Seit der zehnten Jubiläumsstaffel 2023 sorgt der Tiroler Christian Jäger in der TV-Show „2 Minuten 2 Millionen“ mit Humor und klaren Ansagen für unterhaltsame und ehrliche Einblicke in seine Sichtweise als Unternehmer und Investor. Im Rahmen der Tiroler Innovationswoche teilt er bei top.tirol genau diese Perspektiven – von Start-up-Pitches bis zur Silver Economy.
Herr Jäger, Sie gelten als Selfmade-Unternehmer – welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute geben?
Den Begriff „Selfmade-Unternehmer“ möchte ich so nicht stehenlassen. Niemand ist wirklich selfmade – man braucht immer ein gutes Team und Menschen, die einen begleiten und unterstützen. Mein Rat an mein jüngeres Ich wäre: Schau dir die Menschen, mit denen du Geschäfte machst, ganz genau an. Und überlege manchmal lieber noch einmal mehr, statt zu spontan zu entscheiden.
Wenn Sie heute noch einmal mit 25 starten würden – welche Branche würden Sie wählen?
Ich würde wahrscheinlich genau wieder das machen, was ich heute mache. Der Bereich Silver Economy – insbesondere Training, Muskelerhalt und Gesundheit im Alter – wird in Zukunft noch viel wichtiger werden. Das sind mitunter die zentralen Themen unserer Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten.
Wenn ein Tiroler Start-up mit nur einer Minute Pitchzeit vor Ihnen steht – was muss in dieser Minute passieren, damit Sie investieren?
In einer Minute kann man noch nicht viel über das Geschäftsmodell erkennen. Was man aber sofort sieht, ist der Mensch, der vor einem steht. Wenn mich jemand in dieser Minute wirklich begeistert, mich mitnimmt und überzeugt, dann ist das schon ein sehr wichtiger erster Schritt.
Welche typischen Fehler sehen Sie bei Start-up-Pitches immer wieder?
Ein häufiger Fehler ist die Erwartungshaltung. Manche GründerInnen wollen möglichst wenig Anteile abgeben, dafür aber sehr viel Geld und zusätzlich noch umfangreiche Unterstützung von den InvestorInnen. Am Ende arbeiten die InvestorInnen ja dann fast mit im Unternehmen. Diese Vorstellung funktioniert in der Praxis meistens nicht.
„Investment bedeutet nicht ‚geschafft‘, sondern: Jetzt beginnt die Chance, etwas Großes zu machen.“
- Christian Jäger, Investor
Welche Frage stellen Sie sich selbst vor jeder großen Investition?
Ich stelle mir vor jeder großen Investition die Frage, welchen Nutzen gibt es, ob die Leistung skalierbar ist und vor allem, wie schnell kann ich gut monetarisieren. Diese Punkte sind entscheidend.
Viele GründerInnen glauben: Wenn sie Investment bekommen, haben sie es geschafft. Ist das der größte Irrtum der Szene?
Ich weiß nicht, ob es der größte Irrtum ist – aber ein häufiger. Wenn ein Investment kommt, geht die Arbeit erst richtig los. Dann muss man liefern, vorsichtig mit dem Geld umgehen und das Unternehmen wirklich aufbauen. Investment bedeutet nicht „geschafft“, sondern: Jetzt beginnt die Chance, etwas Großes zu machen.
Sie vergleichen Start-ups gerne mit einem „Blind Date“. Woran erkennen Sie in den ersten Minuten, ob daraus eine langfristige Beziehung werden kann?
Ich vergleiche Start-ups tatsächlich oft mit einem Blind Date. Zum einen schaut man natürlich auf die Menschen – auf die GründerInnen selbst. Zum anderen aber auch auf die Idee: Hat sie langfristigen Nutzen? Schafft sie echten Mehrwert? Erst wenn beides zusammenpasst, kann daraus eine langfristige „Beziehung“ entstehen.
Sie sind bekannt für klare Worte in „2 Minuten 2 Millionen“. Warum ist Ehrlichkeit im Start-up-Ökosystem so wichtig?
Ich bin jemand, der klare Worte spricht. Aber Ehrlichkeit ist nicht nur im Start-up-Business eine gute Strategie – sie ist grundsätzlich wichtig im Leben. Auch wenn es manchmal unangenehm ist, Dinge direkt anzusprechen: Es wird nicht besser, wenn man die Wahrheit verdrängt. Ehrlichkeit verkürzt viele Wege. Kurzfristig vielleicht unbequem – langfristig aber absolut notwendig.

