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Chinesische Autos in Tirol

Traditionelle Marken haben Gewicht

Chinesische Autos in Tirol

Traditionelle Marken haben Gewicht

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Wer hat traditionell bei der Entwicklung und Produktion von E-Autos die Nase vorn? Die chinesischen Newcomer oder traditionelle Pkw-Hersteller?

Dieter Unterberger: In der Vergangenheit war die große Kernkompetenz der etablierten, vor allem auch der europäischen Marken der sogenannte „Powertrain“, also der Antriebsstrang bestehend aus Verbrennungsmotor und Getriebe. In China, wo das Thema „Automobilität“ wesentlich jünger ist, wurde von Anfang an auf E-Mobilität gesetzt, auch weil China nicht genug Erdöl besitzt. Beim zunehmend wichtigen Thema E-Mobilität hatte China deshalb zunächst einen Wettbewerbsvorteil, vor allem auch beim Thema Batterien.

Wie ist der Status quo?

Durch die inzwischen etwas abgeschwächte Entscheidung der EU, ab 2035 keine neuen Verbrennerfahrzeuge mehr zulassen zu wollen, war der über viele Jahrzehnte perfektionierte „Powertrain“ plötzlich keine zukunftssichere Technologie mehr. Die traditionellen Pkw-Hersteller sahen sich unter Entwicklungs- und Zugzwang. Das hat schließlich dazu geführt, dass der Wettbewerbsnachteil gegenüber den chinesischen Herstellern in den letzten fünf Jahren deutlich geschrumpft ist, natürlich mit einem enormen Kräfteaufwand vonseiten der Hersteller.

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„Ob sich ein dauerhafter Verkaufs-Erfolg einstellen wird, wissen wir in fünf Jahren.“

Dieter Unterberger

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Womit punkten traditionelle Pkw-Hersteller?

Ein wesentlicher Vorteil vor allem auch der europäischen Marken ist hierzulande, neben einem bewährten, weitreichenden Händlernetz, auch etwas, was als „Markenversprechen“ beziehungsweise „Markenidentität“ zunächst etwas sperrig klingen mag. Damit ist aber etwas Wesentliches gemeint, nämlich das Wissen der Käufer­Innen, was man mit dem Kauf eines Fahrzeugs an inneren und äußeren Werten erwirbt. Als Beispiel: Volvo wird aus Erfahrung als „sicher“ wahrgenommen, nach außen hin signalisiert man mit einem Volvo meist eine entspannte Grundhaltung zum Thema „Automobil“. Ein BMW wird im Vergleich dazu über das Attribut „dynamisch“ definiert, was dazu führt, dass sich Autos dieser Marke – ungeachtet eines Modellwechsels –  immer wieder auch entsprechend fahren lassen. Dadurch stellt sich der BMW-Besitzer über den Umweg des gefahrenen Pkw auch anders dar als das die Besitzerin eines schwedischen Autos macht.

Wo liegt hier der Unterschied zu chinesischen Marken?

Chinesische Pkw sind hierzulande noch ein unbeschriebenes Blatt, es gibt keine Langzeiterfahrungen damit und auch keine etablierte Vorstellung, welche Marke für welche Qualität bzw. welches Image steht. Chinesische Produzenten müssen den Markenkern in Europa erst mühsam aufbauen. Das bringt derzeit noch Unsicherheit.

Wo liegen die chinesischen Marken vorn?

Zum Beispiel beim Thema Preis, was natürlich mit bedeutend niedrigeren Lohnkosten und einfacheren Produktionsbedingungen zusammenhängt. Zudem machen chinesischen Hersteller beim Aufbau eines Händlernetzes derzeit bemerkenswerte Fortschritte, das umso leichter, da ihr Markteintritt medial sehr viel Widerhall findet und so ein Wahrnehmungs-Momentum entsteht, das chinesische Marken für heimische Autohändler durchaus attraktiv macht. Ob sich dadurch ein dauerhafter Verkaufserfolg einstellen wird, wissen wir in fünf Jahren. 

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„Chinesische Produzenten müssen den Markenkern hierzulande erst mühsam aufbauen.“

Dieter Unteberger

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Zusammengefasst: Sind chinesische Marken für den heimischen Autohandel eher Schaden oder Chance?

Für den Tiroler Fahrzeughandel, die Tiroler Konsumentinnen und Konsumenten ist der Eintritt neuer Player auf jeden Fall positiv. Auf der einen Seite belebt Konkurrenz das Geschäft, auf der anderen Seite kann mehr Auswahl beim Autokauf kein Nachteil sein. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sieht das natürlich diametral anders aus: Eine weitere Schwächung der europäischen Automobilindustrie hätte katastrophale Auswirkungen auf den Industriestandort Europa, zumal die Automobilindustrie einer der wenigen verbleibenden exportstarken Industriezweige Europas ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

29. März 2026 | AutorIn: Klaus Erler | Foto: Franz Oss

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