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Valentina Ultsch im Interview

Unternehmerisch denken, menschlich handeln

Unternehmerisch denken, menschlich handeln
Valentina Ultsch ist Speakerin beim New Work Forum in Schwaz, das am 5. März bereits zum dritten stattfindet.
Valentina Ultsch im Interview

Unternehmerisch denken, menschlich handeln

Unternehmerisch denken, menschlich handeln
Valentina Ultsch ist Speakerin beim New Work Forum in Schwaz, das am 5. März bereits zum dritten stattfindet.

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Am 5. März findet in Schwaz das New Work Forum statt. Aus diesem Anlass erklärt Speakerin Valentina Ultsch, warum wirtschaftliche Ziele und Mitarbeiterorientierung kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig bedingen.

 

Frau Ultsch, Sie haben bereits mit 26 Jahren Führungsverantwortung übernommen. Wie prägt ein so früher Einstieg in eine Leitungsfunktion den eigenen Führungsstil?

Als ich Ende 2022 eingestiegen bin, hatte ich eine gesunde Portion Naivität und Leichtsinn. Das hat mir den Mut gegeben, Verantwortung zu übernehmen und Dinge bewusst anders zu machen – auch um zu sehen, wie wir das Image in der Hotellerie verbessern können. In den vergangenen dreieinhalb Jahren habe ich unglaublich viel gelernt, am meisten aus den schwierigen Zeiten und den ersten Fehlern als Führungskraft. Ich habe schnell verstanden, dass Empathie entscheidend ist, aber ohne Klarheit und konsequente Entscheidungen funktioniert Führung nicht. Für mich bedeutet Führung, gemeinsam klare Ziele zu setzen und konsequent dranzubleiben. Und vor allem: Führung ist nichts, das man einmal kann, man muss ständig an sich arbeiten. Deshalb haben wir von Anfang an ein Führungskräfteentwicklungsprogramm gestartet, damit wir alle mit denselben Werkzeugen arbeiten.

 

Für mich bedeutet Führung, gemeinsam klare Ziele zu setzen und konsequent dranzubleiben.

- Valentina Ultsch

 

HR bedeutet heute weit mehr als Personalverwaltung. Welche Rolle spielt strategisches Personalmanagement gerade in der Hotellerie?

Gerade in der Hotellerie ist strategisches HR entscheidend. Wir kämpfen – wie viele andere Branchen auch – mit Image-Themen und begrenzten Ressourcen. Reine Verwaltung reicht daher aus meiner Sicht nicht aus. Ich habe mich früh gefragt, wie wir HR entlang des gesamten Employee Life Cycles aktiv gestalten können. Das erfordert Kreativität, klare Prioritäten und eine durchdachte Strategie. Nur so entsteht echter Mehrwert – für das Unternehmen ebenso wie für die Mitarbeitenden. Für mich ist HR Bindeglied und Übersetzer zwischen Mitarbeitenden und Organisation und ein zentraler Hebel für Entwicklung, Kultur und Zukunftsfähigkeit. Bei uns ist das strategische Personalmanagement daher eine tragende Säule der Geschäftsführung.

 

Kulturwandel und Krisenmanagement gingen in den vergangenen Jahren oft Hand in Hand. Wie gelingt es, Stabilität zu geben und gleichzeitig Veränderung voranzutreiben?

Stabilität entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch Orientierung. Gerade in Krisenzeiten brauchen Menschen Klarheit, Transparenz und verlässliche Entscheidungen. Gleichzeitig darf man Veränderung nicht aufschieben, sie ist oft Teil der Lösung. Für mich heißt das: ehrlich kommunizieren, zugänglich sein, Prioritäten setzen und konsequent handeln. Wenn Ziele klar definiert sind und Führung verlässlich bleibt, entsteht Sicherheit. Auf dieser Basis lässt sich Veränderung nicht nur bewältigen, sondern aktiv gestalten. Ein wesentlicher Schlüssel in Veränderungsprozessen ist die Führungsebene. Sie gilt es gezielt einzubinden und ihr das „Warum“ hinter den Entscheidungen zu erklären.

 

„Gerade in Krisen brauchen Menschen Klarheit, Transparenz und verlässliche Entscheidungen.

- Valentina Ultsch

 

Gerade in der Tourismusbranche ist der Fachkräftemangel ein zentrales Thema. Welche Fehler machen Unternehmen – und was braucht es stattdessen?

Der Fachkräftemangel ist in unserer Branche zum Teil hausgemacht. Noch immer gibt es Betriebe mit schlechten Rahmenbedingungen, wie Medienberichte regelmäßig zeigen. Das spiegelt jedoch nicht den Großteil der Tourismusbetriebe wider, denn viele arbeiten aktiv an guten Bedingungen und bieten ihren Mitarbeitenden enorm viel.

Ein Bereich, der häufig missverstanden wird, ist das Recruiting: Oft liegt der Fokus zu stark auf Ausbildung und Erfahrung, statt auf Haltung und Soft Skills. Gerade im Tourismus sind Persönlichkeit, Serviceorientierung und Lernbereitschaft entscheidend, fachliche Kompetenzen lassen sich entwickeln. Dafür braucht es professionelles, strategisch verankertes HR und kein Personalmanagement „nebenbei“.

 

Was bedeutet für Sie moderne Führung im HR-Bereich – und wie schafft man es, wirtschaftliche Ziele mit echter Mitarbeiterorientierung zu verbinden?

Moderne HR-Führung bedeutet für mich, unternehmerisch zu denken und menschlich zu handeln. Wirtschaftliche Ziele und Mitarbeiterorientierung sind kein Widerspruch, sie bedingen einander. Motivierte, gut geführte Teams sind die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend ist Transparenz: Ziele klar benennen, Erwartungen aussprechen und gleichzeitig Entwicklung ermöglichen. HR muss die Sprache der Zahlen verstehen und die der Menschen. Genau in dieser Verbindung entsteht nachhaltige Performance.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Moderne HR-Führung bedeutet für mich, unternehmerisch zu denken und menschlich zu handeln.

- Valentina Ultsch

 

Zur Person:

Valentina Ultsch ist Head of HR & Payroll sowie Prokuristin bei Harry’s Home Hotels und verantwortet rund 400 Mitarbeitende in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium in Wien mit den Schwerpunkten Entrepreneurship, Innovation und Diversitätsmanagement war Ultsch mehrere Jahre im Headhunting in der Steiermark tätig. Ende 2022 wechselte sie ins Familienunternehmen, wo sie die HR-Abteilung vom Finanzbereich trennte. In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Team HR als strategischen Anker im Unternehmen etabliert und konsequent weiterentwickelt.

02. März 2026 | AutorIn: Michaela Ehammer | Foto: Flo Mitteregger

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