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Josef Aschbacher

Vom Bergbauerndorf ins Weltall

Josef Aschbacher wuchs im beschaulichen Ellmau auf. Heute lebt er in Paris und leitet die Europäische Weltraumorganisation.
Josef Aschbacher

Vom Bergbauerndorf ins Weltall

Josef Aschbacher wuchs im beschaulichen Ellmau auf. Heute lebt er in Paris und leitet die Europäische Weltraumorganisation.

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Schon als Student träumte Josef Aschbacher davon, einmal die Euro­päische Weltraumorganisation zu leiten – ein Ziel, das damals unerreichbar schien. Heute steht der Sohn eines Bauern aus Ellmau an deren Spitze und sorgt damit für eine kleine Sensation.

Die Zukunft von Josef Aschbacher schien schon früh vorgezeichnet zu sein: Als Ältester von sechs Kindern sollte er eines Tages den elterlichen Hof in Ellmau übernehmen. Doch dann kam der Sommer 1969 – und mit ihm die erste Mondlandung. Fasziniert verfolgte der damals Siebenjährige, wie Menschen auf dem fernen, geheimnisvollen Himmelskörper spazieren gingen. „Ich wollte verstehen, wie das möglich war, und habe die Frage lange mit mir herumgetragen. Ich war neugierig, begann zu lesen und mich aus eigenem Antrieb weiterzubilden“, erinnert sich der Tiroler. „Dieses Streben nach Verständnis begleitet mich bis heute.“

Mit zwölf Jahren vertraute er sich schließlich seinen Eltern an, dass er den Hof nicht übernehmen wolle, sondern seiner großen Leidenschaft für die Wissenschaft folgen möchte. Zwei Jahre später zog er dafür nach Innsbruck in ein Schülerheim, besuchte ein naturwissenschaftliches Gymnasium und studierte anschließend Meteorologie und Geophysik.

Ein Traum von der ESA

Schon während seines Studiums hatte der Wissenschaftler große Ziele: Er träumte früh davon, einmal bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zu arbeiten. „Ich erinnere mich an einen besonderen Moment während meiner Studienzeit: Spät nachts saßen wir mit Freunden zusammen, philosophierten über unsere Wünsche und Ziele. Ich sagte, mein Traum sei es, eines Tages die ESA zu leiten“, erzählt der gebürtige Ellmauer mit einem nostalgischen Lächeln. Damals schien das Ziel noch weit entfernt – doch es motivierte ihn, Aufgaben gewissenhaft zu erledigen und Schritt für Schritt voranzukommen.

 

„Als Ältester von sechs Geschwistern habe ich früh Verantwortung übernommen und gelernt, im Team zu arbeiten – Fähigkeiten, die mir bei der ESA mit 23 Mitgliedsstaaten täglich zugutekommen.“

- Josef Aschbacher, General­direktor der ESA

 

Globale Stationen

1990 begann der promovierte Meteorologe seine Karriere bei der ESA, durchlief zahlreiche Stationen und lebte an verschiedenen Orten rund um den Globus. Als junger Manager leitete er unter anderem den Aufbau eines neuen ESA-Büros in Bangkok und übernahm damit früh Verantwortung. Von 2016 bis 2021 war er Direktor für Erdbeobachtungsprogramme und führte die ESA-Niederlassung ESRIN in Frascati, Italien.

Im Dezember 2020 erfüllte sich schließlich sein Lebenstraum: Als Nachfolger von Johann-Dietrich Wörner wurde er zum Generaldirektor der ESA gewählt. Dass ausgerechnet ein Österreicher an die Spitze der Organisation rückte, gilt bis heute als kleine Sensation. Sind es doch normalerweise die großen Mitgliedsstaaten wie Großbritannien, Italien, Frankreich oder Deutschland, die die Spitzenpositionen bekleiden. Österreich hingegen steuert lediglich rund ein Prozent zum Gesamtbudget bei.

In seiner Funktion als höchstrangiger ESA-Vertreter verantwortet Aschbacher einen Jahreshaushalt von rund 7,7 Milliarden Euro und 6.000 Mitarbeitende. „Es ist zweifellos eine große Verantwortung, aber ich sehe sie als Chance, gemeinsam mit meinem Team und den Mitgliedsstaaten Europa in der Raumfahrt voranzubringen“, betont der oberste Raumfahrtmanager Europas.

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Tirol als Fundament

Und obwohl der dreifache Vater für seine Karriere Tirol schon lange den Rücken gekehrt und an vielen Orten der Welt gelebt hat, fühlt er sich seiner Heimat bis heute eng verbunden. „Ich versuche, regelmäßig nach Ellmau zurückzukehren. Der Hof, den mein Bruder letztendlich übernommen hat, bleibt das Herz unserer Familie“, betont der Spitzenmanager. Aus seiner Jugend in den heimischen Bergen hat er zudem wertvolle Eigenschaften für seinen internationalen Werdegang mitgenommen: „Bodenständigkeit, Ausdauer, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Als Ältester von sechs Geschwistern habe ich früh Verantwortung übernommen und gelernt, im Team zu arbeiten – Fähigkeiten, die mir bei der ESA mit 23 Mitgliedsstaaten täglich zugutekommen.“

 

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Die schönsten Kindheitserinnerungen aus Ellmau sind …

… ein Kaleidoskop aus Sinneseindrücken: die Stimmen der Eltern und Geschwister, das Muhen der Kühe, der Geruch von frisch gemähten Heuwiesen, die Morgensonne auf den Bergrücken, der Anblick des Wilden Kaisers, tiefe Winter mit hohen Schneewänden … Ich hör lieber auf, sonst werde ich wehmütig!

Richtig zur Ruhe kommen kann ich …

… in einer Großstadt wie Paris eher selten, da bin ich oft im Arbeitsmodus. In Tirol hingegen kann ich wirklich abschalten.

Jungen Menschen, die heute in die Raumfahrtbranche einsteigen wollen, rate ich …

… neugierig zu bleiben, Ausdauer und Teamfähigkeit zu zeigen und die Bereitschaft mitzubringen, ständig dazuzulernen. Vor allem: sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Die Raumfahrt ist anspruchsvoll – aber sie bietet die Chance, wirklich etwas zu bewegen.

 

16. November 2025 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: ESA

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