Beim Griff ins Regal zählt längst mehr als nur der Preis. Herkunft, Qualität und Vertrauen spielen eine immer größere Rolle. Das zeigt sich auch an Initiativen wie „Qualität Tirol“ – und an ähnlichen Modellen weit über die Landesgrenzen hinaus.
Ein Blick auf das Einkaufsverhalten macht deutlich: Der Preis allein ist nicht mehr ausschlaggebend. Viele KonsumentInnen achten nämlich verstärkt auf Geschmack, gesundheitliche Aspekte und eine klare, nachvollziehbare Herkunft. Regionale Produkte treffen damit einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet und weiter an Bedeutung gewinnt.
Von dieser Entwicklung profitieren auch Erzeugnisse mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“. Die Initiative der Agrarmarketing Tirol zielt darauf ab, regionale landwirtschaftliche Produkte sichtbarer zu machen und ihre Position im Markt zu stärken. Gleichzeitig vernetzt sie ProduzentInnen mit Handel, Verarbeitung und Tourismus und begleitet die Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Am 31. März 2026 präsentierten Josef Geisler (Landeshauptmann-Stv., 3.v.l.), Matthias Pöschl (Geschäftsführer Agrarmarketing Tirol, r.), Clemens Mair (Geschäftsführer Bauern Produkte Tirol GmbH, 2.v.l.) und Stefan Jenewein (Studienautor Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung) die Wertschöpfungsanalyse der „Qualität Tirol“ Produkte im Jahr 2025.
Regionale Qualität als Wirtschaftsfaktor
Dass sich diese Entwicklung wirtschaftlich niederschlägt, zeigen aktuelle Zahlen: 2025 wurde mit den „Qualität Tirol“-Produkten ein Umsatz von 44,5 Millionen Euro erzielt – ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über einen Zeitraum von fünf Jahren ergibt sich damit ein Plus von rund 50 Prozent. Besonders gefragt sind Produkte aus den Bereichen Milch und Fleisch, die zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählen.
Laut einer Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung generierten die gekennzeichneten Produkte im vergangenen Jahr einen Beitrag von 59 Millionen Euro für die Tiroler Wirtschaft. Darüber hinaus sicherten sie 581 Arbeitsplätze und generierten knapp 30 Millionen Euro an Steuern und Abgaben.
Beispiele aus der Welt:
Die gezielte Positionierung von Lebensmitteln als regional, kleinstrukturiert und für die eigene Bevölkerung ist längst kein Tiroler Alleinstellungsmerkmal. International findet sich dieses Prinzip in unterschiedlichen Ausprägungen wieder – mal stärker über die Herkunft definiert, mal über Qualität oder gewachsene Tradition. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, wie vielfältig diese Ansätze umgesetzt werden. Hier ein Überblick:
Ein gutes Stück Bayern
Die Regionalmarke aus Bayern kennzeichnet Lebensmittel und Erzeugnisse, die aus der Region stammen und bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Ziel der Initiative ist es, die Herkunft klar sichtbar zu machen und Orientierung beim Einkauf zu bieten.

Suisse Garantie
Auch in der Schweiz existiert ein vergleichbares Modell: Das 2004 eingeführte Label „Suisse Garantie“ der agroMarketing Suisse kennzeichnet Produkte, deren Rohstoffe vollständig aus der Schweiz stammen und die nach klar definierten nationalen Standards verarbeitet werden.

DOP (Denominazione di Origine Protetta)
Die „Denominazione di Origine Protetta“ ist ein italienisches Qualitätssiegel für Lebensmittel mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Es stellt sicher, dass Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung vollständig in einer klar definierten Region und nach festgelegten Verfahren erfolgen.

Label Rouge
„Label Rouge“ ist ein französisches Gütesiegel, das Produkte kennzeichnet, deren Qualität nachweislich über dem Standard vergleichbarer Erzeugnisse liegt. Vergeben wird es unter Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums und zählt zu den bekanntesten Qualitätssymbolen des Landes – insbesondere im Lebensmittelbereich.

Från Sverige
„Från Sverige“ ist eine schwedische Herkunfts- und Qualitätskennzeichnung für Produkte, die vollständig in Schweden erzeugt und verarbeitet werden – vom Anbau beziehungsweise der Aufzucht über die Verarbeitung bis hin zur Verpackung.

Community Supported Agriculture
Ein basisnahes Modell stellt die „Community Supported Agriculture“ in den USA dar. Hier tragen Konsumentinnen und Konsumenten die Landwirtschaft finanziell mit und werden im Gegenzug regelmäßig mit Ernteanteilen versorgt. Die Erzeugung orientiert sich damit unmittelbar an einem klar definierten Kreis von Abnehmern.