Zwischen schnellen Rezeptclips und aufwendig gestalteten Buchseiten entdeckt die Kulinarik ihre Tiefe neu. Warum Kochbücher gerade jetzt wieder gefragt sind – und was Tirol dazu beiträgt.
Wischen, liken, nachkochen: Lange schien es, als hätten Food-Videos auf Social Media den klassischen Kochbüchern den Rang abgelaufen. Rezepte mit wenigen Handgriffen, perfekt inszeniert und jederzeit abrufbar. Und doch erlebt das Kochbuch gerade ein Comeback. Eines, das weit über reine Rezeptesammlungen hinausgeht: Bücher werden wieder zu inspirierenden Lifestyle-Produkten.
Gerade in Tirol zeigt sich dieser Trend besonders deutlich – mit Neuerscheinungen von heimischen SpitzenköchInnen, die regionale Küche neu interpretieren und gleichzeitig tief in ihre Wurzeln blicken. Im Fokus stehen regionale und saisonale Zutaten, vegetarische Gerichte und Rezepte, die schnell und einfach gelingen – ästhetisch inszeniert, versteht sich.
Neue Tiroler Küche

Ein Beispiel dafür ist „Habitat – Die neue Tiroler Küche“ von Haubenkoch und Kochlehrer Christoph Krabichler. Das mehrfach ausgezeichnete Werk – zuletzt als „Best Book in the World 2025“ prämiert – versteht sich als eine Bestandsaufnahme der Tiroler Kulinarik. Neben rund 50 saisonalen Rezepten stehen vor allem Geschichten dahinter im Mittelpunkt: über ProduzentInnen, Landschaften und die Philosophie der Zutaten. Dichte Texte, starke Bilder und eine klare gestalterische Handschrift geben „Habitat“ dabei eine ganz eigene Würze.
- Verlag: Matthaes
- Seiten: 240
- Erschienen: November 2023
Tradition mit moderner Handschrift

Einen persönlicheren Zugang wählt Viktoria Fahringer in „Meine Tiroler Welt“. Die Kufsteiner Hotelierin und Österreichs jüngste Haubenköchin verbindet in ihrem Debüt Kindheitserinnerungen mit modernen Rezeptideen. Klassiker wie Kaiserschmarrn oder Buchteln werden neu interpretiert, bleiben dabei aber fest in der Tiroler Tradition verankert. Das Buch ist zugleich eine kulinarische Reise durch Tirol, gespickt mit Begegnungen mit ProduzentInnen.
- Verlag: Brandstätter
- Seiten: 224
- Erschienen: Oktober 2025
Über den Tellerrand hinaus

Dass Kochbücher heute oft weiter greifen als nur bis zum nächsten Rezept, zeigt auch „Einfach Wein – genießen & perfekt kombinieren“ von Star-Sommelier Aldo Sohm aus Inzing. Im Mittelpunkt steht hier nicht das Kochen, sondern das Zusammenspiel von Speisen und Wein. Mit illustrierten Anleitungen in moderner, Instagram-ähnlicher Ästhetik richtet sich sein zweiter Band vor allem an Foodies und Neulinge. Genuss soll schließlich kein ExpertInnenwissen bleiben, sondern im Alltag leicht umsetzbar sein.
- Verlag: Prestel
- Seiten: 280
- Erschienen: März 2026
Haubenküche für Zuhause

Benjamin Parth holt mit „Angeberküche für jedermann“ die gehobene Gastronomie direkt in die heimischen Küchen. Der Ischgler Spitzenkoch zeigt HobbyköchInnen, wie sich mit überschaubarem Aufwand beeindruckende Gerichte zaubern lassen. Keine unnötige Komplexität, sondern gezielte Kniffe, die große Wirkung erzielen – ein Ansatz, der den Zeitgeist trifft.
- Verlag: Target Group
- Seiten: 200
- Erschienen: Oktober 2020
Kochen als Bühne
Und dann gibt es noch jene Bücher, die Kulinarik als visuelles Ereignis inszenieren. „culinary. world. cup.: Der Heilige Gral der Köche“ ist genau so ein Werkt: ein opulenter Bildband zur Kochweltmeisterschaft 2018, ausgezeichnet für sein Design und seine Perspektive auf die internationale Spitzengastronomie. Mit dabei ist auch Haubenkoch Michael Ploner aus Nauders.
- Verlag: Studia Verlag
- Seiten: 192
- Erschienen: Dezember 2020
