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Blackout

Und plötzlich... ist es dunkel

Wenn ein Stromausfall großräumig und über Landesgrenzen hinweg auftritt, spricht man von einem Blackout. Es kann durch Naturkatastrophen, technische Defekte oder Überlastung des Stromnetzes entstehen. Meist wird es von einer Verkettung von Unglücksfällen verursacht.
Blackout

Und plötzlich... ist es dunkel

Wenn ein Stromausfall großräumig und über Landesgrenzen hinweg auftritt, spricht man von einem Blackout. Es kann durch Naturkatastrophen, technische Defekte oder Überlastung des Stromnetzes entstehen. Meist wird es von einer Verkettung von Unglücksfällen verursacht.

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Wie abhängig wir von Elektrizität sind, merkt man schon bei einem kurzen Stromausfall. Die Auswirkungen eines Blackouts wären aber noch viel gravierender. Ist Tirol gut genug gerüstet für den Ernstfall?

Das Internet ist aus, Kassensysteme in Supermärkten funktionieren nicht mehr und die kritische Infrastruktur läuft mit Notstrom – bei einem Blackout steht unser Leben, wie wir es kennen, still. Betroffen sind nahezu alle Lebensbereiche, vom Kühlschrank über den Bankomaten bis hin zur Tankstelle. An unserem Stromnetz hängt vieles, die Energieversorgung ist komplex.

 

Tiroler Status quo

„Tirol ist trotz bester Ausgangslage keine Insel der Seligen“, erklärt Christian Ammer, Prokurist bei der Tinetz. „Auch wir sind in eine eng vermaschte Netzinfrastruktur eingebunden.“ Die Hoch- und Höchstspannungsleitungen der Tinetz sind nämlich nicht nur mit dem österreichischen, sondern auch mit dem Europäischen Übertragungsnetz eng verbunden. Herausfordernd ist dabei die Tiroler Topologie mit ihren Tälern und Naturereignissen, und dennoch – was die Stromausfallstatistik angeht, steht Tirol sehr gut da. „Wir sind in der Versorgungszuverlässigkeit besser als der österreichische Durchschnitt“, ergänzt Tinetz-Geschäftsführer Thomas Trattler. „Und zusätzlich ist Österreich in Europa mit der Versorgungssicherheit führend – wir sind daher in Tirol ‚Europameister‘ in der Versorgungssicherheit.“

„In Tirol haben wir den großen Vorteil, dass wir leistungsfähige schwarzstart- und inselfähige Kraftwerke für den Netzwiederaufbau haben.“

Christian Ammer, Tinetz-Prokurist

Christian Ammer Rund

 

Komplexe Mechanismen

Die Herausforderung liegt darin, dass Einspeisung und Verbrauch zu jedem Augenblick im Gleichgewicht sein müssen, weil Energie im Stromnetz nicht gespeichert werden kann. Deshalb sind viele Schutzmechanismen integriert. „Wenn im Netz viele große Kraftwerke verteilt sind, gibt es auch eine entsprechende ‚Schwungmasse‘, um Fehler sicher abzufedern“, so Ammer.

Die Energiewende bringt aber zusätzliche Komplexität mit sich: Die Umstellung von großen fossilen Kraftwerken auf viele kleine Erzeuger von erneuerbaren Energien, wie Photovoltaik und Windkraft, macht das System volatiler und herausfordernder zu steuern, „wir befinden uns daher in einer sensiblen Phase der Energiewende, die wir alle brauchen und daher zu 100 Prozent unterstützen“, so Trattler. Zudem soll bis 2040 die Strommenge verdoppelt und die Leistung verdreifacht werden. Hierfür investiert die Tinetz laut Trattler drei Milliarden Euro in den Netzausbau und Schutzmechanismen bis 2040. „Das ist hocheffizient, weil die kritischen Situationen im Stromnetz in den letzten Jahren zugenommen haben, die Versorgungsqualität jedoch nicht schlechter geworden ist“, beschreibt der Geschäftsführer. Das Risiko eines Blackouts werde aber dennoch nie bei null sein.

  • Blackout-Stromleitungen
    Für die Energiewende benötigt es einen weiteren Ausbau des Stromnetzes.

