Eingabehilfen öffnen

Skip to main content
Rankings - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Rankings
Unternehmensverzeichnis - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Unternehmen
Newsletter - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Newsletter
Trotz Milliarden für Forschung

Warum Österreich bei Spin-offs ins Hintertreffen gerät

Trotz Milliarden für Forschung

Warum Österreich bei Spin-offs ins Hintertreffen gerät

Artikel teilen

Österreich gibt Milliarden für Forschung aus – und doch entstehen daraus vergleichsweise wenige Unternehmensgründungen.

Akademische Spin-offs, also Start-ups, die direkt aus Universitäten oder Forschungseinrichtungen hervorgehen, bleiben in ihrer Zahl überschaubar. Im Jahr 2024 zeigt sich: Die strukturellen Hürden sind größer als gedacht. München macht vor, wie es besser geht.

Forschung ja – Verwertung nein?

Österreich investiert jährlich rund 14 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Trotzdem liegt die Zahl der akademischen Spin-offs aktuell bei nur rund 90 bis 160 pro Jahr – je nach Zählweise und Definition. Der FTI-Monitor gibt für 2024 eine revidierte Zahl von 161 Spin-offs an. Ziel der öffentlichen Innovationspolitik ist es, diese Zahl bis 2030 auf 1.000 pro Jahr zu steigern – eine Verfünffachung.

Um das zu erreichen, müssten laut aktueller Berechnungen zwischen 2025 und 2027 jährlich rund 30 zusätzliche Spin-offs entstehen. Aktuell liegt das Wachstum aber nur bei etwa 20 zusätzlichen Spin-offs pro Jahr. Die Dynamik reicht also nicht aus, um die Zielvorgaben zu erfüllen.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die letzten zehn Jahre: Von rund 51.000 Start-ups im DACH-Raum entfielen laut aktueller Erhebung nur 8 % auf Österreich, während Deutschland 78 % und die Schweiz 14 % beisteuerten.

Warum klappt es in München?

Die Technische Universität München (TUM) zeigt, wie es besser geht. Sie meldete 2024 erstmals über 100 Spin-offs in einem Jahr – ein Rekord. Unterstützt wurden über 1.100 Start-up-Teams von universitären Programmen wie UnternehmerTUM oder TUM Venture Labs. Auch die Ludwig-Maximilians-Universität München meldete 2024 ein Rekordjahr: Ihre Spin-offs erhielten zusammen über 230 Millionen Euro Risikokapital.

Was München von Österreich unterscheidet, ist die Kombination aus:

  • klaren universitären Ausgründungsprozessen,
  • gezielter Gründerförderung,
  • Zugang zu Wagniskapital und
  • einer unternehmerischen Kultur an Hochschulen.

Österreich fehlt ein unternehmerischer Rahmen

Laut dem Austrian Startup Monitor 2024 stammen rund 22 % aller heimischen Start-ups aus Universitäten, weitere 16 % aus bestehenden Unternehmen. Das Potenzial ist da – doch viele Forschungseinrichtungen in Österreich haben keine einheitlichen, klar geregelten Ausgründungsmodelle. Spin-off-Prozesse sind oft langwierig und unübersichtlich. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten bei Patenten, Lizenzen oder Beteiligungen.

Programme wie AplusB der FFG zeigen, dass gezielte Förderung funktioniert: In den dort betreuten Gründungsvorhaben stammen etwa zwei Drittel der Start-ups aus der Wissenschaft. Doch diese Programme erreichen bisher nur einen Teil der potenziellen Gründerinnen und Gründer.

Fazit

Österreich ist forschungsstark – aber schwach in der wirtschaftlichen Verwertung. Trotz Milliarden an Investitionen bleibt die Zahl akademischer Spin-offs niedrig. Das ambitionierte Ziel von 1.000 Spin-offs pro Jahr bis 2030 ist mit den aktuellen Rahmenbedingungen nicht erreichbar. München zeigt, dass klare Prozesse, institutionelle Förderung und Zugang zu Kapital entscheidend sind. Will Österreich den Rückstand aufholen, braucht es Reformen – und den politischen Willen, Unternehmertum als Teil des wissenschaftlichen Systems zu verstehen.

01. September 2025 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: KI-generiertes Bild

top.tirol Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über Tirols Wirtschaftsgeschehen