Eingabehilfen öffnen

Skip to main content
Rankings - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Rankings
Unternehmensverzeichnis - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Unternehmen
Newsletter - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Newsletter
Viviana Gutheinz im Interview

Was Gäste heute wirklich erwarten

Die ausgebildete Schauspielerin Viviana Gutheinz ist im Hotel Jungbrunn – Der Gutzeitort für die Bereiche Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung verantwortlich.
Viviana Gutheinz im Interview

Was Gäste heute wirklich erwarten

Die ausgebildete Schauspielerin Viviana Gutheinz ist im Hotel Jungbrunn – Der Gutzeitort für die Bereiche Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung verantwortlich.

Artikel teilen

Luxus hat heute eine neue Bedeutung: weg vom Statussymbol, hin zum sinnstiftenden Erlebnis. Viviana Gutheinz vom Hotel Jungbrunn erklärt, warum emotionale Tiefe, Authentizität und persönliche Entwicklung wichtiger sind als Sterne – und was ein Hotel wirklich zukunftsfähig macht.

Frau Gutheinz, wie hat sich der Anspruch der Gäste an ein Luxus- oder Lifestyle-Hotel in den letzten zehn Jahren verändert?

Viviana Gutheinz: Wir glauben in den letzten zehn Jahren hat sich der Luxusbegriff stark gewandelt – weg von reinem materiellem Überfluss hin zu einem sehr persönlichen, sinnstiftenden Erlebnis. Früher standen goldene Wasserhähne, Michelin-Sterne oder aber generell die Sterneklassifizierung für Luxus. Wir im Jungbrunn haben all unsere Sterne schon vor über 10 Jahren abgegeben.

Heute erwarten unsere Gäste emotionale Tiefe, Echtheit und vor allem Relevanz. Zeit ist zum ultimativen Luxus geworden – verbunden mit dem Bedürfnis, sich selbst zu spüren, sich weiterzuentwickeln und bewusst zu genießen. Ein Hotel wie das Jungbrunn muss daher nicht nur Raum zum Rückzug bieten, sondern auch Impulsgeber sein: für Gesundheit, Design, Kulinarik, Persönlichkeitsentwicklung und Naturverbundenheit.

Gleichzeitig beobachten wir, dass unsere Gäste viel informierter und selektiver geworden sind. Sie vergleichen, recherchieren, hinterfragen – und sind bereit, für Qualität und Sinnhaftigkeit sehr wohl zu investieren. Aber sie erkennen auch sofort, wenn Konzepte unauthentisch oder „aufgesetzt“ sind. Zum Glück!

Welche Trends im Tourismus- und Wellnessbereich halten Sie für überschätzt – und welche unterschätzt?

Überschätzt ist für mich die reine Orientierung an kurzlebigen Trends und Schlagwörtern. Themen wie Bio, Detox, Longevity oder Retreats sind wichtig – aber sie wirken nur, wenn sie echt gelebt und im Betrieb verankert sind. Oft sehe ich Angebote, die rein aus Marketingmotiven entstehen und nicht in die DNA des Hauses passen. Dann verlieren sie schnell an Glaubwürdigkeit und am Ende, verliert man auch den Gast.

Unterschätzt wird dagegen die emotionale Qualität von Beziehungen – sowohl intern im Team als auch in der Beziehung zum Gast. Die wahre Stärke eines Hauses liegt in der zwischenmenschlichen Atmosphäre, im Gefühl von Zugehörigkeit und Vertrauen. Ebenso unterschätzt wird die strategische Kraft von Persönlichkeitsentwicklung: für Mitarbeiter wie auch für Gäste. Was wären wir als Familie Gutheinz, ohne unsere Mitarbeiter und Gäste? Ein sehr schön designtes Haus in toller Lage – aber davon gibt es eben viele. Menschen suchen heute nicht nur Entspannung, sondern auch Transformation – kleine oder große Aha-Momente. Wer das begleiten kann, bleibt langfristig relevant.

Was macht ein Hotel heute wirtschaftlich resilient – jenseits von Lage und Architektur?

Resilienz entsteht durch Haltung, durch ein klares Wertefundament und durch eine starke Marke. Gerade in Krisenzeiten braucht es eine starke Identität – ein „Warum“, das über das reine Produkt hinausgeht. Für uns im Jungbrunn ist das die bewusste Verbindung von familiärer Authentizität mit einem zukunftsorientierten Kosmos, in dem man eine gute Zeit an einem echten Ort erleben kann. Kurz gesagt, der Gutzeitort.

Wirtschaftlich resilient ist ein Hotel dann, wenn es flexibel und lernfähig bleibt, wenn es in gute Mitarbeiter investiert, digitale Prozesse klug nutzt und seine Zielgruppen wirklich versteht. Wir müssen bereit sein, Geschäftsmodelle zu hinterfragen, mutig zu investieren – aber gleichzeitig nahbar und relevant zu bleiben. Die Welt dreht sich immer schneller, daher müssen wir viel offener werden für diversifizierte Einnahmequellen z. B. durch Day Spa, Retail, Retreats, Brand-Kooperationen.

Was am Ende bleibt, ist das Gefühl, das der Gast mit nach Hause nimmt. Dieses Gefühl entscheidet, ob er Sehnsucht nach dem Ort verspürt, wiederkommen will – und wem er begeistert davon erzählt. Im besten Fall entsteht diese emotionale Verbindung nicht erst beim Abschied, sondern schon mitten im Erlebnis.

Ein Glücklicher Gast ist die mächtigste Form des Marketings – diesen Satz darf man gerne zweimal lesen.

Vielen Dank fürs Gespräch!

 

Zur Person:

Viviana Gutheinz ist Gastgeberin und Mitgestalterin des Hotel Jungbrunn – Der Gutzeitort im Tannheimer Tal. Als Teil der Inhaberfamilie verantwortet sie die Bereiche Marketing, Kommunikation und Markenentwicklung und prägt damit den Auftritt und das Erlebnis des Hauses.

04. August 2025 | AutorIn: Entgeltliche Einschaltung | Foto: Hotel Jungbrunn

top.tirol Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über Tirols Wirtschaftsgeschehen