Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet ein anhaltendes Überangebot auf dem Weltölmarkt. Wir haben nachgefragt, was das für Tirol bedeutet.
Seit Jahresbeginn übersteigt laut IEA das Angebot die Nachfrage um rund 1,9 Millionen Barrel pro Tag, was den Preisdruck auf Rohöl erhöht. Was bedeutet das aber konkret für die Preise an der Zapfsäule? „Im Moment merkt man nur marginal, dass die Tendenz bei den Preisen ein bisschen nach unten geht“, sagt Rebecca Kirchbaumer, Fachverbandsobfrau der Wirtschaftskammer Österreich und Fachgruppenobfrau der Wirtschaftskammer Tirol für Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen. „Der Preis wird sich aber in diesem Jahr nicht so an der Zapfsäule widerspiegeln.“ Hauptgründe seien die CO₂-Bepreisung und die Mineralölsteuer, die mittlerweile 55 Prozent des Treibstoffpreises ausmachen würden. Zudem seien auch die Energiekosten gestiegen: „Die Netzkosten für Unternehmen erhöhen sich zwischen elf und 14 Prozent. Der Preis für Diesel und Benzin wird sich so nicht nach unten nivellieren lassen“, betont Kirchbaumer. Darüber hinaus lasse sich der Treibstoffpreis grundsätzlich schwer prognostizieren: „Er hängt von vielen Parametern wie Angebot und Nachfrage, Personal oder auch Kriegen ab.“ Außerdem müsse er eingelagert werden: „Der teuer eingekaufte Treibstoff kann also morgen nicht gleich wieder billig verkauft werden.“ Rebecca Kirchbaumer resümiert: „Rohöl allein macht den Treibstoffpreis nicht aus.“
Gedämpfte Nachfrage
Im September 2025 lag die weltweite Ölproduktion bei 108 Millionen Barrel pro Tag – 5,6 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Nachfrage wächst hingegen nur moderat: Für 2025 und 2026 erwartet die IEA ein Plus von rund 700.000 Barrel pro Tag, deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Gründe dafür seien die schwache Konjunktur und die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs. Die Überversorgung zeige sich auch in den Lagerbeständen: Im August erreichten die weltweiten Ölreserven mit 7,9 Milliarden Barrel ein Vierjahreshoch, im September stieg die Menge des auf See gelagerten Öls um 102 Millionen Barrel – der stärkste Anstieg seit der Coronapandemie.


Rebecca Kirchbaumer ist Fachverbandsobfrau der Wirtschaftskammer Österreich und Fachgruppenobfrau der Wirtschaftskammer Tirol für Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen.