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Erfolgsfaktor Arbeitskultur

So wird Wohlbefinden zum Wettbewerbsvorteil

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Zwischen Fachkräftemangel, steigenden Anforderungen und wachsender Sensibilität für mentale Gesundheit rückt ein Thema immer stärker in den Fokus: das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Was lange als „Soft Factor“ galt, wird zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Leistungsfähigkeit, Innovation und Arbeitgeberattraktivität.

Konzepte wie Feel-Good-Management oder Job Crafting stehen für einen grundlegenden Wandel der Arbeitskultur. Im Interview erklärt die Arbeits- und Organisationspsychologin Melanie Zandler, worum es dabei wirklich geht – und wie Unternehmen – gerade auch in Tirol – konkrete erste Schritte setzen können.

 

Frau Zandler, Begriffe wie Feel-Good-Management oder Chief Happiness Officer tauchen immer häufiger in Unternehmen auf. Was steckt aus Sicht der Positiven Psychologie dahinter?

Aus Sicht der Positiven Psychologie – einem Forschungsfeld, das untersucht, welche Bedingungen Menschen langfristig leistungsfähig, motiviert und psychisch gesund arbeiten lassen – geht es dabei nicht um oberflächliche „gute Stimmung“ im Büro. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Faktoren wie Stärkenorientierung, Sinnhaftigkeit, Autonomie und gute soziale Beziehungen im Arbeitsalltag. Forschung zeigt, dass genau diese Ressourcen Engagement und Leistungsfähigkeit nachhaltig fördern. Wenn Unternehmen Feel-Good-Management strategisch verstehen, kann daraus eine Arbeitskultur entstehen, die sowohl Mitarbeitenden als auch der Organisation zugutekommt.

Warum gewinnt das Thema Wohlbefinden am Arbeitsplatz gerade jetzt so stark an Bedeutung?

Mehrere Entwicklungen kommen hier zusammen: steigende Arbeitsanforderungen, Fachkräftemangel und eine wachsende Sensibilität für mentale Gesundheit. Gleichzeitig erwarten besonders jüngere Generationen Arbeitsbedingungen, die neben Leistung auch Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten und Wertschätzung bieten. Gerade in Regionen mit starkem Fachkräftewettbewerb – wie auch in Tirol – wird deutlich, dass Arbeitgeberattraktivität heute nicht nur über Gehalt definiert wird, sondern auch über Arbeitskultur, Entwicklungsmöglichkeiten und Wertschätzung. Unternehmen erkennen zunehmend, dass nachhaltige Leistungsfähigkeit eng mit psychologischen Ressourcen zusammenhängt.

 

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„Arbeitszufriedenheit ist kein ‚Nice-to-have‘ – sie ist eine zentrale Voraussetzung für Engagement, Innovation und langfristige Leistungsfähigkeit von Unternehmen.“

- Melanie Zandler, Geschäftsführerin des Zentrums für Integrative Positive Psychologie ZIPP

 

Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie sich Zufriedenheit oder Sinn im Job auf Leistung und Innovation auswirken?

Ja, die Forschung ist hier inzwischen sehr konsistent. Studien aus der Arbeits- und Organisationspsychologie zeigen, dass Mitarbeitende mit hohem Wohlbefinden im Durchschnitt engagierter arbeiten, kreativer denken und resilienter mit Belastungen umgehen. Positive Emotionen erweitern nachweislich kognitive Denk- und Problemlösungsprozesse und fördern dadurch Innovation. Investitionen in Arbeitszufriedenheit sind daher nicht nur kulturell sinnvoll, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive relevant.

Ein enger Begriff ist auch Job Crafting. Was versteht man darunter?

Job Crafting beschreibt die aktive Mitgestaltung der eigenen Arbeit durch Mitarbeitende. Dabei passen sie Aufgaben, Zusammenarbeit oder auch ihre Perspektive auf die Arbeit so an, dass diese besser zu ihren Stärken, Interessen und Werten passt. Die Forschung zeigt, dass bereits kleine Veränderungen – etwa mehr Nutzung eigener Kompetenzen oder bewusst gestaltete Zusammenarbeit – das Engagement deutlich erhöhen können. Job Crafting gilt daher als wirksamer Ansatz, um Motivation und Sinn im Arbeitsalltag zu stärken.

Was raten Sie Betrieben, die das Thema angehen möchten, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

Ein guter erster Schritt ist eine fundierte Standortbestimmung: Wie erleben Mitarbeitende aktuell Arbeitsklima, Ressourcen und Belastungen? Auf dieser Basis lassen sich gezielte Maßnahmen entwickeln, etwa Workshops zu Stärkenorientierung, Job Crafting oder gesundheitsförderlicher Führung. Gerade für viele mittelständische Unternehmen ist es hilfreich, mit überschaubaren Pilotprojekten in einzelnen Teams zu starten. Entscheidend ist, Mitarbeitende aktiv einzubeziehen und Veränderungen nicht nur „top-down“ zu gestalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Zur Person

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Dr. Melanie Zandler (vormals Hausler) ist Arbeits- und Organisationspsychologin, Trainerin für Positive Psychologie und Psychotherapeutin. Die Autorin von „Glückliche Kängurus springen höher“ und Therapietools Wohlbefindenstherapie ist als Psychologin und Coach in freier Praxis tätig, hält Vorträge und Workshops und ist Geschäftsführerin des Zentrums für Integrative Positive Psychologie ZIPP (www.zipp.pro). Am Therapie- und Fortbildungszentrum verbindet sie die Vorteile der Positiven Psychologie mit den Stärken anderer Disziplinen, wie der Arbeits- und Organisationspsychologie.

22. März 2026 | AutorIn: Michaela Ehammer | Foto: Freepik/AI-generated; Andreas Friedle (2)

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