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100 Tage WB-Direktor

„Turbulenzen gehören zum Job“

100 Tage WB-Direktor

„Turbulenzen gehören zum Job“

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Politik, Wirtschaft und Turbulenzen – dort ist Patrick Taxacher beheimatet und in seinem Element. Der frischgebackene Direktor des Tiroler Wirtschaftsbundes blickt nicht nur auf seine ersten hundert Tage im Amt zurück, sondern erklärt auch, was die Wirtschaft jetzt braucht, und sendet eine Botschaft an alle JungunternehmerInnen.

Das Interview führte: Haris Kovacevic

Fotos: Gerhard Berger

 

top.tirol: Herr Taxacher, was war die erste politische Turbulenz, in die Sie hineingeraten sind?

Patrick Taxacher: Meine Karriere begann ja als Bezirksgeschäftsführer 2015. Bezirksobmann war damals Franz Hörl. Ich durfte ihn durch die Kampfabstimmung gegen Jürgen Bodenseer begleiten. Daran werden sich noch einige erinnern. Wer Franz Hörl kennt, wird sich vorstellen können, dass es eine sehr unterhaltsame, aber eben auch sehr fordernde Zeit gewesen ist (lacht). Franz konnte die Wahl jedenfalls als Underdog für sich entscheiden und ich wurde zum Teil der Landesgeschäftsführung – damals als Jüngster in ganz Österreich. Zur Direktorin wurde Daniela Kampfl gekürt, die ich Anfang dieses Jahres bekannterweise beerben durfte.

Wie fühlt es sich an jetzt nach den ersten knapp hundert Tagen? Ist der neue Stuhl weicher als der alte?

Dadurch, dass ich jetzt schon seit zehn Jahren als Stellvertreter tätig war, hat sich die Veränderung in Maßen gehalten. Daniela und ich haben uns die Aufgaben davor gut aufgeteilt. Jetzt stemme ich die Aufgaben alleine. Das heißt, dass die Terminintensität höher geworden ist. Das ist fordernd, weil mein Tag auch nur 24 Stunden hat, aber es macht mir noch immer genauso viel Freude wie am ersten Tag.

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„Es ist fordernd, weil mein Tag auch nur 24 Stunden hat, aber es macht mir noch immer genauso viel Freude wie am ersten Tag.“ Patrick Taxacher

Wie hat es Sie denn überhaupt in die Wirtschaft beziehungsweise in die Interessenvertretung gezogen?

Also ganz konkret war es einfach ein Stelleninserat. Der Wirtschaftsbund hat Stellenanzeigen in diversen Printprodukten geschaltet. Das war damals nichts Alltägliches in unserer Branche. Von der Jobmöglichkeit als Geschäftsführer der Bezirksgruppe Schwaz habe ich also aus der „Heimatstimme“, einem sehr regionalen Blatt im Zillertal, erfahren.

                Politisches Interesse und Organisationstalent waren gefragt. Als ich später Franz Hörl begleiten durfte, ist mir klar geworden, warum Letzteres so sehr betont wurde (lacht). Spaß beiseite, es hat mir relativ gut gepasst, nach meinem vorherigen Job bei der Bank, wo ich mich wie in ein Korsett gezwängt fühlte, etwas mehr improvisieren zu dürfen. Es hat mich dann sehr gereizt, weiterzumachen. Weil man sehr viel sehen und erleben darf.

Vor allem mit Franz Hörl …

Ja, natürlich polarisiert Franz Hörl sehr stark. Sein Fachwissen und seine Expertise haben mich aber immer sehr beeindruckt. Ich kenne ihn und weiß, dass er ein herzensguter Mensch ist. Das wissen auch alle UnternehmerInnen, die Franz einmal um seine Hilfe gebeten haben. Es war eine sehr lehrreiche Zeit.

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„Um ehrlich zu sein, reizen mich kurzfristig gesetzte Herausforderungen sogar.“ Patrick Taxacher

Turbulenzen sind Ihnen also in die Karrierewiege gelegt worden. Kehren wir damit ins Heute zurück. Wie haben Sie die letzten Monate und den Trubel um die Wirtschaftskammer erlebt?

Turbulenzen gehören zum Job. Um ehrlich zu sein, reizen mich kurzfristig gesetzte Herausforderungen sogar. Nun, was ist da in den letzten Monaten passiert: Es gab schon länger die Forderung vonseiten der Grünen Wirtschaft, die Funktionärsentschädigungen österreichweit zu vereinheitlichen und transparenter zu machen. Präsident Mahrer versprach, die Thematik nach der WK-Wahl anzugehen. Die Wahl wurde geschlagen, die Gremien konstituiert und im Sommer wurde die Thematik wie versprochen angegangen. Der Zeitpunkt war dann angesichts der bescheidenen wirtschaftlichen Lage alles andere als günstig – das war der eigentliche Fehler. Wir waren zu sehr in unserer eigenen Blase und haben unterschätzt, wie das nach außen wirkt. Dann kamen noch die Gehaltsverhandlungen auf Mitarbeiterebene in der WKÖ hinzu. Das löste einen Dominoeffekt aus.