 

Es werde wieder Licht

Ein aktuelles Beispiel ist das Blackout in Spanien und Portugal im April. Mehrere Stunden lang kam es dort zu einem großflächigen Stromausfall. Der öffentliche Verkehr stand still, Mobilfunknetze funktionierten nur eingeschränkt und Krankenhäuser liefen mit Notstromaggregaten. Für ein solches Worst-Case hat die Tinetz gemeinsam mit der Tiwag und den nachgelagerten Netzbetreibern für Tirol ein Netzwiederaufbaukonzept entwickelt. In Notfällen wird ein Krisenstab aktiviert, der die Behebung und Wiederversorgung koordiniert. Ein eigenes Funk- und Pager-System ermöglicht die Kommunikation auch bei Ausfällen öffentlicher Netze. Das Wichtigste ist der Netzwiederaufbau. „In Tirol haben wir den großen Vorteil, dass wir leistungsfähige schwarzstart- und inselfähige Kraftwerke für den Netzwiederaufbau haben“, erklärt Prokurist Ammer. Die können – durch ihre Wasserspeicher – ohne externe Energie hochfahren und versorgen und sind entscheidend für den schnellen Wiederaufbau des Netzes. In Tirol gibt es mit den Kraftwerksgruppen Prutz, Silz, Jenbach, Kalserbach und Amlach gleich fünf dieser Art. Schon eine Stunde nach dem Blackout werden die ersten Kraftwerke – eines nach dem anderen – hochgefahren. „Ab circa drei Stunden sollte eine Grundversorgung im Inntal wiederhergestellt sein, nach fünf Stunden+ sogar tirolweit“, so Ammer. Voraussetzung dafür: Die enge Abstimmung zwischen den Kraftwerks- und Netzbetreibern, regelmäßige Trainings und Übungen und ausreichend Wasser in den Speichern.

„Wir sind in der Versorgungszuverlässigkeit besser als der österreichische Durchschnitt.“

Thomas Trattler, Tinetz-Geschäftsführer

Thomas Trattler Rund

 

Gut vorbereitet

Das Land Tirol rät für Ausnahmesituationen wie Blackouts zu folgender Vorbereitung:

  • Getränkevorrat von mindestens 2,5 Literpro Person und Tag
  • Nahrungsmittelvorrat für mindestens eine Woche
    • Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette
    • Länger haltbare Lebensmittel
    • Lebensmittel für Babys, Kleinkinder und Kranke
    • Futter für Haustiere
  • Alternative Heiz- und Beleuchtungsmöglichkeiten
    • Brennmaterial
    • Campingkocher
    • Batterien und Notbeleuchtungen
  • Gut ausgestattete Hausapotheke
    • Desinfektionsmittel
    • Erste-Hilfe-Koffer
    • Mittel gegen Durchfall, Erbrechen, Fieber und Erkältungen
    • Medikamente des persönlichen Bedarfs
  • Vorrat an Hygieneartikeln
    • Toilettenpapier
    • Zahnpasta
    • Seife
    • Hygieneprodukte für Frauen
  • Batteriebetriebenes oder solarbetriebenes Radio zur Informationsbeschaffung
  • Tipp: Das Auto zum Radiohören und Handyaufladen benutzen

  • Blackout-Spanien-2-fc-Shutterstock
    In Spanien und Portugal kam es im April zu einem großflächigen Stromausfall.
  • Blackout-Leitstelle-Silz-3
    Das Kraftwerk in Silz würde bei einem Netzwiederaufbau eine wichtige Rolle spielen.

 

Tinetz

Die Tinetz als Tochtergesellschaft der Tiwag ist Tirols größter Verteilernetzbetreiber mit fast 12.000 Kilometer an Leitungen. Um bis 2040 klima-neutral zu werden, müssen in Tirol noch mal so viele Kilometer Leitungsnetze und 4.300 Trafostationen ausgebaut werden. Investiert werden dafür drei Milliarden Euro, der Personalbedarf werde um 45 Prozent zunehmen.

04. August 2025 | AutorIn: Markus Wechner | Foto: Shutterstock (2), Tinetz (2)

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