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New-Work-Expertin im Interview

Warum es Neue Führung braucht

Barbara Schmidt ist Unternehmensberaterin und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, klare Strategien zu entwickeln und umzusetzen.
New-Work-Expertin im Interview

Warum es Neue Führung braucht

Barbara Schmidt ist Unternehmensberaterin und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, klare Strategien zu entwickeln und umzusetzen.

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Am 5. März findet das New Work Forum in Schwaz statt. Anlässlich dessen haben wir die Initiatorin Barbara Schmidt zum Gespräch getroffen. Sie erklärt, warum bewusstes Führen gerade jetzt entscheidend ist.

 

Frau Schmidt, was bedeutet eigentlich Neue Führung – und warum braucht es sie?

Barbara Schmidt: Neue Führung ist für mich kein zusätzlicher Führungsstil, der bestehende Modelle ergänzt. Vielmehr löse ich mich bewusst von der Vorstellung, dass Führung in festen Kategorien gedacht werden muss. Solche Konzepte können zwar theoretisch Orientierung bieten, im praktischen Arbeitsalltag greifen sie jedoch oft zu kurz.

Im Kern geht es um ein reflektiertes und bewusst gestaltetes Führungsverständnis. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel, Erwartungen verändern sich und Aufgaben werden komplexer. Deshalb sind Führungspersönlichkeiten gefragt, die Orientierung geben, klare Leitplanken setzen und zugleich ausreichend Freiraum ermöglichen.

Entscheidend ist, Ziele verständlich zu formulieren, deren Sinn nachvollziehbar zu machen und transparent zu kommunizieren. Denn Menschen brauchen Klarheit und Vertrauen, um Verantwortung zu übernehmen, eigene Stärken einzubringen und wirksam zu handeln.

Hat sich die Erwartung an Führung durch die junge Generation verändert? Oder ist es ein genereller gesellschaftlicher Wandel?

Beides spielt eine Rolle. Viele junge Menschen treten heute reflektierter auf und scheuen sich nicht, konstruktive Fragen zu stellen. Sie möchten verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden – nicht nur, wie Aufgaben umgesetzt werden sollen.

Gleichzeitig betrifft diese Entwicklung längst nicht ausschließlich eine Altersgruppe. Menschen aller Generationen setzen sich zunehmend kritisch mit ihrer Arbeitsweise und ihren Prioritäten auseinander. Fragen wie „Will ich unter diesen Bedingungen weiterhin arbeiten?“ oder „Entspricht meine Tätigkeit meinen persönlichen Werten?“ rücken stärker in den Fokus. Arbeit wird dadurch insgesamt neu gedacht und über Altersgrenzen hinweg anders bewertet.

 

„Entscheidend ist, Ziele verständlich zu formulieren, deren Sinn nachvollziehbar zu machen und transparent zu kommunizieren.“

- Barbara Schmidt

 

Welche klassischen Führungsansätze funktionieren heute nicht mehr?

Ich würde nicht sagen, dass traditionelle Ansätze grundsätzlich überholt sind. Entscheidend ist vielmehr eine neue Balance. Klarheit, Entscheidungsstärke und Struktur bleiben wesentliche Bestandteile wirksamer Führung. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Beteiligung, Beziehungsarbeit und Sinnorientierung an Bedeutung.

Neue Führung heißt daher nicht, bewährte Prinzipien abzuschaffen, sondern sie bewusst weiterzuentwickeln und an die heutigen Anforderungen anzupassen.

Welche Fehler beobachten Sie häufig bei Führungskräften?

Ein häufiger Fehler besteht darin, Führung vor allem über Methoden oder Modelle erlernen zu wollen, ohne sich intensiv mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen. Bewusstes Führen beginnt jedoch immer mit Selbstreflexion.

Dazu gehört, sich grundlegende Fragen zu stellen: Welche Werte prägen mein Handeln? Welche Überzeugungen oder Muster beeinflussen meine Entscheidungen? Wo liegen meine Stärken – und wo stoße ich an Grenzen, etwa beim Delegieren oder in schwierigen Gesprächen? Erst durch diese ehrliche Auseinandersetzung entsteht eine authentische und wirksame Führungspersönlichkeit.

 

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Wie kann man diese Haltung entwickeln?

Es gibt viele Wege: Bücher, Seminare, Austausch mit anderen Führungskräften oder Coaching. Entscheidend ist, Impulse zu nutzen und sie mit der eigenen Erfahrung zu verbinden. Man kann keinen Führungsstil kopieren. Jeder Mensch muss seinen eigenen Zugang finden – basierend auf Persönlichkeit, Kontext und Teamstruktur.

Fachkräftemangel, Transformation oder Krisen – viele Unternehmen stehen gerade vor schwierigen Herausforderungen. Wie kann unter solchen Bedingungen trotzdem eine positive Kultur entstehen?

Der entscheidende Ausgangspunkt ist die Haltung der Führung. Wer Veränderungen ausschließlich als Bedrohung wahrnimmt, gerät schnell in eine defensive Position. Führungskräfte, die hingegen Chancen erkennen und bereit sind, bestehende Denkmuster zu hinterfragen, schaffen die Grundlage für aktive Gestaltung.

Organisationen halten häufig an Strukturen fest, weil sie vertraut sind – nicht unbedingt, weil sie noch wirksam oder zukunftsfähig sind. Gerade in Zeiten des Umbruchs braucht es den Mut zur ehrlichen Bestandsaufnahme: Was bringt uns wirklich weiter? Und wovon sollten wir uns trennen?

Das kann bedeuten, Prozesse zu vereinfachen, Angebote neu auszurichten oder sogar das Geschäftsmodell grundsätzlich zu überdenken.

 

„Bewusstes Führen beginnt immer mit Selbstreflexion.“

- Barbara Schmidt

 

Sie haben das New Work Forum gegründet. Was ist Ihre Vision dahinter?

Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass Unternehmen mehr Inspiration und konkrete Beispiele brauchen, um den aktuellen Wandel erfolgreich zu gestalten. Das New Work Forum versteht sich daher als Plattform, die neue Perspektiven eröffnet, Mut macht und praxisnahe Impulse vermittelt.

Die Veranstaltung ist dabei bewusst klein gehalten, um echten Austausch zu ermöglichen. Vier sogenannte MutmacherInnen teilen ihre Erfahrungen und zeigen, wie moderne Führung in der Praxis umgesetzt werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Person:

Barbara Schmidt ist Unternehmensberaterin und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, klare Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Zudem ist sie Gründerin des New Work Forums, das am 5. März bereits zum dritten Mal in Schwaz stattfindet.

16. Februar 2026 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: Gerhard Berger

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