Während Österreichs gewerblicher Wohnbau 2025 auf einen historischen Tiefpunkt zusteuerte, zeigt sich Tirols gemeinnütziger Wohnbau weiterhin stabil.
Landesweit wurden im vergangenen Jahr weniger als 30.000 neue Wohneinheiten errichtet – ein massiver Rückgang, der erstmals auch den gemeinnützigen Sektor betraf. In Tirol hingegen wurden 1.170 neue Wohnungen fertiggestellt – ein Wert über dem langjährigen Durchschnitt und ein deutliches Signal für eine funktionierende Wohnbaupolitik.
Edgar Gmeiner, neuer Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen Tirols (GBV), sieht in der verlässlichen Tiroler Wohnbauförderung einen zentralen Erfolgsfaktor. „In Tirol wurde nie bei der Förderung leistbaren Wohnraums gespart. Auch in den kommenden zwei Jahren stehen jährlich 360 Millionen Euro als Fundament bereit“, so Gmeiner.
Jede zweite Neubauwohnung in Tirol stammt von Gemeinnützigen
Mit dem Rückgang im gewerblichen Sektor sind die Gemeinnützigen mittlerweile Hauptakteure im Tiroler Wohnbau: Jede zweite Neubauwohnung wird heute von ihnen errichtet. „Im Geschosswohnbau sind wir derzeit die Einzigen, die konstant liefern“, betont Gmeiner. Ziel sei es, den Marktanteil weiter auszubauen, um langfristig auch die Mietpreisentwicklung positiv zu beeinflussen.
Tatsächlich zeigt eine aktuelle WIFO-Studie zur preisdämpfenden Wirkung des gemeinnützigen Wohnbaus, dass Tirol österreichweit führend ist: Hier liegen die Mieten bei gemeinnützigen Projekten im Schnitt 33 % unter jenen des privaten Sektors – deutlich mehr als im restlichen Bundesgebiet, wo der Unterschied bei 25 % liegt.
Sanierung und Klimafit-Maßnahmen gewinnen an Bedeutung
Neben dem Neubau gewinnt auch die Sanierung bestehender Gebäude an Relevanz. Alexander Zlotek, stellvertretender GBV-Obmann, verweist auf die Notwendigkeit umfassender Modernisierungen – von wohnstandortgerechter Ausstattung bis hin zu klimafreundlicher Heiztechnik: „Ziel ist es, Investitionen sozial verträglich umzusetzen und Mieter:innen nicht über Gebühr zu belasten.“
Mietkauf: Eigentum als leistbare Alternative
Auch der Mietkauf als Weg in die Eigentümerschaft spielt im Tiroler Modell eine immer größere Rolle. 2025 wurden 610 Wohnungen ins Eigentum übertragen – mehr als die Hälfte aller fertiggestellten Einheiten. Damit bedienen die Gemeinnützigen nicht nur den Mietmarkt, sondern schaffen auch langfristige Eigentumsperspektiven. Mit aktuell rund 72.000 verwalteten Wohnungen und einem jährlichen Bauvolumen von 410 Millionen Euro bleiben sie ein zentraler Pfeiler im Tiroler Wohnbau – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
1.230 neue Wohnungen geplant – Fokus auf ländlichen Raum gefordert
Für 2026 plant die Branche eine weitere Steigerung auf 1.230 neue Wohneinheiten – Wohnraum für rund 3.000 Tirolerinnen und Tiroler. Dennoch sehen Gmeiner und Zlotek Anpassungsbedarf bei der Wohnbauförderung, insbesondere zur Stärkung kleiner Bauvorhaben im ländlichen Raum. „Derzeit gelten für alle Projekte die gleichen Fördersätze – eine gezielte Anhebung bei kleinen Anlagen würde den Wohnbau abseits der Ballungszentren stärken und Druck aus den Städten nehmen.“
Eigentum fördern: Verlängerung der Gebührenbefreiung gefordert
Ein weiteres Anliegen betrifft den Eigentumserwerb. Aktuell gilt eine Befreiung von der Eintragungsgebühr bis 500.000 Euro – allerdings nur noch bis Ende Juni 2026. Gmeiner und Zlotek fordern eine unbefristete Verlängerung, um leistbares Eigentum weiterhin zu ermöglichen und junge Haushalte nicht zusätzlich zu belasten.