Der Auftritt von Mirakelbox bei „2 Minuten 2 Millionen“ ist kein Einzelfall. Immer wieder suchen Tiroler GründerInnen in TV-Formaten den schnellen Weg zu InvestorInnen, Netzwerk und öffentlicher Sichtbarkeit.
Mit ihrem Auftritt bei „2 Minuten 2 Millionen“ (2M2M) am Dienstagabend haben Hannes Mair und Michael Walter von der Tiroler Mirakelbox ihre mobile Escape-Room-Idee auf die große TV-Bühne gebracht. Das Unternehmen entwickelt seit mehreren Jahren vollautomatische und mobile Escape-Room-Boxen, die ohne laufende Betreuung funktionieren und etwa in Einkaufszentren, Hotels, Museen oder Flughäfen eingesetzt werden können. „Nachdem wir im vergangenen Jahr die Entwicklung unserer Box abgeschlossen haben und nun ein fertiges Produkt anbieten können, wollten wir den nächsten Schritt machen“, erklären die Gründer.
Der Pitch selbst begann eher ungewöhnlich. Bevor Mair und Walter überhaupt mit ihrer Präsentation beginnen konnten, mussten die InvestorInnen zunächst ein Rätsel lösen, um den Pitch „freizuschalten“. Die InvestorInnen Katharina Schneider und Matthias Muther öffneten schließlich gemeinsam eine kleine Schatzkiste – ein Einstieg, der das Produktprinzip recht gut auf den Punkt brachte. Denn auch die Mirakelboxen selbst funktionieren so: ohne Betreuung, mit Rätseln, die sich die SpielerInnen eigenständig erschließen müssen. Danach folgte der eigentliche Pitch.

Die Investoren Christian Jäger und Erich Falkensteiner konnten von Hannes Mair und Michael Walter (v.l.n.r.) überzeugt werden und investierten in das Start-up der beiden.
Investment nach wenigen Minuten
Gesucht hatten die Gründer ursprünglich 90.000 Euro für zwölf Prozent der Firmenanteile. Der Investor Matthias Muther stieg aus, weil das Thema nicht in seinen Fokus passe. Katharina Schneider und Eveline Steinberger boten zumindest Unterstützung über ihr Netzwerk an und vermittelten erste Kontakte, darunter auch einen in die Schweiz. Spannender wurde es bei den Investmentangeboten selbst: Alexander Schütz bot 200.000 Euro für 25,1 Prozent und erhöhte damit sogar die aufgerufene Firmenbewertung. Schlussendlich meldeten sich aber auch Christian Jäger und Erich Falkensteiner und erklärten sich bereit, das ursprüngliche Angebot zu akzeptieren. Nach kurzer Beratung mit Mitarbeiter Christoph sowie Martin, einem Unterstützer aus dem Umfeld entschieden sich Mair und Walter, genau dieses Angebot anzunehmen.
„Für uns war der Auftritt vor allem deshalb so intensiv, weil es tatsächlich nur diesen einen Versuch gab“, berichteten die beiden Gründer. Die Redaktion habe von Anfang an klargemacht, dass die Show wie ein echter Pitch funktioniere: keine zweite Runde, keine Korrekturschleife. Umso wichtiger war für Mirakelbox offenbar, dass nicht nur Kapital herausschaute, sondern auch Bestätigung für die Idee.
Genau darin liegt der Reiz solcher Formate: Sie machen junge Unternehmen schlagartig sichtbar und verdichten Monate oder Jahre an Aufbauarbeit auf wenige Minuten. Dass Tiroler GründerInnen diesen Weg immer wieder wählen, zeigt auch ein Blick auf andere Beispiele aus dem Land. Wir haben uns angesehen, welche JungunternehmerInnen hierzulande den Schritt gewagt haben – und sie gefragt, wie es für sie danach eigentlich weiterging.
1. Back Dani
Erst vor einer Woche sorgte ein weiteres heimisches Start-up für Aufmerksamkeit – diesmal im deutschen Pendant „Die Höhle der Löwen“ (DHDL). Im Gepäck: ein auf den ersten Blick unscheinbarer Gymnastikstab. Daniel Kappacher aus Völs präsentierte seine Erfindung vor den vier LöwInnen als einfaches, aber effektives Mittel gegen Rückenschmerzen. Sein Angebot: 80.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.
Am Ende sicherte er sich einen Deal mit Ralf Dümmel – allerdings zu deutlich höheren Anteilen als ursprünglich geplant. Dennoch dürfte der Investor gut zum Produkt passen. Als erfahrener Handelsprofi bringt er die nötige Expertise mit, um die Innovation in Regale und Online-Shops zu bringen.
2. Bergblut
2023 traten die Gründer Josef „Seppi“ Jenewein und David Schmidt vor die Kameras von 2M2M und stellten ihre Idee von Bio-Saftkuren und funktionalen Getränken vor.
Auch wenn das Start-up am Ende ohne Investment nach Hause ging, erwies sich der TV-Auftritt dennoch als wichtiger Meilenstein für das junge Unternehmen. „Die enorme Reichweite hat unserem D2C-Geschäft einen gewaltigen Boost verliehen und unsere Bekanntheit in Österreich schlagartig gesteigert“, sagt Schmidt. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten: Seit der Ausstrahlung hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt. Gleichzeitig gelang den Gründern der endgültige Schritt aus der sprichwörtlichen Garagenphase.