Was unterscheidet erfolgreiche UnternehmerInnen langfristig von jenen, die scheitern?
Der entscheidende Unterschied ist der Wille zum Durchhalten. Erfolgreiche UnternehmerInnen machen weiter, auch wenn es unbequem wird. Sie lassen sich nicht von NeinsagerInnen aus der Bahn werfen. Wenn man wirklich an eine Idee glaubt, muss man dranbleiben. Diese Willensstärke macht am Ende oft den großen Unterschied.
Wann sagen Sie bewusst Nein, obwohl ein Geschäftsmodell spannend wirkt?
Wenn ich merke, dass die GründerInnen selbst nicht zu hundert Prozent hinter ihrer Idee stehen. Wenn nebenbei noch mehrere andere Jobs laufen oder das Projekt nur halbherzig betrieben wird, dann halte ich Abstand. Unternehmertum braucht volle Überzeugung.
Wie verändert künstliche Intelligenz die Start-up-Welt aus InvestorInnensicht?
Das ist für mich noch schwer zu beurteilen. Ich arbeite selbst noch nicht intensiv mit KI. Sicher kann KI helfen, Entscheidungen schneller und fundierter zu treffen. Wie stark sie die Start-up-Szene langfristig verändern wird, wird sich aber erst zeigen.
„Der entscheidende Unterschied ist der Wille zum Durchhalten. Erfolgreiche UnternehmerInnen machen weiter, auch wenn es unbequem wird.“
- Christian Jäger, Investor
Sie kommen selbst aus Tirol: Welche Stärken hat der Standort für GründerInnen und Innovation?
Tirol hat vor allem geografisch große Stärken. Es ist ein wunderschöner Ort zum Leben und man kann hier sehr viel Kraft schöpfen. Außerdem ist Tirol international sehr beliebt – viele Menschen kommen gerne hierher. Das kann auch für Innovation und Unternehmertum ein Vorteil sein.
Was müsste passieren, damit mehr internationale Start-ups Tirol als Standort wählen?
Die besten Start-ups gehen meist dorthin, wo Kapital verfügbar ist – nicht unbedingt dorthin, wo es am schönsten ist. Entscheidend ist: Wo kann ich Geld einsammeln? Wo sitzen Investoren? Da sind wir in Tirol leider noch etwas entfernt von großen internationalen Hubs. Wenn es gelingt, internationale GeldgeberInnen stärker einzubinden, könnte ein echtes Start-up-Zentrum entstehen.
Wie wichtig sind Netzwerke und Veranstaltungen wie die Tiroler Innovationswoche?
Netzwerke sind in der Wirtschaft generell enorm wichtig – und für Start-ups ganz besonders. Viele junge Unternehmen haben am Anfang noch keine großen Kontakte oder Kundenbeziehungen. Veranstaltungen wie die Tiroler Innovationswoche können hier viel bewegen. Und wenn solche Formate hochkarätig besetzt sind, profitieren die Start-ups am meisten davon.
Welche Technologien oder Branchen werden Ihrer Meinung nach in den nächsten fünf Jahren explodieren?
Sehr viel wird sich rund um Künstliche Intelligenz entwickeln. Ein weiteres großes Thema ist die Energieversorgung. Ich bin zum Beispiel in Emerald Horizon investiert, wo an Miniaturreaktoren gearbeitet wird, die künftig zur Energiesicherheit beitragen könnten. Und natürlich alles rund um den Menschen selbst – also Technologien für Gesundheit, Fitness und Muskelerhalt im Alter. Auch Robotik wird eine enorme Rolle spielen.
Welche Innovationen fehlen Ihnen aktuell noch am Markt?
Innovation ist schwierig zu definieren, wenn es sie noch nicht gibt. Momentan passiert unglaublich viel – der Markt ist extrem dynamisch. Aber eine Idee hätte ich schon: Eine Tablette, die gleichzeitig schlank, schlau und enorm muskulös macht. Das wäre doch etwas.
Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person
Christian Jäger ist Vollblut-Unternehmer und Selfmade-Man. In den letzten 30 Jahren baute er eine Unternehmensgruppe auf, die heute über 20 Firmen umfasst. Die Tätigkeitsfelder reichen von Verlagsservice und Immobilien über Unternehmensbeteiligungen bis hin zum Management von Spitzensportlern und innovativen Technologien.