                Wenn man es positiv sehen möchte: Es kamen viele Kritikpunkte auf den Tisch, die sich davor bereits angedeutet hatten. Was ich für mich herausgehört habe: Die Wirtschaftskammer ist für viele UnternehmerInnen einfach zu wenig greifbar geworden. Viele haben den Überblick über das vielfältige Leistungs- und Serviceangebot verloren. Besucht ein Arbeitnehmer einen Wifi-Kurs, nimmt er damit einen WK-Service in Anspruch. Viele wissen gar nicht, dass das eine zum anderen gehört. Wenn man keinerlei Kontakt zu der Interessenvertretung hatte, macht es einen wütend, weil man das Gefühl hat, dass mit dem Geld leichtsinnig umgegangen werde. Auch das verstehe ich natürlich.

                Dann kommt auch noch der Aspekt dazu, dass es ein Solidaritätssystem ist. Das heißt, kleine Firmen bezahlen weniger, große mehr. Große Betriebe, die viel bezahlen, aber Services nicht in Anspruch nehmen, standen dann natürlich auch auf der Matte. Ich finde, es ist eine wichtige Diskussion, der wir uns im Reformprozess stellen. Als gesetzliche Interessenvertretung muss man sich einfach immer selbstkritisch hinterfragen.

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„Auch unsere Strukturen sind zum Teil gewachsen, und ich finde, man darf sich da durchaus einmal selbstkritisch hinterfragen.“ Patrick Taxacher

Welche Kritik haben Sie sich persönlich zu Herzen genommen?

Persönlich habe ich natürlich für viele Emotionen Verständnis gehabt. Wir müssen unsere Strukturen laufend daran messen, wie sich unsere Mitgliedsbetriebe entwickeln. Was hat sich dadurch eventuell erübrigt und wo müssen wir stärker werden?

                Wir haben das alles als Gelegenheit genutzt, diesen Veränderungsprozess noch breiter aufzustellen. Bis Juni werden österreichweit Ziele und Eckpunkte feststehen und im November konkrete Schritte eingeleitet.

                Andererseits darf man nicht vergessen, wie breit das Aufgabenspektrum der Interessenvertretung ist. Wir sind auf sehr vielen Ebenen vertreten. Wir verhandeln alles von der kleinsten Norm bis zum KV-Vertrag über Bundes-, Landesgesetze bis nach Brüssel. Ich finde es auch wichtig, dass ein Installateur InstallateurInnen vertritt oder eine Tischlerin andere TischlerInnen. Man weiß da, wovon man redet. Und daher hat die Struktur auch ihre gewisse Komplexität, die es in dieser Form auch braucht, um alle UnternehmerInnen bestmöglich vertreten zu können.

Was sind Ihrer Meinung nach die Eigenschaften einer modernen Interessenvertretung?

Eine moderne Interessenvertretung ist greifbar. Vor Ort. Sie weiß, was ihre Mitglieder beschäftigt. Unsere FunktionärInnen sind selbst UnternehmerInnen und im Tagesgeschäft tätig. Bei Arbeitnehmervertretungen sind es oft freigestellte Betriebsräte, die die Interessen ihrer KlientInnen vertreten – häufig ohne direkten Bezug zum laufenden Betrieb. Genau das ist bei uns anders.

                Eine moderne Interessenvertretung weiß aber auch, dass gewisse Dinge gewachsen sind. Solche Strukturen zu verschlanken, ist oft schwierig. Das kennen wir in Österreich ja. Man hat es bei der ÖGK gesehen. Objektiv betrachtet hat jedem eingeleuchtet, dass ein so kleines Land wie Österreich keine 21 Sozialversicherungsträger braucht. Wir haben also massiv reduziert, und bis heute schallt die Kritik deswegen nach.

                Eine Interessenvertretung darf jedenfalls nicht als System gesehen werden, das man zuerst erklären muss, sondern muss vielmehr ein Sprachrohr sein.

Wie merken die UnternehmerInnen, dass Patrick Taxacher jetzt Direktor ist?

Beim Wirtschaftsbund wird vieles vertraut bleiben, weil ich seit Jahren vorne mit dabei bin. Gleichzeitig geht es darum, uns konsequent weiterzuentwickeln. Was für uns intern wichtig ist: Wir müssen uns als größte wirtschaftspolitische Interessenvertretung Tirols weiterentwickeln.

                Wir hinterfragen uns natürlich neben der Wirtschaftskammer-Thematik auch selbst. Auch unsere Strukturen sind zum Teil gewachsen, und ich finde, man darf sich da durchaus einmal selbstkritisch hinterfragen.

