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Tirols Windkraftpotenzial steigt

Tirols Windkraftpotenzial steigt

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Aktuelle Erhebungen zeigen, dass das Windkraftpotenzial Tirols bis zu 4,9 Prozent des landesweiten Energiebedarfs decken könnte. Eine Aktualisierung der Studie „Windenergiepotenzial in Tirol“ aus dem Jahr 2014 sowie geplante Förderungen für Windmessungen sollen dabei helfen, die Umsetzung anzukurbeln.

Das technisch und wirtschaftlich realisierbare Windkraftpotenzial in Tirol ist aufgrund des technologischen Fortschritts, der geänderten Förderkulisse und auch der großen Nachfrage nach erneuerbaren Energieträgern zuletzt deutlich gestiegen und liegt nunmehr bei 800 bis 1.200 Gigawattstunden. Theoretisch wären 140 bis 160 Windräder notwendig, um diese Energiemenge zu erzeugen. In der Praxis bemüht sich die Tiroler Landesregierung, um die ersten Windkraftanlagen in Tirol auf den Weg zu bringen. Grundlage dafür ist die vom Land Tirol in Auftrag gegebene Aktualisierung der Studie „Windenergiepotenzial in Tirol“ aus dem Jahr 2014.

„Wir wollen unabhängig von Öl und Gas werden und unseren Energiebedarf bis 2050 aus allen verfügbaren erneuerbaren Ressourcen decken. Wasserkraft und Photovoltaik sind das Rückgrat der Tiroler Energiewende. Windkraft alleine wird uns nicht retten, ohne Windkraft wird es aber auch nicht gehen. Es braucht einen Energiemix, mit dem ganzen Potential von erneuerbaren Energien in Tirol“, erklärt LH Anton Mattle. Ging man vor zehn Jahren noch von einem technisch-wirtschaftlichen Windkraftpotenzial in Tirol von 250 bis 350 Gigawattstunden (entspricht etwas über einem Prozent des derzeitigen Energiebedarfs) aus, wird es heute deutlich höher eingeschätzt. Bei einer vollständigen Nutzung des ermittelten Potenzials von 800 bis 1.200 Gigawattstunden könnte ein Anteil von 3,3 bis 4,9 Prozent des aktuellen Energiebedarfs in Tirol gedeckt werden. „Tirol ist bereit für Windkraft und wird zu seinem ersten Windrad kommen. Als deutliches Zeichen, dass wir Windkraft unterstützen, planen wir als Anreiz eine Prämie für das erste Windrad in Tirol. Damit verbunden ist ein politisches Bekenntnis für die Unterstützung und die Botschaft, dass wir es mit der Windkraft ernst meinen“, ist der Landeshauptmann überzeugt. Die Fachabteilungen des Landes werden in Zusammenarbeit mit der Energieagentur beauftragt, eine Prämie in der Höhe von bis zu 100.000 Euro für das erste Windrad in Tirol auszuarbeiten.

In den Tallagen Tirols gibt es laut Studie kein technisch-wirtschaftliches Windenergiepotenzial. Das liegt zum einen an den Windverhältnissen und zum anderen daran, dass Windkraftanlagen einen Mindestabstand zu Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen haben müssen. Die vorhandenen Windpotenziale in Tirol konzentrieren sich auf Lagen zwischen 1.000 und 2.300 Metern Seehöhe. Hier kommen insbesondere Bergkämme, nicht aber in Landschaftsschutzgebieten, infrage.

Förderung von Windmessungen

Die doch recht große Bandbreite des in der Studie angegebenen Windkraftpotenzials von 800 bis 1.200 Gigawattstunden liegt an den unterschiedlichen Winddaten. Hier will das Land Tirol mit einer gezielten Unterstützung der ProjektwerberInnen ansetzen: „Wer ein Windrad bauen will, braucht exakte Winddaten. Die dafür notwendigen Windmessungen werden wir ab dem kommenden Jahr fördern“, kündigt Energiereferent LHStv Josef Geisler an. Mindestens fünf Meter pro Sekunde oder 18 km/h – diese mittlere Windgeschwindigkeit in 100 Metern über dem Boden braucht es, um ein Windrad der neuesten Technologie wirtschaftlich zu betreiben – vorausgesetzt die Rahmenbedingungen wie Erschließung, Hangneigung oder Energieableitung passen.

Als „Joker“ beim Ausbau der Windkraft in Tirol könnten sich die Skigebiete erweisen. Dort liegen laut Studie bis zu 15 Prozent des Windkraftpotenzials. Zwar gibt es auch hier Einschränkungen, wie etwa durch die Gefahr des Eiswurfs und dadurch notwendiger Abstände zu Pisten und Wegen. Rund 20 Windkraftanlagen könnten aber in Tiroler Skigebieten, die in der Regel über einen entsprechenden Netzanschluss und eine verkehrstechnische Erschließung verfügen, entstehen. Wie sich bei der geplanten Windkraftanlage in der Zillertal Arena in Gerlos zeigt, liegt die Tücke im Detail: Die Kurvenradien der B 165 Gerlosstraße sind für den Transport der Anlagenteile zu eng.

Anlaufstelle für Projektplanungen eingerichtet

Wer in Tirol ein Windrad zur Erzeugung von grünem Strom errichten will, hat für rechtliche Vorabklärungen einen zentralen Ansprechpartner. Das Land Tirol hateine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, die ProjektwerberInnen über rechtliche Rahmenbedingungen, Behördenverfahren und Anforderungen an Projektunterlagen informiert und berät und während des Bewilligungsverfahrens begleitet. Auch eine Checkliste für Windkraft steht zur Verfügung. „Wir wollen, dass sich die Windräder, nicht die Projektwerber im Kreis drehen“, so LHStv Geisler. Aktuell gibt es konkrete Überlegungen zur Errichtung von Windrädern im alpinen Gelände im Tiroler Unterland, in Tiroler Oberland und in Osttirol. Teilweise finden bereits Windmessungen statt. Größere Windkraftprojekte wurden in Tirol bislang keine zur Bewilligung eingereicht.

04. Juli 2023 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: Shutterstock

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