Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: geht-e.
Warmwasserboiler hängen in vielen Wohnungen, werden aber meist nicht als Teil des Energiesystems wahrgenommen. Das Innsbrucker Start-up geht-e will das ändern. Gegründet wurde das Unternehmen im September 2025 von Stefan Jörer und Wolfgang Gassler. Beide sind promovierte Informatiker und bringen Erfahrung in Softwareentwicklung, Datenanalyse und Produktentwicklung mit. Ihr Ansatz: Bestehende Boiler und Pufferspeicher werden nicht ersetzt, sondern mit einer intelligenten Steuerung nachgerüstet.
Warum wird Warmwasser für die Energiewende interessant?
Warmwasser wird für die Energiewende interessant, weil viele Haushalte bereits einen intelligenten Stromzähler – den sogenannten Smart Meter - besitzen, der den Stromfluss individuell steuern kann. Der Ausgangspunkt für geht-e war die Beobachtung, dass Strom immer häufiger dann günstig oder im Überschuss vorhanden ist, wenn ihn die meisten Haushalte gerade nicht nutzen. Zur Mittagszeit speisen Photovoltaikanlagen oft viel Strom ins Netz ein, während Warmwasserboiler nach fixen Zeiten oder ungesteuert laufen.
Dynamische Stromtarife machen solche Schwankungen inzwischen auch für Haushalte relevant. Wer Strom dann nutzt, wenn er günstiger ist oder gerade selbst erzeugt wird, kann Kosten senken und das Netz entlasten. „Uns hat beschäftigt, dass der Warmwasserboiler bisher kaum als Teil der Energiewende gesehen wird. Dabei hängt in vielen Wohnungen bereits ein Speicher, der Strom dann aufnehmen könnte, wenn viel erneuerbare Energie im Netz ist. Genau dieses Potenzial wollen wir nutzbar machen“, erklärt Jörer.
In Österreich gebe es indes rund 650.000 elektrische Warmwasserboiler in Wohnungen, allein in Innsbruck rund 28.000. Die Umstellung eines einzelnes Gerätes mache nicht besonders viel aus, aber viele Geräte zusammen könnten eine relevante Menge Strom zu einem günstigeren Zeitpunkt verwenden und damit die flexiblen Preise optimal ausnutzen.
Wie macht geht-e bestehende Boiler steuerbar?
Geht-e macht bestehende Boiler steuerbar, indem ein intelligenter Schalter vom Elektriker im Stromkasten eingebaut wird. Dieser verbindet den Boiler oder Pufferspeicher mit einer Software, die im Hintergrund entscheidet, wann geheizt wird. Warmwasser soll dadurch dann erzeugt werden, wenn Strom besonders günstig ist, erneuerbar verfügbar ist oder aus Sicht des Stromnetzes besser genutzt werden kann.
Für KundInnen soll die Technik möglichst wenig Aufwand verursachen. Über eine App lässt sich nachvollziehen, wann geheizt wurde und wie viel gespart wurde. Im Normalfall müssen NutzerInnen aber nicht selbst eingreifen. Wird spontan mehr Warmwasser benötigt, kann der Boiler zusätzlich aktiviert werden.
Der erste Prototyp wurde im Herbst 2025 fertiggestellt und bei ersten KundInnen installiert. Seit Dezember 2025 ist die Lösung österreichweit verfügbar. Erste Haushalte in mehreren Bundesländern nutzen geht-e nach Angaben des Unternehmens bereits im Alltag, etwa um ihre Boiler automatisch in günstigen Stromzeiten oder mit eigenem Photovoltaik-Überschuss zu betreiben.
„Die größte Herausforderung ist, die Komplexität aus dem Alltag der Kundinnen und Kunden herauszunehmen. Strompreise, Photovoltaik-Erzeugung, Netztarife und Verbrauchsverhalten ändern sich laufend. Unser Anspruch ist, dass man sich damit eigentlich gar nicht beschäftigen muss, sondern dass die Steuerung automatisch im Hintergrund läuft“, sagt Gassler.

Der intelligente Schalter wird im Stromkasten installiert und verbindet bestehende Boiler mit der Steuerungssoftware.
Was plant geht-e als Nächstes?
Als Nächstes will geht-e über einzelne Haushalte hinauswachsen. Ein wichtiger Schritt ist der Einsatz in Mehrparteienhäusern und im gemeinnützigen Wohnbau. In einem Pilotobjekt mit 17 Einheiten wird getestet, wie lokal erzeugter Photovoltaik-Strom besser genutzt, die Steuerung zwischen BewohnerInnen fair organisiert und das Stromnetz entlastet werden kann.
Zudem hat das Start-up die Nutzung von Photovoltaik-Überschuss für Elektroboiler umgesetzt. Haushalte mit eigener Anlage können damit mehr selbst erzeugten Strom für Warmwasser verwenden und vorhandene Boiler als Speicher nutzen.
Langfristig verfolgt geht-e eine größere Idee: Aus vielen einzelnen Boilern und Pufferspeichern soll ein dezentraler Speicher entstehen. „Unser Ziel ist es, aus vielen einzelnen Boilern und Pufferspeichern den größten dezentralen Speicher Österreichs zu bauen. Für Kundinnen und Kunden bleibt es einfach: Warmwasser ist da, die Kosten sinken und gleichzeitig wird das Stromnetz entlastet“, betont Jörer.