol liegt die Herausforderung 2026 darin, den wirtschaftlichen Vorteil der Schwarzarbeit zu erkennen, ohne die langfristige Integrität von Steuersystem und Beschäftigung zu gefährden. Strategien wie gezielte Kontrolle, niederschwellige digitale Meldesysteme und wirtschaftliche Anreize könnten den Spagat zwischen Wachstum und Rechtssicherheit erleichtern. Damit sollte auch im Sinne des wirtschaftlichen Ethos im Land der Wettbewerbsverzerrung ein Riegel vorgeschoben werden.

29. Dezember 2025 | AutorIn: Isabella Walser-Bürgler | Foto: Shutterstock

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