Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Peak Stay.
Peak Stay wurde 2023 von Philipp Fellner und Mathias Stocker gegründet. Das Tiroler Start-up betreibt und entwickelt Ferienunterkünfte, die stark auf digitale Abläufe setzen: von der Buchung über den Check-in per Smartphone bis zur Organisation vor Ort. Gleichzeitig soll der persönliche Kontakt nicht verschwinden. Dafür setzt Peak Stay auf lokale Ansprechpersonen und Kooperationen mit regionalen Betrieben.
Fellner, der am Management Center Innsbruck studiert hat, kam über den Tourismus und digitale Geschäftsmodelle zum Thema Beherbergung. Ursprünglich wollte er klassischer Hotelier werden. Ein Gespräch mit seinem damaligen Professor und Mentor Christoph Engl habe ihm jedoch auch die Sicht eines Immobilieninvestors nähergebracht. Damit rückte die wirtschaftliche Seite von Tourismusimmobilien stärker in den Fokus. Noch während des Studiums begannen die ersten Vermietungen.

Peak-Stay-Geschäftsführer Philipp Fellner sieht in der Automatisierung eine Möglichkeit, touristische Betriebe organisatorisch zu entlasten.
Warum braucht der Tourismus neue Betriebsmodelle?
Der Tourismus braucht neue Betriebsmodelle, weil viele Betriebe gleichzeitig mit mehreren Veränderungen umgehen müssen. In Familienunternehmen steht vielerorts ein Generationenwechsel an, wirtschaftlicher Druck nimmt zu, Personal ist schwerer zu finden und der Betrieb von Unterkünften wird komplexer.
Peak Stay setzt genau bei diesen Punkten an. Fellner beschreibt die Ausgangslage so: Der Tourismus stehe an einem Wendepunkt. Gäste würden zunehmend digitale Abläufe erwarten, während BetreiberInnen nach Modellen suchen, die wirtschaftlich tragfähig bleiben. „Wenn Tourismus große Leiden schafft, ist es keine Leidenschaft mehr. Unser Ziel ist ein Modell, das sich für alle richtig anfühlt – wirtschaftlich und menschlich“, sagt Fellner.
Die Herausforderung liegt dabei nicht nur in der Technik. Viele kleinere und mittlere Beherbergungsbetriebe müssen heute Buchungsplattformen, Gästekommunikation, Reinigung, Wartung, Preissteuerung und Anreiseprozesse koordinieren. Was früher stärker über persönliche Routinen funktionierte, wird zunehmend daten- und prozessgetrieben. Für EigentümerInnen kann das zur Belastung werden, vor allem wenn Personal fehlt oder der Betrieb neben anderen Aufgaben geführt wird.
Fellner sieht darin auch eine Frage der Haltung. „Der Tiroler Tourismus braucht kein bisschen Optimierung – er braucht ein neues Denken.“ Gemeint ist damit nicht die Abkehr von regionaler Gastlichkeit, sondern eine andere Organisation im Hintergrund.

Philipp Fellner stellt das Betriebsmodell von Peak Stay vor, das digitale Prozesse und lokale Ansprechpersonen verbinden soll.
Wie verbindet Peak Stay digitale Abläufe mit persönlichem Kontakt?
Peak Stay verbindet digitale Abläufe mit persönlichem Kontakt, indem Standardprozesse automatisiert und Ansprechpersonen vor Ort eingebunden werden. Gäste checken autonom per Smartphone ein und öffnen ihre Unterkunft über digitale Türschlösser. Die Kommunikation vor, während und nach dem Aufenthalt ist weitgehend digital organisiert.
Das Unternehmen beschreibt diesen Ansatz als „digital first – not only“. Die digitale Abwicklung steht also am Anfang, soll aber nicht das gesamte Gästeerlebnis ersetzen. Für die persönliche Ebene setzt Peak Stay auf sogenannte lokale Ansprechpersonen. Sie sollen für Gäste erreichbar sein, Fragen beantworten und den Bezug zur Region herstellen. In der Gastronomie arbeitet das Start-up mit regionalen Partnern zusammen, statt an jedem Standort eigene Strukturen aufzubauen.
Damit positioniert sich Peak Stay zwischen klassischer Ferienwohnungsvermietung und Hotellerie. Es geht nicht um einzelne privat vermietete Objekte, sondern um ein stärker standardisiertes Netzwerk von Standorten und Ferienwohnungen. „Wir bauen keine einzelnen Locations. Wir bauen ein systematisches Netzwerk aus Locations und Units, das wächst, ohne seine Qualität zu verlieren“, sagt Fellner.
Seit der Gründung hat Peak Stay mehrere Entwicklungsschritte gesetzt. 2024 wurden nach Angaben des Unternehmens vier Standorte eröffnet und eine technische Systemlandschaft aufgebaut, über die Buchung, Zugang, Kommunikation und Betrieb gesteuert werden. 2025 folgte die Übernahme der Puitalm by Peak Stay. Im selben Jahr erreichte das Unternehmen den zehnten Standort und mehr als 150 Ferienwohnungen im Betrieb.
Für Gäste soll das Modell vor allem die Anreise und Nutzung vereinfachen. Für EigentümerInnen liegt der Nutzen in der professionellen Bewirtschaftung ihrer Objekte. Für die Region kann entscheidend sein, wie gut sich solche digital geführten Unterkünfte in bestehende touristische Strukturen einfügen.
Was plant Peak Stay als Nächstes?
Als Nächstes plant Peak Stay, das Standortnetz in Tirol weiter auszubauen. Ziel ist es, in jeder relevanten Tourismusregion des Landes mindestens einen Standort zu etablieren. Pro Jahr sollen zwei bis vier neue Standorte dazukommen.
Fellner spricht dabei bewusst nicht von einzelnen Zufallsprodukten. Das Unternehmen will ein strukturiertes Netzwerk aus Standorten und Ferienwohnungen aufbauen, das wachsen kann, ohne die Abläufe jedes Mal neu erfinden zu müssen. Entscheidend wird sein, ob diese Standardisierung auch dann funktioniert, wenn die Standorte unterschiedliche Zielgruppen, Preislagen und regionale Gegebenheiten haben.
Neben dem Wachstum sieht Fellner auch eine Rolle in der Vermittlung von Wissen. Als Referent beim Vermieterverband Tirol spricht er darüber, wie Vermietung automatisiert werden kann. Ihm gehe es darum, Berührungsängste abzubauen: Digitalisierung solle das Persönliche nicht ersetzen, sondern dort entlasten, wo wiederkehrende Aufgaben viel Zeit binden.
Der Anspruch ist ambitioniert. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark sich ein solches Modell in einem Markt durchsetzt, der von Familienbetrieben, persönlichen Beziehungen und regional gewachsenen Strukturen geprägt ist. Peak Stay will zeigen, dass digitale Prozesse und alpine Gastlichkeit kein Widerspruch sein müssen. Ob das gelingt, wird sich vor allem daran messen lassen, wie Gäste, EigentümerInnen und Partnerbetriebe das Modell im Alltag erleben.

Das Team rund um Philipp Fellner und Mathias Stocker organisiert Betrieb, Gästekommunikation und Standortentwicklung.