3. 21 Energy
Ein Jahr ist es her, dass 21 Energy seine Kombination aus Heizung und Bitcoin-Mining vor den InvestorInnen von 2M2M pitchte. Das Ergebnis: Neo-Investor Matthias Muther sagte einen Deal in Höhe von 1,25 Millionen Euro zu – ergänzt um eine Umsatzbeteiligung von drei Prozent bis zu einem Gesamtbetrag von 500.000 Euro.
„Hinter die Kulissen einer TV-Show zu blicken, war für uns eine extrem spannende Reise. Plötzlich steht man im Rampenlicht, wird im Nachgang auf der Straße erkannt, und das E-Mail-Postfach explodiert förmlich vor Feedback, Bestellungen und Kooperationsanfragen“, schildert Benjamin Kehrer, CMO von 21 Energy. Allein während der Ausstrahlung konnte das junge Unternehmen rund 10.000 Website-BesucherInnen verzeichnen.
Was viele allerdings nicht wissen: „Nach dem Handschlag im Studio beginnt erst die eigentliche Arbeit“, betont der Marketingchef. Derzeit befindet sich das Unternehmen noch in der Due-Diligence-Phase, also einer detaillierten Prüfung und Abstimmung mit den InvestorInnen. „Das braucht Zeit und Gründlichkeit, aber wir blicken sehr positiv auf einen erfolgreichen Abschluss noch in diesem Jahr.“

4. Bobsla
Der Auftritt von Sergey Ignatyev und Werner Kirchner-Höffer bei DHDL blieb vielen ZuseherInnen wohl besonders in Erinnerung. Beim Weihnachtsspecial 2025 stellten sie ihr elektrisches Schneekart vor. Tech-Investor Frank Thelen wollte das Gefährt gleich selbst testen, verlor auf dem glatten Studioboden jedoch die Kontrolle und krachte direkt in ein Metalltor. Zum Glück blieben sowohl Löwe als auch Fahrzeug unversehrt. Die angepeilten 500.000 Euro für 25 Prozent Firmenanteile konnten sich die Gründer aber dennoch nicht sichern.
Grund zur Verzweiflung gab es aber für die Tiroler ganz und gar nicht. „Die Ausstrahlung hat uns eine enorme Sichtbarkeit gebracht – sowohl bei potenziellen KundInnen als auch bei Partnern. Viele Menschen haben dadurch zum ersten Mal von Bobsla gehört“, sagt Co-Founder Ignatyev. So hätten sich nach der Sendung zahlreiche neue Gespräche mit Resorts, Partnern und auch potenziellen InvestorInnen ergeben.

5. Bae Treat
„Nicht noch ein Haferriegel“, dürften sich die InvestorInnen gedacht haben, als Lorena Unterrader und Laura Schmidel ins Scheinwerferlicht von DHDL traten. Die beiden Kitzbühelerinnen präsentierten unter dem Namen „bae treat“ jedoch rasch ihren entscheidenden Unterschied: einen darmfreundlichen Riegel mit rund 40 Prozent weniger Zucker als herkömmliche Produkte, angereichert mit präbiotischen Ballaststoffen.
Die LöwInnen zeigten sich begeistert, und so kam ein Deal mit Investor Tillman Schulz zustande. Im Nachhinein wurde dieser jedoch nicht finalisiert. Für die Gründerinnen erwies sich der Auftritt dennoch als Sprungbrett. „Die Sendung hat uns geholfen, nach Deutschland zu expandieren und dort eine starke Markenbekanntheit aufzubauen“, sagt Schmidel.
6. GW Tirol
Die GW Tirol präsentierte Anfang 2024 bei 2M2M die smarte Getreidemühle „Millenia“ mit Touchscreen und integrierter Wiegefunktion. Für das Produkt und die dahinterstehende Unternehmensphilosophie – die GW Tirol schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung – erhielt der Betrieb eine Finanzspritze in Höhe von 100.000 Euro.