                Was man bei meiner Person sicher merken wird: Ich werde mich bei politischen Fragen klarer positionieren. Das ist vielleicht meine Handschrift, da ich ja, wie bereits erwähnt, bei Franz Hörl zur Schule gegangen bin. Da werde ich bei Weitem direkter sein als so mancher Funktionär beim Wirtschaftsbund.

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„Wenn ich also JungunternehmerInnen was mitgeben würde, dann die Botschaft: Nur wer am Tisch sitzt, redet auch mit.“ Patrick Taxacher

Sie haben davor die wirtschaftliche Lage erwähnt, die zum Zeitpunkt der medialen Diskussion über die WK nicht die günstigste war. Wie ist die Lage denn gerade eben?

Die Bundesregierung versucht bereits, das Ganze als Aufschwung zu betiteln. Ich würde eher sagen, dass man die Situation vorsichtig optimistisch sehen kann. Gewisse Parameter wie die jährliche Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer deuten in eine positivere Richtung. Es ist aber bei Weitem nicht so, wie man es sich wünschen würde.

                Personalkosten sind in den letzten Jahren einfach massiv gestiegen. Nebenbei schießen auch die Kosten bei Rohstoffen und Energie in die Höhe, was die Betriebe aktuell massiv belastet. Hinzu kommen die Regulierungen, die wir immer wieder berechtigterweise kritisieren. Wenn wir einen richtigen Aufschwung schaffen möchten, müssen wir die Unternehmen von der Zettelwirtschaft befreien, damit sie endlich wieder das machen können, wofür sie Unternehmerinnen und Unternehmer geworden sind – um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Meine Frage zielt auch auf die Stimmung bei den UnternehmerInnen ab. Wie würden Sie die einschätzen?

Die Stimmung ist etwas besser. Das ist auch wichtig. Wirtschaftspolitik hat ganz viel mit der Stimmungslage zu tun. Es geht nicht nur um nackte Zahlen. Ein Unternehmer, der pessimistisch in die Zukunft schaut, wird nicht investieren. Deswegen ist es wichtig, dass man politisch in ganz viele Richtungen die richtigen Signale sendet.

                Österreich ist ein Hochsteuerland, das den Faktor Leistung zu stark besteuert. Gleichzeitig haben wir – wenn man die Budgetsituation auf Bundesebene betrachtet – kein Einnahmen-, sondern eindeutig ein Ausgabenproblem. Das passt nicht zusammen. Wir müssen die Leistungsträger endlich entlasten, um als Standort attraktiv zu bleiben.

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Zur Person

Patrick Taxacher ist seit 1. Jänner 2026 Direktor des Tiroler Wirtschaftsbundes. Der gebürtige Zillertaler ist seit 2015 im Wirtschaftsbund, wo er damals als Bezirks­geschäftsführer Schwaz angefangen hat. Seit 2016 ist er Teil der Landes­geschäftsführung
des Wirtschafts­bundes Tirol.

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Da wir in unserer 40-unter-40-Ausgabe sind: Welche Maßnahmen plant der Wirtschaftsbund, für junge UnternehmerInnen zu setzen?

Unsere Mitglieder sind vom Durchschnittsalter natürlich eher im erfahrenen Bereich anzusiedeln. Das hat aber einen einfachen Grund. Wenn man ein Unternehmen gründet, hat man wenig Ressourcen, sich für wirtschaftspolitische Belange einzusetzen. Das kommt dann meistens erst später. Gerade die Stimme der jungen UnternehmerInnen wäre aber wichtig. Wenn ich also JungunternehmerInnen was mitgeben würde, dann die Botschaft: Nur wer am Tisch sitzt, redet auch mit.

                Es wäre sogar sehr wichtig, dass sich gerade die jungen Leute an den Tisch setzen, weil sie ihre Situation aus erster Hand kennen. Und die Arbeitswelt verändert sich: Heute arbeitet man von daheim aus, morgen bin ich irgendwo in Europa, übermorgen vielleicht auf einem anderen Kontinent. Da gibt es viele neue Aspekte, aber auch neue Fragen, die aufkommen.

Letzte Frage: Wie lässt sich deine Funktion hier mit jener als Obmann vom FC Aschau im Zillertal unter einen Hut bringen?

Gut, wie man an den sportlichen Ergebnissen sieht: Wir sind aktuell Tabellenführer in der Bezirksliga Ost. Da läuft es also sehr gut. Ich bin eigentlich kein Fußballfanat, aber ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene war mir immer schon wichtig. Der Fußballverein ist der größte Verein in meinem Heimatort und wir leisten sehr viel in der Nachwuchsarbeit. Deshalb habe ich mich – obwohl meine Zeit knapp ist – noch einmal der Wahl gestellt und starte jetzt in meine dritte Amtsperiode.

Vielen Dank für das Gespräch! 

29. März 2026 | AutorIn: Kovacevic Haris | Foto: Gerhard Berger

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