Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: "unbound coffee roasters".
Kaffee ist für viele Menschen Teil der täglichen Routine. Für Florian Mayrhofer begann die Auseinandersetzung damit jedoch weit vor der Tasse: Auf Reisen durch Südamerika und Südostasien besuchte er Kaffee- und Kakaofarmen und beschäftigte sich mit Herkunft, Anbau und Verarbeitung. 2017 gründete er "unbound luxury food", später entwickelte sich daraus "unbound coffee roasters". Alois Moosbauer war über seine Handelsagentur von Beginn an eng in Vertrieb und Markenaufbau eingebunden und prägte die Entwicklung des Unternehmens als Mitgründer mit.

Mayrhofer gründete "unbound" 2017 gemeinsam mit Alois Moosbauer.
Warum soll Kaffee transparenter werden?
Kaffee soll transparenter werden, weil hinter jedem Produkt viele Entscheidungen stehen, die für KonsumentInnen oft unsichtbar bleiben. Herkunft, Verarbeitung, Röstung und Zubereitung beeinflussen, wie Kaffee schmeckt und welche Qualität am Ende in der Tasse landet.
„Wir wollten von Anfang an zeigen, dass Kaffee viel mehr ist als ein Wachmacher. Hinter jeder Tasse stehen Menschen, ihr Handwerk und viele kleine Entscheidungen – von der Farm bis in die Tasse. Genau das möchten wir bei "unbound" sichtbar und erlebbar machen“, sagt Mayrhofer.
Der Anspruch des Start-ups war von Beginn an, hochwertige Spezialitätenkaffees in Tirol zu rösten und deren Weg nachvollziehbarer zu machen. Dazu gehören direkter Kontakt zu ProduzentInnen, Rückverfolgbarkeit und ein bewussterer Umgang mit Kaffee. Spezialitätenkaffee soll dabei nicht als Nischenthema wirken, sondern verständlich und zugänglich werden.

Florian Mayrhofer beim Farmbesuch in Äthiopien: Der direkte Blick auf Herkunft und Anbau prägt die Arbeit von "unbound".
Wie macht "unbound" Kaffee erlebbar?
"unbound" macht Kaffee erlebbar, indem Röstung, Zubereitung und Verkostung näher zusammenrücken. Die ersten Jahre war das Unternehmen in der Werkstätte Wattens beheimatet, 2018 eröffnete dort die eigene Rösterei. Zuvor hatte Mayrhofer erste Röstungen bei befreundeten Röstereien umgesetzt, bevor der Fokus vollständig auf Kaffee gelegt wurde.
Bis 2020 lag der Schwerpunkt vor allem auf dem Geschäft mit Gastronomie, Hotellerie und Unternehmen. Die Corona-Krise veränderte diesen Weg: Webshop und Einzelhandel wurden wichtiger. 2022 wurde das Unternehmen zur "unbound coffee roasters" Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgegründet, 2025 folgte der Coffee Shop in Innsbruck.
Die Entwicklung war nicht ohne Schwierigkeiten. „Die letzten Jahre waren für ein junges Unternehmen sehr herausfordernd. Steigende Rohkaffeepreise, die Energiekrise, Inflation und der Aufbau eigener Strukturen haben uns stark beschäftigt. Gleichzeitig hat uns diese Zeit gezeigt, wie wichtig ein klares Qualitätsversprechen, ein starkes Team und treue KundInnen sind“, sagt Mayrhofer.
Mit dem Umzug in die neue Schaurösterei in der Valiergasse 61 in Innsbruck bündelt "unbound" nun Rösterei, Café, Backstube, Schulungsraum und Produktion an einem Standort. KundInnen können dort sehen, wie Kaffee geröstet wird, und unterschiedliche Geschmacksprofile direkt vor Ort kennenlernen.

Das Team von "unbound" beim Umbau der neuen Schaurösterei in der Valiergasse in Innsbruck.

In der neuen Schaurösterei in Innsbruck werden Rösterei, Café, Backstube, Schulungsraum und Produktion zusammengeführt.
Was plant "unbound" als Nächstes?
Als Nächstes will "unbound" weiter wachsen, ohne den eigenen Qualitätsanspruch aus dem Blick zu verlieren. Die neue Schaurösterei soll dabei mehr sein als ein Produktionsstandort: Sie soll zeigen, wie viel Präzision in der Röstung steckt und wie unterschiedlich Kaffee je nach Herkunft, Verarbeitung und Zubereitung schmecken kann.
„Mit der Schaurösterei in Innsbruck können wir vieles umsetzen, wovon wir lange geträumt haben. Unsere KundInnen sehen direkt, wie Kaffee geröstet wird und können ihn vor Ort trinken und die Geschmacksvielfalt entdecken“, sagt Mayrhofer.
Langfristig möchte sich "unbound" als Tiroler Spezialitätenrösterei weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen laut Unternehmen weiterhin Qualität, Transparenz und Nähe zu den KundInnen. Mayrhofer formuliert es so: „Wir möchten weiter wachsen, aber Qualität, Transparenz und Nähe zu unseren KundInnen sollen auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen.“

Florian Mayrhofer mit Johanna Kappes, Leitung Café, und Valentin Possert, Leitung Produktion und Röster.